Welche Exemplare sich in Obertshausen tummeln

Naturschützer zählen Wasservögel

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Einer guckt, eine notiert: Der Naturschutzbund zählte in Obertshausen Wasservögel. Die Ergebnisse werden nun ausgewertet.

Obertshausen - In Europa werden aktuell Wasservögel gezählt. Am See Im Rabenhaus, dem Vereinsgewässer des Angelsportvereins und am See Am Goldberg, gegenüber auf Heusenstammer Gemarkung, registrierte der Ortsverein des Naturschutzbunds (Nabu) das Aufkommen der Arten. Von Michael Prochnow 

Die Ergebnisse wertet jetzt der Dachverband der deutschen Avifaunistetn (DDA) aus. Wenn der gemeine Hesse von der Futtersuche heimgekehrt ist und sein Nest bereitet hat, fällt er in einen ausgedehnten Wochenend-Schlaf. Nicht so seine Verwandten der Gattung Naturschützer. Sie verlassen ihr Heim selbst bei Eis und Schnee in aller Frühe, um die gefiederten Freunde an Binnengewässern zu beobachten. Anfang des Jahres wandern sie nicht nur mit Ferngläsern und -rohren am Ufer entlang, sondern packen auch Listen und Schreibzeug ein.

Europaweit sollen im Januar Wasservögel registriert werden, um Entwicklungen in der Natur festzustellen. In Obertshausen organisiert dies Peter Erlemann, Vorsitzender des örtlichen Nabu. 19 Zählstellen sind für Stadt und Kreis Offenbach ausgewiesen. Seit 30 Jahren wird der Bestand notiert. Kaum auf einer verschneiten Landzunge nahe des Vereinsheims der Angler angekommen, entdeckt Erlemann eine Tafelente. Sie steht in Hessen auf der Roten Liste der bedrohten Arten. Bald erspäht die Nabu-Gruppe durch ihre Gläser Tafel-, Schnatter- und Reiherente, insgesamt fast 50 Tiere. „Die Witterung im Dezember war mit meist mehr als fünf Grad zu mild“, erklärt der Experte, „viele Vögel, die’s kälter mögen, sind weitergezogen“.

Der Reiher, zum Beispiel. In ganz Hessen leben derzeit rund 500 Paare, weiß der Nabu-Chef. Weit mehr Exemplare träfe man jetzt in Nordost-Europa. Arten wie die Rohrdommel, die Krick- und die Schnatterente reisen nur zum Brüten dorthin. Es gibt aber auch umgekehrte Entwicklungen: „Die Zugrichtungen haben sich verändert. Vögel, die früher nach Süden gezogen sind, verharren hier“, beobachtet Dr. Mara Greve, stellvertretende Kreis-Vorsitzende der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON).

Krick-, Schnatter- und Tafelenten haben früher in Südfrankreich überwintert, jetzt leben sie in stattlichen Populationen im Rhein-Main-Gebiet. Der Reiherente gefällt es mittlerweile ganzjährig hier, die Tafelente findet hingegen in den Gewässern vor Ort ihr Futter nicht mehr. Kormorane gab’s früher zehn bis 15. Momentan haben einige Tiere auf der Westseite des Anglersees einen Schlafplatz gefunden.

Das Ergebnis der Zählung: Platz eins nehmen die Blesshühner ein, 56 Tiere tummeln sich allein am Anglerweiher, 13 im See Am Goldberg. Es folgen die Stockenten, 27 wurden auf Oberts-hausener Seite, 39 auf Heusenstammer gesehen. 28 Krickenten schwimmen als Dauergäste im Goldbergsee. Außerdem entdeckten die Naturschützer drei Silberreiher, einen Eisvogel, eine Große Rohrdommel und eine Wasserralle. Dazu einige Zwerg- und Haubentaucher, Tafel-, Reiher und Schnatterenten in kleineren Populationen. 26 Kanadagänse traf die Gruppe auf einem Feld.

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