Flüchtlinge setzen sich mit Hausordnung auseinander

Lernen für Traumwohnung

+
Flüchtlinge und Migranten, die eine Wohnung suchen, stoßen auf Vorurteile. Um dem entgegenzuwirken, organisieren die Malteser einen fünfteiligen Kurs. Goitom (links) und Tebark nehmen mit ihrer Patin Ursula teil.

Obertshausen - Um Flüchtlingen die Wohnungssuche zu erleichtern, bieten die Malteser einen Mieterqualifikationskurs an. Dadurch werden auch die ehrenamtlichen Paten entlastet. Von Lisa Schmedemann 

Ausgerüstet mit Stift und Papier warten die Teilnehmer der Mieterqualifizierung darauf, dass Katy Walther, Ehrenamtskoordinatorin bei den Maltesern in Stadt und Kreis Offenbach, das Seminar eröffnet. Die Kursleiterin hat vorher Getränke und Nüsse zur Stärkung für den zweistündigen Kurs verteilt. Die Atmosphäre im Schulungsraum ist familiär: Geflüchtete haben sich zusammen mit ihren Paten für das Seminar angemeldet und kennen die anderen Teilnehmer bereits von Deutschkursen oder anderen Initiativen. „Wir sind mittlerweile auf Augenhöhe“, berichtet Ursula Klinzing und zwinkert ihren beiden Schützlingen Tebark und Goitom aus Äthiopien und Eritrea zu.

Die jungen Männer haben mittlerweile ihre eigene Wohnung. „Aber wir lernen hier bestimmt noch viel Nützliches“, sagt Tebark. Das Sozial- und Integrationsprojekt Mieterqualifizierung nach dem Neusässer Modell habe zwei Ziele und finde zum ersten Mal in Obertshausen statt, erzählt Kursleiterin Walther. „Zum einen befähigt es Flüchtlinge, sich eigenständig nach einer Wohnung umzusehen und entlastet damit die Ehrenamtlichen, zum anderen werden Vorurteile der Vermieter abgebaut.“ Das Seminar besteht aus fünf Modulen und am Ende erhält jeder Teilnehmer eine Urkunde, die den Bewerbungsunterlagen beigelegt wird. Die Unterlagen werden ebenfalls im Laufe des Kurses zusammengestellt und ausgefüllt. Für das erste Modul stehen Mülltrennung, (Haus-) Ordnung und Ruhezeiten auf dem Plan.

Zu Beginn tauschen sich die Teilnehmer über ihre Erfahrungen aus. Diese fallen mehrheitlich negativ aus. „Die Wohnung, die uns gezeigt wurde, war nicht bewohnbar“, berichtet Patin Ursula kopfschüttelnd. „Trotzdem wollte die Dame sie uns unbedingt andrehen.“ Patin Hanne fügt hinzu: „Oft liegt es ja gar nicht unbedingt an der Herkunft, sondern daran, dass Vermieter nichts mit Behörden zu tun haben wollen.“ Es gibt jedoch auch positive Berichte. „Wir haben unter uns auch eine Wohngemeinschaft“, erzählt der Ehrenamtler Andreas Krause. Es sei viel wert, sich zusammenzutun und schwierige Zeiten gemeinsam zu meistern.

Der Deutsche lebte selbst 15 Jahre in England und kam dann mit seiner Frau zurück nach Hausen. „Das ist sicherlich ein Motiv dafür, dass ich heute so engagiert bin.“ Edyta ist seit zwei Jahren in Deutschland und Krauses Schützling. „Ich komme aus Polen, ich bin also wie Andreas ein Europamigrant“, berichtet die Mutter eines Siebenjährigen.

Wohnungsnot als gesellschaftlicher Sprengstoff

Die Kursleiterin geht zur ersten Aufgabe über, die die Anwesenden in ihrem Schulungsheft ausfüllen. Es folgt eine Gruppenarbeit, dann wieder ein bisschen Theorie mit Regeln. Eine Aufgabe mit wichtiger Botschaft stellt die Mülltrennung dar: Walther verteilt verschiedene Mülltüten und -behälter und drückt jedem Teilnehmer etwas in die Hand, das richtig entsorgt wird. Während Milchtüten und kleine Kartons keine Zweifel aufkommen lassen, ist ein leeres Marmeladenglas ein Hindernis. „Wer richtig trennen will, muss den Deckel und das Glas separat entsorgen“, sagt Walther. Aber das bekämen auch Einheimische nicht immer hundertprozentig hin, sagt sie schmunzelnd.

Die Seminarleiterin erklärt, dass nur die Restmülltonne selbst gezahlt wird. „Wenn ihr nicht viel Restmüll habt, spart ihr also eine Menge Geld.“ Der Afghane Khalil Sharaf schaut sich den Abfallkalender der Stadt Obersthausen aufmerksam an. Ihm fällt auf, dass Sperrmüll gar nicht eingetragen ist. „Den müsst ihr selbst bei der Stadt bestellen, das dauert dann ungefähr zwei Wochen“, sagt Walther. Die zwei Stunden Seminarzeit vergehen wie im Flug. „Es war ein guter Start: Es gab mehr Anmeldungen als gedacht, und alle sind gekommen“, resümiert Walther zufrieden.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion