Migranten eine Stimme geben

Arif Ergüven wirbt für Engagement im Obertshausener Ausländerbeirat

Vorsitzender Arif Ergüven präsentiert die Broschüre, in der sich der Ausländerbeirat vorstellt und für weitere Kandidaten wirbt.
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Vorsitzender Arif Ergüven präsentiert die Broschüre, in der sich der Ausländerbeirat vorstellt und für weitere Kandidaten wirbt.

Vor gut 30 Jahren bildete die Stadt Obertshausen eine Ausländerkommission, die sich der Belange von Migranten annahm und die Wahl des ersten Ausländerbeirats (ALB) vorbereitete. Am 14. März wird das Gremium neben der Stadtverordnetenversammlung neu gewählt.

Obertshausen – Der gemeinsame Termin bringt schon ein bisschen von der Nähe zur lokalen Politik, die sich der noch amtierende ALB-Vorsitzende Arif Ergüven und sein Team wünschen. Zumindest an den kommunalen Wahlen würden sie gerne teilnehmen, sagt der Sprecher. „Dann bräuchte man keine Ausländer-Vertretung mehr“, argumentiert er. Auch viele Obertshausener, die keinen Pass der Europäischen Union besitzen, leben zum Teil seit Jahrzehnten in Hessen oder wurden gar hier geboren. „Durch den gemeinsamen Wahltermin finden vielleicht mehr Nicht-EU-Bürger den Weg an die Urnen“, hofft Ergüven. Zudem spare dieser Geld.

Sieben Mitglieder umfasst der Rat in Obertshausen. Der Mann an der Spitze kam vor zehn Jahren durch seinen Vorgänger Ivica Birovljevic zu seinem Amt. Die damalige Gruppe besuchte Vereine von Migranten, so auch den an der Alexanderstraße, in dem der Mann aus der Türkei aktiv ist. Und damals wie heute vereinten sich alle Kandidaten in der internationalen Liste. Ergüven wurde gleich zum Vorsitzenden der Runde bestimmt.

„Ich wollte jetzt eigentlich aufhören“, erklärt er. Doch auch Murat und Mesut Demir sowie das kroatische Ehepaar Romana und Tomislav Romanik verlassen das Gremium, dafür stellen sich neben den Obertshausenern mit türkischen Wurzeln ein Portugiese und ein Pakistaner zur Wahl. Bis zum 4. Januar können sich weitere Interessierte noch beim Wahlamt im Rathaus Schubertstraße melden.

„Ein Wähler kann maximal sieben Stimmen abgeben, bis zu drei für eine Person“, erläutert der Vorsitzende. Am Mittwoch, 16. Dezember, findet im Bürgerhaus ein Info-Abend statt. Dann wird Ergüven auch von den Aktivitäten des Beirats in der ablaufenden Legislaturperiode berichten. Da haben sie alle Kindergärten und Schulen besucht.

„Die Probleme liegen meist in Sprache und Integration“, resümiert der Leiter, „manche Eltern sprechen kein Wort deutsch“. Für den vierfachen Familienvater ist es der richtige Weg, „erst eine Sprache, dann die zweite zu lernen“. Mitglieder des Rats haben für den muttersprachlichen Unterricht geworben, der seitens der Landesregierung abgeschafft werden sollte. „Früher liefen die Kurse anstelle von Religions- oder Ethikunterricht, dann wurden sie auf den Nachmittag gelegt, sodass nur noch wenige Schüler kamen.“

„Fast vier Jahre haben wir für ein islamisches Gräberfeld, gekämpft“, fährt der Vorsitzende fort, 14 Muslime verschiedener Nationen wurden bislang auf dem Areal auf dem Neuen Friedhof im Birkengrund beerdigt. Mit einer Aktion versuchte der Rat zudem, mehr Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund für die Feuerwehr zu begeistern – nur wenige sind dem Aufruf gefolgt.

Auch hatten die drei türkischstämmigen Vereine mit dem ALB ein Fastenbrechen mit 800 Besuchern organisiert. Zum festen Jahresprogramm gehörte zudem das Europafest. Nach Terroranschlägen in den vergangenen Jahren knüpfte der Beirat Kontakt zu allen Kirchengemeinden in der Stadt und besuchte die Einrichtungen. Das zuletzt verabredete Gespräche in der Moschee verhinderte Corona. Den Rücken gestärkt habe der internationalen Vertretung der einstimmige Beschluss des Stadtparlaments, den Beirat „nicht durch eine zahnlose Integrationskommission zu ersetzen“.

Die Kommunalpolitiker verurteilten auch, dass jüngst fünfmal der Schaukasten des ALB mit rechten Parolen beschmiert wurde. „Wir sind bereit, bei Konflikten jederzeit zu schlichten“, betont der Elektriker. Wichtig sei ihm, zu den bislang fünf Frauen weitere zu einer Kandidatur zu bewegen. Ergüven selbst möchte „Menschen helfen, die es schwer haben“.

(Von Michael Prochnow)

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