Politiker und Vereine überzeugten sich davon

Naturschutzgebiet und Biotop entwickeln sich prächtig

+
Mehr als 219 Pflanzenarten und über 400 verschiedene Falter sind dort zu finden.

Obertshausen - Nicht nur das Naturschutzgebiet Gräbenwäldchesfeld im Süden Hausens wird von Kreis, Stadt und Verbänden gefördert. Auch das benachbarte Biotop zwischen der alten und der aktuellen Trasse der B448 hat sich dank vielfältiger Unterstützung prächtig entwickelt. Von Michael Prochnow 

Politiker und Vereine nahmen das Gelände jetzt in Augenschein. Das Gelb des Hahnenfußes setzt Akzente. Um die Lachen herum gedeihen Schafgarben und sieben verschiedene Seggen-Arten, verkündet Peter Erlemann stolz. Der Vorsitzende des Naturschutzbunds (Nabu) in Obertshausen begleitet die Wandlung des Areals bis heute tatkräftig und mit viel Sachverstand. Erst mal mussten die Weiden weg, erinnert Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger vor Ort. Sie warfen Schatten und verhinderten so, dass sich heimische, aber selten gewordene Gräser und Amphibien ansiedeln.

Das ist heute anders. 4000 Quadratmeter zwischen der Abfahrt nach Hausen und der alten Rodaubrücke wurden im vergangenen Herbst entbuscht. „Dank der erfolgreichen Pflegemaßnahme ist wieder ein Raum für seltene Pflanzen wie Schwertlilie, Blasen-Segge, Dreizahn und verschiedene Froscharten entstanden“, berichtet der Gast aus Dietzenbach. „Damit wird diese Fläche ähnlich wertvoll wie das angrenzende Naturschutzgebiet selbst und kann mit diesem vernetzt werden.“

Die Umweltdezernentin dankt der Stadt Obertshausen, der Unteren Naturschutzbehörde und den ehrenamtlichen Helfern der Verbände. Mit einer gemeinsamen Aktion haben sie dafür gesorgt, „dass die artenreichen Wiesen wieder auf einen grünen Zweig kommen“. Zusammen mit dem Gräbenwäldchesfeld im Nordwesten bilde die Einheit eines von 33 Naturschutzgebieten im Kreis – und das Fundament für die Neuansiedlung der bedrohten Großseggenrieder, die in Sümpfen und Mooren sprießen.

Die Weiden wucherten bislang zu stark und überwuchsen das Ried. Die Wiesen wurden nicht mehr gemäht, weil Landwirte das Schnittgut nicht mehr als Einstreu fürs Vieh benötigten. Jahrelang hielten Nabu und NAOM, die Naturwissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft Oberts-hausen-Mosbach, in mühevoller Mahd auf dem unebenen Gelände die Flächen frei. Ein Verzicht dieser Arbeiten hätte wahrscheinlich das Aus für das Seggenried bedeutet, betont Claudia Jäger.

Deutsche Teilung: Zeitgeschichte entlang des Grünen Bandes

Im Jahr 2000 hatte die Stadt die Nutzung des Areals offiziell an die Naturschutzverbände übertragen. Doch das Mähen mit den handgeführten Maschinen sei mittlerweile von den Mitgliedern nicht mehr zu bewältigen, bedauert der Nabu-Vorsitzende. Die Kommune beauftragte darum im vergangenen Jahr eine Fachfirma, die mit einem 20 Meter langen Greifarm von den Wegen aus die Weiden rodet. Auch die standortfremde amerikanische Traubenkirsche müsse regelmäßig zurückgeschnitten werden.

Die Kosten in Höhe von 60.000 Euro stammten aus dem Fonds des naturschutzrechtlichen Ersatzgeldes. Grundstückbesitzer mussten in ihn einbezahlen, wenn sie keinen Ausgleich für versiegelte Flächen leisten konnten, informiert Erster Stadtrat Michael Möser. Erlemann blickt zurück: Zunächst wollten die Behörden die alte B448 als Feldweg erhalten. Das aber hätte das Biotop zerschnitten. Viel Unterstützung erhielten die Naturschützer bei ihren Anliegen von der Stadt, betonte der Sprecher, auch bei der Anlage einer Benjeshecke.

Die locker aufgeschütteten Äste als Lebensraum für Tiere störten anfangs die „Schöngeister“. Doch die Beharrlichkeit der Aktiven zahlte sich aus, 1998/’99 wurden 219 Pflanzenarten gezählt, davon 14, die auf der Roten Liste bedrohter Arten stehen. Die Experten der NAOM registrierten 403 Falterarten, davon 376 Nachtfalter, 28 von der Roten Liste.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare