Prozess in Darmstadt

Moderne Sklaverei mit Hungerlohn und Schlägen

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Obertshausen/Heusenstamm - Moderne Sklaverei im Rhein-Main-Gebiet: Vor dem Landgericht Darmstadt sind zwei Männer angeklagt, die 22 Schwarzarbeiter unter unwürdigen Bedingungen zur Arbeit gezwungen und ausgebeutet haben sollen.

Schläge, Hungerlohn, kaum Schlaf: Unter unwürdigen Bedingungen sollen zwei Männer im Rhein-Main-Gebiet zahlreiche Schwarzarbeiter aus Afghanistan und Pakistan als Prospektverteiler beschäftigt haben. Die äußerst gering bezahlten Männer sollen bei wenig Schlaf auf engem Raum eingepfercht worden sein. Heute begann der Prozess gegen die beiden 50 und 58 Jahre alten mutmaßlichen Täter vor dem Landgericht Darmstadt. Die Anklage lautet auf Verstoß gegen das Schwarzarbeits-Bekämpfungsgesetz. Abgespielt haben soll sich das Drama zwischen August 2012 und Juli 2013 hauptsächlich in Lagerhallen in Obertshausen und Heusenstamm. "Die Beschäftigten waren aufgrund des Fehlens von Sprachkenntnissen hilflos", sagte Staatsanwalt Robert Hartmann beim Verlesen der Anklage. Sie hätten keine Arbeitserlaubnis gehabt. Einige von ihnen treten als Nebenkläger auf.

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Hartmann sprach von "einem auffälligen Missverhältnis zu normalen Arbeitsbedingungen". Es habe keinen geregelten Ablauf gegeben. "Gezahlt wurde nicht einmal ein Drittel dessen, was üblich ist." Bei 35 Euro Lohn am Tag sei bei den oft üblichen Zwölf-Stunden-Schichten noch nicht einmal drei Euro Stundenlohn herausgesprungen. Selbst dieses Geld sei oft einbehalten worden. Zeitweise sollen in den Lagerhallen bis zu 22 Personen in drei Räumen untergebracht gewesen sein, bei manchmal nur zwei Stunden Schlaf auf einer Schicht Pappkarton auf dem Boden. Ein Zeuge sagte, er habe für das Übernachten in der Lagerhalle pro Monat 100 Euro extra zahlen müssen. Laut Staatsanwaltschaft bekamen die Männer mitunter nur "einmal am Tag ein Stück Pizza" zu essen.

Die beiden Angeklagten hielten sich zu Prozessbeginn bedeckt. Der 50-Jährige ließ seinen Anwalt eine Erklärung verlesen, wonach er selbst nur pro forma als Subunternehmer für eine Werbefirma fungiert habe. Der 58-Jährige sei der wirkliche Chef gewesen und habe alle Fäden in der Hand gehabt. "Er hat die Leute eingestellt, bezahlt und auch wieder rausgeschmissen." Der 50-Jährige gab weiter an, beim Mitangeklagten Schulden gehabt zu haben, deswegen sei es ihm nicht möglich gewesen, auszusteigen. "Es tut mir leid, als Strohmann mitgemacht zu haben." Für den Prozess sind insgesamt vier Verhandlungstage angesetzt. Den Angeklagten droht eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.

(dpa)

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