Auf einen Plausch bei Renz

+
Der Musikladen Renz von Manfred (links) und Thilo Büttner ist für viele mehr als nur ein Geschäft.

Obertshausen - Ob Rodgau Monotones, Tom Jet oder die Musikschule - die erste Anlaufstelle ist für sie das Musikgeschäft Renz der Familie Büttner. Das Geschäft in der Pfarrer-Schwahn-Straße 23 ist mehr als ein Instrumentenladen. Von Bettina Link

Dort treffen sich Musiker zum Fachsimpeln, Ausprobieren und Stöbern. Fehlt es an Ausrüstung für den Auftritt, haben Thilo und Vater Manfred Büttner alles parat. „Wir sind wie ein Auskunftsbüro“, erzählt der Sohn. Ob Klaviertransporter oder eine Band – die Büttners vermitteln.

Das traditionelle Geschäft ist weit über die Grenzen Obertshausens bekannt. „Zu uns kommen Kunden aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet“, freut sich der heutige Inhaber Thilo Büttner. Wer in der Region Musik macht oder eine Band gründen will, kommt zuerst zu ihnen. „Wir haben Künstler zusammengebracht, die dann eine Band gegründet haben“, erinnert sich der Junior, der schon von Kindesbeinen an mit seinem Vater im Musikladen stand und von dem er 2003 das Geschäft übernommen hat.

Nur der Name Renz erinnert noch an den früheren Besitzer. „Da Albert Renz keine Kinder hatte, fragte er meinen Vater, ob er das Geschäft nicht weiterführen wolle“, erklärt der 44-Jährige.

Und es gibt noch einen Namen: Um 1900 hat der Zitherbauer Eckel in der Kaiserstraße in Offenbach das Geschäft gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog der Laden in die Bieberer Straße. 1932 übernahm ihn Albert Renz und überließ ihn fast 30 Jahre später Schritt für Schritt Manfred Büttner. 2002 gab der dann die Leitung an seinen Sohn Thilo ab. Dieser erinnert sich noch an die Offenbacher Zeiten: „Das war nicht nur ein Geschäft. Man traf sich auf eine Zigarette in unserem Laden, um sich über Musik auszutauschen.“

Von 30 auf 500 Quadratmeter

Im Laufe der Zeit wurde die Nachfrage immer größer und die Verkaufsfläche in Offenbach zu klein. Auf 30 Quadratmetern drängten sich Gitarren, Geigen und Trompeten. „Deswegen haben wir 2002 beschlossen, den Lagerraum in Obertshausen als Laden zu nutzen“, erzählt der Inhaber. Inzwischen breiten sich die Instrumente und sämtliches Zubehör auf 500 Quadratmetern aus. „Den Charme eines Tante Emma Ladens haben wir aber trotzdem noch“, findet Vater Büttner, der auch mit fast 80 Jahren nicht einen Tag ohne seine Instrumente verbringt.

Sein Sohn ist froh über die Unterstützung: „Er hat so viel Fachwissen. Vor allem, wenn es um ältere Instrumente geht, bin ich froh, dass er weiterhelfen kann.“ Mit Trompete, Gitarre und Co. kennen sich Beide sehr gut aus. Sowohl Vater als auch Sohn spielen verschiedene Instrumente. Thilo Büttner ist mit Trompete und Gitarre in zwei Bands aktiv. Sein Vater hat mit der Violine seine Musikkarriere gestartet, spielt aber auch Klarinette und Saxofon. „Alle Instrumente, die wir verkaufen, können wir zumindest anspielen“, erzählt Manfred Büttner. „Wir müssen schließlich wissen, wovon wir sprechen“, fügt sein Sohn hinzu. Deswegen gibt es in dem Musikladen auch kein akustisches Klavier. „Wir bräuchten jemanden, der sich damit auskennt.“

Geschichtsbuch der Intrumente

Musik Renz erscheint wie ein Geschichtsbuch der Intrumente, das auf zwei Etagen zum Entdecken einlädt. Im Untergeschoss zeigt Manfred Büttner stolz seine Raritäten: „Die Klarinette ist noch aus Zeiten von Mozart“, unterstreicht er und holt das filigrane, aus Holz gefertigte Stück hervor. Daneben reihen sich weitere Generationen des Blasinstruments. Auch ein Originalsaxofon von Erfinder Adolphe Sax zählt zu seinen Schätzen. „Die habe ich einem griechischen Musiker abgekauft, der Geld brauchte“, lacht er. Zu fast jedem Instrument kann der Seniorchef eine Anekdote erzählen. So auch zu einer Violine, die ein Geigenbauer aus dem Sudetenland nach Obertshausen brachte. Das Besondere an ihr: Statt der Schnecke ist der Kopf des Geigenbauers in das Holz geschnitzt.

Doch nicht nur mit der Geschichte kennt er sich aus. Auch Reparieren hat er gelernt. „Alles, was wir verkaufen, reparieren wir auch.“ Sagt’s und nimmt die Tuba eines Kunden genauer unter die Lupe. Anfänger, Hobby- oder Berufsmusiker – zu den Büttners kommen eben alle. „Wer sich gar nicht auskennt, soll sich genauso gut aufgehoben fühlen wie der Profi. Unsere individuelle Beratung schätzen die Kunden sehr.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare