Mehr als die Summe der Teile

Aus Müttertreff ist ein soziales Zentrum geworden

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Eis, Schminken und viele Spielgeräte: Beim großen Geburtstagsfest des Familienvereins Tausendfüßler kamen die Kleinsten nicht zu kurz.

Obertshausen - Als einige Mütter sich im Jahr 1985 zusammentaten, um die Betreuung ihrer Kinder gemeinsam zu organisieren, wurden sie noch belächelt. Heute ist der Familienverein Tausendfüßler eine feste Institution in der Stadt. Von Michael Prochnow 

Vor 30 Jahren ging es einer Gruppe junger Mütter zunächst um die Frage, wie sich die Kinder sinnvoll betreuen lassen. Damals wurden sie hinter vorgehaltener Hand noch als Kaffeekränzchen belächelt. Doch die Mütter ließen nicht locker - am Samstag feierten die „Tausendfüßler“ im Bürgerhaus ihren 30. Geburtstag und sind als Institution aus der Stadt nicht mehr wegzudenken. Heute wird ihr Konzept als Pilotprojekt bewundert. Der erste Schritt in Richtung Zukunft war der Wandel vom „Verein für Frauen und Kinder“ hin zum Familienzentrum. Auch das nächste Ziel ist bereits anvisiert: Passend zu ihrem Namen will der Vorstand die Gemeinschaft zu einem Netzwerk ausbauen, das soziale und kulturelle Angebote in der Stadt verbindet.

Ein solcher Knotenpunkt darf freilich nicht die Zeichen der Zeit aus dem Blick verlieren, muss aktuelle Entwicklungen im Gefüge der Kommune erkennen und darauf reagieren. Diese Aufgabe hat sich die Vorsitzende Nicole Luque zu Herzen genommen, und pflegt mit den Flüchtlingen einen guten Kontakt. Während ein großer Teil der alteingesessenen Bevölkerung das fröhliche Geburtstagsfest im und vorm Kleinkunstsaal mal wieder verschlafen hat, lassen sich die neuen Nachbarn nicht zweimal bitten. Fast die Hälfte der Gäste hat seine Wurzeln in Syrien, Äthiopien, Eritrea, Pakistan oder Afghanistan, bereicherte das Fest mit Leckereien und Tänzen aus ihrer Heimat. Für viele einheimische Besucher gehören die neuen Obertshausener einfach dazu. Auch ein Verdienst des vielfüßigen Geburtstagskinds.

Der gerade wiedergewählte Kreisbeigeordnete Heide Heß oblag das Ehrenamt, im vorangestellten akademischen Teil des Nachmittags Rückschau zu halten. „Wir brauchen Räume“, diese Erkenntnis ziehe sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des Vereins, sagt Heß. Schnell wuchs der Bedarf über das heimische Wohnzimmer hinaus. Damals waren viele Gespräche mit dem Bürgermeister nötig, um die Politik von der Idee privater Kindergärten zu überzeugen. Die vermeintlichen „Traumtänzerinnen“ zogen bereits ein Jahr nach Vereinsgründung in den Nebenraum der Sporthalle Badstraße. Aber auch dort wuchs der Tausendfüßler schnell heraus und man zog 1992 in eine Villa an der Seligenstädter Straße 43a, wo heute das Horst-Warnecke-Haus der Arbeiterwohlfahrt steht. Durch dessen Bau mussten die Tausendfüßler zum Jahrtausendwechsel nach schräg gegenüber ziehen. Auch das ehemalige Wohnhaus mit der Hausnummer 34 ist längst zu eng geworden für die vielen Projekte und Angebote, die weit über die einer normalen Kinderbetreuung hinausgehen.

Spielkreis statt Kneipentour: Wenn Freunde Eltern werden

Wieder ist der Familienverein gewachsen und der Umzug in eine größere Unterkunft steht an. Der Verein soll mit der Betreuung der Sonnentauschule in das von der Stadt geplante Mehrzweckhaus auf dem Festplatz Vogelsbergstraße ziehen. Die neuen Räume sind dringend nötig: 70 Familien sind mittlerweile im Verein organisiert – das sind rund 250 Personen.

Herzstück der Vereins ist und bleibt der Mini-Kindergarten mit derzeit zwei Gruppen. Um ihn herum werden Tageseltern und Babysitter vermittelt; Strickkurse und Hatha-Yoga für Schwangere angeboten. Aber das Feld wird breiter: Mittlerweile stehen auch progressive Muskelentspannung, autogenes Training und ein offener Basteltreff auf dem Programm.

In Zukunft wird das Fest-Motto „Miteinander - füreinander“ noch mehr die Arbeit der Tausendfüßler prägen. Denn der Verein will Synergien nutzen und ist im Bürgerhaus bereits Kooperationen mit Terre des hommes oder der Flüchtlingshilfe eingegangen. Ihr gilt auch der Erlös aus all den Leckereien.

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