Mehrwegdose statt Plastiktüte

Metzgereien verbannen umweltschädliche Verpackungen

Käse in der Dose anstelle von Folie – die Ware an der Frischetheke können bei manchen Metzgern oder wie hier beim Edeka in der eigenen Mehrwegdose mitgenommen werden. Ebenfalls im Planung: wiederverwendbare Netze und Papiertüten für Obst und Gemüse anstelle von dünnen Plastikbeuteln.

Obertshausen - Große Supermarktketten verbannen nach und nach überflüssige Plastikverpackungen aus ihren Regalen. Beim Einkauf an der Frischetheke verzichten die ersten Märkte ebenso auf die umweltschädliche Verpackung. Von Yvonne Fitzenberger 

Auch in Obertshausen hält der plastikfreie Einkauf Einzug.
Mit leeren Mehrwegdosen im Einkaufskorb betreten die Kunden den Supermarkt. An der Fleischtheke stellen sie diese auf ein Tablett. Der Verkäufer auf der anderen Seite nimmt das Tablett und legt die gewünschte Ware in die Dose hinein, bevor er es zurückgibt. Der Kunde verschließt die Dose und klebt das Etikett darauf. Außer dem Aufkleber und höchstens die Papierunterlage der Schneidemaschine entsteht dabei kein Müll.

So sieht es seit dieser Woche beim Edeka Deckenbach aus. „Wir haben das Okay vom Amt für Veterinärwesen erhalten und das Personal geschult“, bestätigt Frank Deckenbach, Inhaber des Marktes in Obertshausen. Denn was so umweltfreundlich scheint, muss erst einmal mit Hygienevorschriften in Einklang gebracht werden.

Nichts, was der Kunde in der Hand hatte, darf hinter die Theke. „Selbst dürfen die Kunden die Dose befüllen“, berichtet Ines Breuel von der Metzgerei Gruber. Das machen einige der Kunden – sie nehmen das Fleisch möglichst wenig verpackt entgegen und legen es dann in ihre Dose. Der Haken: Die Bedienungen reichen die Wurst trotzdem auf Plastik über die Theke. „Dann entsteht doch Müll.“

Aber eine andere Möglichkeit gibt es für den kleinen Metzger zurzeit nicht. „Wir machen hier alles selbst, das würden wir nicht auch noch packen“, sagt Breuel bezogen auf den Aufwand, der bei der Einführung von Mehrwegpfanddosen oder Tabletts entstünde. Gerade deswegen wünsche sie sich eine Alternative zu der Plastikfolie und den Styroporbehältern, die sie und ihre Kollegen tagtäglich über die Theke reichen.

Mit diesen Tipps kommen Sie ohne Plastik durch den Alltag

2017 gingen in Deutschland 2,4 Milliarden Plastiktüten über den Ladentisch. Eine der leichtesten Maßnahmen, dieses unnötige Plastik zu sparen, ist beim Einkauf auf langlebige "Transportmittel" umzusteigen: Ob Einkaufskorb, Rucksack oder Stoffbeutel – es gibt viele umweltfreundliche Alternativen.

Insbesondere beim Lebensmitteleinkauf gibt es großes Sparpotenzial. Viele Plastikverpackungen lassen sich problemlos vermeiden, indem man unverpackte Waren kauft: Brot vom Bäcker, Wurst vom Metzger, statt eingeschweißtem Obst und Gemüse regionale Produkte vom Wochenmarkt. Viele Lebensmittel – von Nüssen über Kaffee und Müsli bis zu Nudeln und Reis – gibt es in sogenannten "Unverpackt-Läden" lose zu kaufen.

Der Großteil des Plastikmülls besteht aus Einweg-Plastikflaschen für Wasser, Säfte und Softdrinks: Laut der Deutschen Umwelthilfe verbraucht jeder Deutsche jährlich 207 Einweg-Plastikflaschen, insgesamt landen also 47 Milliarden Flaschen pro Jahr auf dem Müll. Statt Wasser in Flaschen zu kaufen, sollten Verbraucher Leitungswasser trinken oder auf Glasflaschen umsteigen.

