„Modell für die ganze Welt“

32. Europafest des Kreises Offenbach lockt Besucherscharen

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Am Stand des Türkisch-Deutschen Kultur- und Freundschaftsvereins Obertshausen sorgten die fleißigen Frauen dafür, dass der Nachschub an Fladenbroten nicht abriss.

Obertshausen - Rund um das Bürgerhaus Hausen stieg gestern das 32. Europafest, zu dem der Kreis Offenbach, die Stadt Obertshausen sowie Kreis- und Stadt-Ausländerbeirat alljährlich einladen. Von Michael Prochnow 

Die angekündigte Wetter-Katastrophe beschränkte sich auf einen Schauer zum Schluss und schweißte die Nationen noch enger zusammen.

Ganz in Schwarz, mit einer roten Schärpe, so bevölkern fast 40 Mädchen und Jungen aller Altersklassen die Bühne. Zum Finale steigern sich die Schüler des griechischen Kulturvereins Megas Alexandros mit dem Rhythmus des Sirtaki. Die Herzen der Zuschauer auf den Bänken fliegen ihnen entgegen, wenn sie die Bühne verlassen und durch die Reihen tanzen. Immer mehr Publikum lässt sich von den jungen Tänzern gewinnen.

Auch der Rodgauer Square-Dance-Club „Witches & Wizzards“ bereicherte das Bühnenprogramm.

Das ist die tolle Atmosphäre, die immer mehr Einheimische begeistert und an die Tempelhofer Straße lockt. Besondere Aufmerksamkeit errang diesmal eine Volkstanzgruppe aus einem Stadtteil der Partnerstadt Meiningen. Sie marschierten in Dreispitz und Gehrock, in Hauben und mit „Teebeutel“ über die Bühne. Eine Sprecherin stellte die Kleidung der Paare vor und verriet, wo geheime Taschen versteckt sind. Auch der Square-Dance-Club „Witches & Wizzards“ aus Rodgau war wieder dabei, ihr Caller verpackte die Tanzanweisungen in seinen Gesang. Und natürlich rissen die Mädchen vom spanischen Elternverein das Publikum mit.

Ein Generationswechsel lässt Murat Düsgün, den Vorsitzenden des Türkisch-deutschen Kultur- und Freundschaftsvereins zweifeln, wie’s mit der einst ausgezeichneten Folkloregruppe seines Vereins weitergeht.

Vermisst wurden auch die Portugiesen aus Offenbach mit ihren farbenprächtigen Kostümen. Die Aleviten aus Rodgau und die angekündigte afghanische Tanzgruppe aus Obertshausen mussten kurzfristig absagen. So haben die Schwierigkeiten in den Vereinen auch die Gemeinschaften mit Wurzeln in anderen Kulturen erfasst. Dennoch erscheint das Treffen in Obertshausen als wichtiger denn je.

Landrat Oliver Quilling lobte, es sei schön, „dass sie uns die Treue halten“ und sprach von einem „Symbol des Miteinanders der Nationen“. Die Feier sei eine „Erfolgsgeschichte“, unterstreiche, „gemeinsam sind wir stark“. Bürgermeister Roger Winter dankte für die gute Zusammenarbeit, „wir können Feste feiern“. Doch vor allem gehe es um zwischenmenschliche Beziehungen, die funktionieren, „das beweisen wir an 365 Tagen in Obertshausen.

Europafest in Obertshausen: Bilder

Europastaatssekretär Marc Weinmeister war „geplättet“ von der Dimension des Europafestes und zollte ein „riesen Kompliment“ an die Stadt: „Das ist ein tolles Zeichen, dass wir in Europa auch zusammen feiern können“. Und: „Die Vaterländer haben eine gemeinsame Mutter – Europa“. Daran knüpfte Weinmeister große Hoffnung, eine Vielfalt der Regionen und Religionen. Er hatte gerade den Dalai Lama getroffen, der die EU als „Modell für die ganze Welt“ sehe.

Für den Ausländerbeirat des Kreises attestierte Hüssamettin Erylmaz „Akzente für gelebte Integration“, freute sich über die Möglichkeiten der Begegnungen. Für den Ausländerbeirat der Stadt sprach sein stellvertretender Vorsitzender Murat Demir: „50 Jahre nach den ersten Einwanderern ist die Integration weit vorangeschritten“. Das Zusammenwirken und die Begegnungen vorm Bürgerhaus gaben ihm recht.

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