„Du könntest Priester werden“

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Der Neupriester Michael Weber (links) feierte seine Primiz in St. Thomas Morus mit seinen Wegbegleitern und seiner Heimatgemeinde.

Obertshausen - Das Abi in der Tasche, die Anmeldformulare fürs Jurastudium ausgedruckt und einen Platz fürs Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) ergattert. Für Michael Weber zeigte die Karriereleiter nach oben. Von Michael Prochnow

Das änderte sich zunächst auch nicht, nachdem Pfarrer Norbert Hofmann den Ehrenamtlichen während des FSJ-Dienstes im benachbarten Kindergarten in sein Büro gerufen hatte. „Was haste jetzt bloß ausgefressen“, war der erste Gedanke des treuen Oberministranten. Der Seelsorger redete nicht lange um den heißen Brei. „Du könntest Priester werden!“, eröffnete er dem jungen Mann. Der Vorschlag traf ihn wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Eine verbindliche Antwort hat der Pfarrer freilich nicht erwartet. Dass sein Vorstoß wenige Jahre später mit der ersten Primiz in seiner Gemeinde gekrönt wird, macht nicht nur Hofmann sehr stolz und froh.

Am vergangenen Wochenende war es so weit. Michael Weber zelebrierte die erste Eucharistiefeier als Neupriester in seiner Heimatpfarrei St. Thomas Morus. Nachdem der Entschluss erst einmal gefasst war, verlief sein Weg dorthin geradlinig. Die Pläne für eine Zukunft als Rechtsanwalt hatte der junge Obertshausener erst einmal auf Eis gelegt. Früher hätte er sich sogar die Übernahme der Metzgerei des Großvaters vorstellen können, Handwerk hat bekanntlich goldenen Boden. Das Vertrauen des Pfarrers aber ließ ihn nicht mehr los. Bei einem Treffen mit anderen FSJlern fand er Kontakt zur Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt. „Einfach mal angucken“, entschied der Absolvent der heimischen Georg-Kerschensteiner-Schule, die Ausbildungsstätte liegt schließlich nicht weit von zu Hause. Rein optisch konnte sie den Besucher damals nicht überzeugen, grau in grau präsentierte sich das inzwischen abgerissene Seminargebäude.

„Aber der Wunsch, diesen Weg weiterzugehen, war bereits vorhanden“, erinnert sich Weber „Entweder Priester werden oder gar keine Theologie“, hatte er für sich entschieden. Ein Spaziergang wurde es nicht. „Philosophie war das schwerste“, gesteht Zahlenfreund Weber. Dazu kamen Latein, Altgriechisch sowie ein Hebräisch-Kurs. Ein Wintersemester studierte er in Innsbruck, die Prüfung bestand er dann im Juli 2012.

„Gut getan hat mir der Austausch mit Kommilitonen aus Polen und der Slowakei“, resümiert er. „Du merkst, die Gedanken, die du dir machst, haben auch andere: Kann ich das, bin ich wirklich geeignet ...“. Und: „Ja, man kommt schon ins Zweifeln.“ Wenn einer der Freunde im Freisemester eine Frau kennen lernt – und heiratet. „Aber wir haben schon im Studium zölibatär gelebt, es gehört dazu, ich kann damit umgehen.“ Ein Wermutstropfen bleibt: „Einige, die gegangen sind, wären nicht die schlechtesten Priester geworden“.

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Gebete, Vier-Augen-Gespräche mit dem Bischof und Pfarrer Franz Lomberg, seinem geistlichen Begleiter, stärken den Studenten. „Du brauchst manchmal aber auch einen Widerpart zum Nachdenken“, erklärt er. Seit September 2012 lernt er die Aufgaben in der Großpfarrei St. Anna in Braunfels kennen, einem Zusammenschluss aus vielen Diaspora-Gemeinden mit 42 Friedhöfen, berichtet der Neupriester. In der ersten Zeit begleitete er Pfarrer Dr. Christof May und die Kapläne, als Diakon durfte er bereits taufen, trauen, beerdigen. Fast jede Woche habe er Predigtdienste übernommen, war „voll eingebunden“ in den kirchlichen Alltag. „Einer kann druckreif predigen, ein anderer setzt versiert neue Medien ein, der Dritte begeistert durch seine persönliche Art“, sammelte Michael Weber Erfahrungen. Seine erste Kaplanstelle tritt er am 1. September in Höhr-Grenzhausen an.

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