Mikroplastik ist inzwischen allgegenwärtig. Auch wenn sie fast unsichtbar sind, schädigen die kleinen Kunststoffpartikel das Ökosystem nachhaltig. Mikroplastik wird beispielsweise in Kosmetika wie Cremes, Zahnpasta, Duschgel, Make-Up zum Peelen oder als Füll- und Bindemittel eingesetzt. Über das Abwasser gelangen die Partikel in die Kanalisation und von dort aus in die Oberflächengewässer. Auch synthetische Kleidung aus Polyester oder Nylon setzt beim Waschen Mikropartikel frei. Um Mikroplastik zu vermeiden, ist die Wahl von natürlichen Stoffen empfehlenswert: Bei Kosmetika sind Bio-Produkte mit pflanzlichen Rohstoffen eine gute Alternative. Bei Kleidungskauf lohnt ein Griff zu reinen Naturfasern wie Wolle, Baumwolle, Leinen oder Hanf.

Auch Wegwerfprodukte lassen sich meist mehrmals verwenden: Die typische dünne Plastiktüte aus der Gemüseabteilung kann zum Beispiel als Frischhaltebeutel zweitverwertet werden. Und umweltfreundliche Kosmetika lassen sich leicht selbst herstellen – das spart sowohl Verpackungsmüll als auch Mikroplastik und nicht zuletzt Geld. Für eine feuchtigkeitsspendende Maske reichen zwei Zutaten: Quark und Erdbeeren. Kaffeesatz ergibt ein sanftes und zugleich straffendes Körperpeeling. Aus einem pflegenden Basisöl wie Jojoba-, Avocado- oder Kokosöl entsteht durch Zugabe von ätherischen Ölen im Handumdrehen eine natürliche Bodypflege: Einfach 100 Milliliter Basisöl mit 15 Tropfen eines ätherischen Öls mischen – fertig.

Über Alternativen macht sich auch Jürgen Picard Gedanken. Noch nicht einmal Eierschachteln darf der Metzger zurück nehmen und wiederbefüllen. Es bestehe Kontaminationsgefahr: Salmonellen könnten über die Verpackung von einem Ei auf das nächste gelangen. Daher entstehe bei der Metzgerei im Stadtteil Hausen ebenfalls Verpackungsmüll, der unter den momentanen Umständen nicht vermeidbar ist – den Jürgen Picard aber gerne vermeiden würde. „Die Welt dreht sich auch ohne Plastik weiter“, sagt er und bezieht sich auf die verschwundenen, kostenfreien Tütchen, die es immer in Drogeriemärkten gab.

„Papiertüten würden nicht funktionieren“, sagt Picard. Temperaturen und Luftfeuchtigkeit könnten diese zu schnell aufweichen. Daher müsse man auf Plastik und Styropor zurückgreifen. Aber auch in der Metzgerei wird es bald möglich sein, seine eigenen Mehrwegdosen befüllen zu lassen.

Effektiv Müll vermeiden: So geht's

Lebensmittel wie Reis kann man heute in Läden wie Original Unverpackt bereis ohne Verpackung kaufen. Die Waren werden in mitgebrachte Behälter gefüllt.

Im Supermarkt Original Unverpackt in Berlin gilt das Prinzip der Müllvermeidung: Auf Einwegverpackungen wird verzichtet und loses Gemüse beispielsweise in wiederverwendbaren Beuteln an der Kasse abgewogen.

In einzelnen Supermärkten kann man schon vornehmlich unverpackte Waren einkaufen. Im Lebensmittelgeschäft Original Unverpackt in Berlin füllt Mitarbeiter Thomas Guhr etwa Nudeln in mitgebrachte Gläser ab.

Milena Glimbovski ist Geschäftsführerin des Lebensmittelgeschäftes Original Unverpackt in Berlin.

Stefanie Kießling und ihre Familie versuchen, möglichst ohne Müll zu leben. Sie bloggt darüber. Hier trägt sie eine Upcycling-Tasche aus Stoffresten und Teilen einer alten Tasche.

In vielen Supermärkten gibt es Obst auch unverpackt und einzeln zu kaufen.

Fast eine halbe Tonne Müll verursacht jeder Einwohner Deutschlands pro Jahr.

Seit diesem Monat können Kunden mit ihrer Dosen kommen. Ähnlich wie jetzt ebenfalls beim Edeka-Markt in Obertshausen, wird bei Picard auch ein Tablett die Lösung sein. Diese sind auch schon da, berichtet der Inhaber, aber vorab müsse noch sowohl das Personal als auch die Kundschaft geschult werden. „Es bedarf Erklärungsarbeit, damit die Kunden verstehen, worauf sie achten müssen“, sagt Jürgen Picard. Zum Beispiel, dass sie die Dosen vor der Theke selbst öffnen und dann auf das Tablett stellen müssen – so die strengen Vorschriften.

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