Neubau oder Ymos-Turm

Planungsbüro stellt Kostenvergleich für Rathausvarianten vor

Chef-Büro mit Aussicht: Aus der Geschäftsführungsetage im sechsten Stock des Ymos-Turms hat man einen weiten Blick über Hausen.
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Chef-Büro mit Aussicht: Aus der Geschäftsführungsetage im sechsten Stock des Ymos-Turms hat man einen weiten Blick über Hausen.

„Die Stadt Obertshausen braucht dringend ein neues Rathaus“, wiederholt Dietmar Zwipp von Drees & Sommer das, was spätestens seit der 360-Grad-Analyse, die das Planungsbüro im Auftrag der Stadt zum Thema Rathaus erstellt hat, wohl auch bei den Stadtverordneten Konsens ist. 

Obertshausen – Favorisiert, so hatte es sich bei den Ausschuss-Beratungen herauskristallisiert, wurde dabei vor allem die Variante eines Neubaus eines gemeinsamen Rathauses an einem neuen Standort. Doch mitten in der Diskussion, wo dieser sein könnte, hatte die Stadt ein Angebot der Cura GmbH erreicht. Die Eignerin des Ymos-Geländes hatte der Stadt offeriert, das mehrstöckige Verwaltungsgebäude nach einer Grundsanierung als Rathaus zu nutzen (wir berichteten). Der Vorschlag: Nach erfolgter Entkernung und Sanierung könnte die Stadt das Gebäude, das der Investor als stadtbildprägendes Bauwerk ohnehin erhalten will, entweder mieten oder käuflich erwerben. .

Der Vorteil für die Stadt, so die Cura, liege in der zeitnahen Umsetzung. So sind Grundstück und Gebäude bereits vorhanden. Zudem ging der Investor von einer Kostenersparnis für die Stadt von 20 bis 25 Prozent gegenüber einem Neubau aus. Daraufhin hatte die Stadt das Planungsbüro beauftragt, das Cura-Angebot mit der favorisierten Variante des Rathaus-Neubaus an anderer Stelle zu vergleichen. Die Ergebnisse im Fall eines Kaufes hat Dietmar Zwipp nun den Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses präsentiert. Für die Untersuchung habe man sich bewusst für die Kaufoption entschieden, erläuterte Erster Stadtrat Michael Möser. Denn während die Kosten für den Erwerb per Investitionskredit über 30 bis 40 Jahre abgezahlt werden, müssten eventuelle Mietzahlungen jeweils aus dem ohnehin klammen, laufenden Verwaltungshaushalt geleistet werden.

Ob das ehemalige Ymos-Gebäude das künftige Rathaus wird, müssen die Stadtverordneten entscheiden. 

Der Untersuchung nach würden sich die Kosten für beide Varianten mit jeweils rund 27,8 Millionen Euro kaum unterscheiden. In beiden Fällen ließen sich nach dem Auszug der Verwaltung die Grundstücke der bisherigen Rathäuser an Schubert- und Beethovenstraße vermarkten, was der Stadt nach aktuellen Schätzungen zusammen acht Millionen Euro einbringen könnte, die zur Finanzierung des Projekts beitragen. Ein Vorteil des Cura-Angebots sei die Kostensicherheit für die Stadt, da mit der Unterzeichnung des Kaufvertrages der Preis feststehe, das Risiko von Kostensteigerungen für die Sanierung an den Investor übergehe. Anders wäre die im Falle eines Neubaus, bei dem die Stadt als Bauherrin selbst im Risiko sei.

Die Nase vorn hätte die Sanierung des Ymos-Turms auch beim zeitlichen Aspekt, erläutert Zwipp. In vier Jahren, so rechnen die Planer, könnte dies zu schaffen sein. Mit eingerechnet sei dabei die notwendige europaweite Ausschreibung des Projekts, die nach dem Vergaberecht vorgeschrieben ist. Bekomme das Angebot der Cura den Zuschlag, könnte der Investor zeitnah mit Rückbau und der späteren Revitalisierung des in die Jahre gekommenen Baus beginnen.

Der bringe als Altbau natürlich auch Einschränkungen mit sich, erläuterte Zwipp. So liegen die jährlichen Nutzungskosten im Fall des Altbaus bei geschätzten 396 000 Euro gegenüber 284 000 Euro für einen Neubau. Dies liege zum einen an der besseren Energieeffizienz eines neugebauten Gebäudes, zum anderen an der besseren Raumeffizienz, erläuterte der Experte. Denn während ein eigens nach den Anforderungen der Stadt gebautes Rathaus lediglich rund 4 500 Quadratmeter Nutzungsfläche benötigt, würde die Verwaltung wegen der vorhandenen Bauform des Turms samt angeschlossenem Verwaltungstrakt dort rund 5400 Quadratmeter belegen. Die verbleibenden und nicht benötigten 950 Quadratmeter des Komplexes habe man für Vergleichbarkeit der beiden Varianten auch weiterhin als im Eigentum der Cura verbleibend angenommen, sodass es sich zunächst um einen Teilkauf handele, erläuterte Möser.

Denkbar wäre jedoch auch ein Kauf samt anderweitiger Nutzung durch die Stadt, etwa als Vereins- oder Veranstaltungsräume, so ein Vorschlag aus der vorangegangene Sitzungsrunde im vergangenen Jahr.

Nun müssen sich die Fraktionen mit den Vor- und Nachteilen der vorgestellten Varianten beschäftigen. In der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag, 13. Februar, soll nun entschieden werden, wie es in Sachen Rathaus weiter geht.

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