Fasten und Armen helfen

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Mitglieder des Türkisch-Islamischen Kulturvereins Obertshausen trugen beim gemeinsamen Fastenbrechen im Hausener Bürgerhaus auch Gedichte und Suren aus dem Koran vor. 

Obertshausen - Samstag, 20. 58 Uhr, großer Saal des Hausener Bürgerhauses. Imam Mehmet Kaya greift zum Mikrofon, erhebt die Stimme zum Gebetsruf Ezan. Damit endet das Fasten am 11. August. Von Michael Prochnow

Schon eine Stunde zuvor haben Jungs in schwarzen Polo-Shirts mit dem DITIB-Logo der Moschee Ayran, den Jughurt mit Wasser, und Warmhalte-Packungen mit dem Essen für fast 500 Gäste verteilt. Zum gemeinsamen Fastenbrechen während des Fastenmonats Ramadans hatte der Türkisch-islamische Kulturverein aus der Alexanderstraße Obertshausener aller Nationen eingeladen.

DITIB, das steht für Diyanet Isleri Türk Islam Birligi, dem staatlichen Religionsministerium in der Türkei. Die deutsche Zentrale ist in Köln angesiedelt. Die Gemeinschaft schult die Imame, die Geistlichen des Islam, und überwacht die Aktivitäten in ihren Zentren.

„Hass predigen und auf eigene Faust Regeln aufstellen, das ist nicht möglich“, erläutert Ugur Aydin vom Vorstand des Obertshausener Vereins, dem fast 140 erwachsene Mitglieder und deren Familien angehören.

Von Sünden freihalten

„Fasten im Islam ist eine Form des Gottesdienstes“, erklärt Aydin weiter. „Es gehört zu den fünf Säulen des Islam, also zu den Hauptpflichten, die ein Muslim erfüllen soll.“ Der Verzicht sei eine „direkte Angelegenheit zwischen dem Gläubigen und seinem Schöpfer“. Die Seele des Fastenden werde gereinigt und geläutert und seine Beziehung zu Gott und seinen Mitmenschen gefestigt. Ohne diese Sicht bliebe das Fasten bedeutungslos und leer.

Es verlange, von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang dem Körper nichts zuzuführen. Kranke und Arbeiter in großer Hitze, Kinder und Schwangere seien der Pflicht entbunden. Viele spenden stattdessen, erläutert Aydin. Auch Beischlaf sei am Tage untersagt. Das sei das „äußere Fasten“. Die „innere Dimension“ bestehe darin, dass der Mensch versucht, sich von Sünde freizuhalten. „Vielleicht kann er das auf die anderen elf Monate übernehmen.“ Ziel sei, Selbstbeherrschung und Konzentration auf das Wesentliche einzuüben, „zu spüren, dass man allein von Gott abhängig ist“.

Die Muslime genießen beim Fastenbrechen aber auch das besondere Miteinander in der Familie und unter Freunden. Jugendliche und Erwachsene tragen an diesem Abend religiöse Gedichte und Suren aus dem Koran in eigenen Melodien vor, zum Teil begleitet von einem Flötenspieler. Jetzt ist es kurz nach neun Uhr und sie öffnen die Styroporschachteln. Reis und Rindfleisch dampfen noch, Salat und süßes Baklava-Gebäck zum Nachtisch liegen daneben.

Handvoll Lokalpolitiker war der Einladung gefolgt

Am kommenden Samstag feiern sie den Abschluss des Ramadanmonats mit dem „Fest des Fastenbrechens“. Auch dann werde an die Schwächeren gedacht. Nach dem Morgengebet gratulieren sich die Gläubigen gegenseitig. Jüngere Leute besuchten ältere und kranke und erwiesen ihnen Respekt, Kinder würden an den drei Festtagen mit Geld und Süßigkeiten beschenkt.

Nach dem islamischen Kalender rutscht der Beginn jedes Jahr um zehn Tage zurück. Im Sommer ist das Fasten anstrengender, dennoch versuchten schon Jugendliche, die Regeln einzuhalten, schilderte Vorstandsmitglied Aydin. Er begrüßte im großen Saal des Bürgerhauses auch den türkischen Vizekonsul Ömer Bedir, den Religionsattaché im Generalkonsulat Frankfurt, Dr. Yasar Saracettin Bayta, und Obertshausens Ersten Stadtrat Hubert Gerhards.

Das Treffen soll „den gegenseitigen Dialog, die Begegnung und das Miteinander der Einwohner unserer Stadt fördern – unabhängig von Religion, Sprache und Herkunft“, unterstrich Ugur Aydin.

Immerhin, eine Handvoll Lokalpolitiker war der Einladung ins Bürgerhaus gefolgt.

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