Renneisen sorgt für Rekord

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Mit Ausschnitten aus seinem Programm „Deutschland, Deine Hessen“ unterhielt Walter Renneisen die Besucher.

Obertshausen - Bürgermeister Bernd Roth hat bei der Verpflichtung des Gastredners für den mittlerweile traditionellen Neujahrsempfang der Stadt Obertshausen wieder ein glückliches Händchen bewiesen und rekordverdächtigen etwa 650 Gästen eine überaus vergnügliche sonntägliche Dreiviertelstunde verschafft. Von Karl-Heinz Otterbein

Der Schauspieler und Kabarettist Walter Renneisen, der bei der Veranstaltung im großen Saal des Hausener Bürgerhauses Ausschnitte aus seinem Kabarettprogramm „Deutschland, Deine Hessen“ präsentierte, trieb jedenfalls den Besuchern nicht nur mit seiner Version der hessischen Stammesgeschichte ein ums andere Mal die Lachtränen in die Augen.

„Wir Hessen sind umzingelt von lauter Deutschen“, versuchte Renneisen gewisse Eigenheiten der Einwohner des mitten in Deutschland gelegenen Bundeslandes zu erklären. „Wir haben weder Zugang zum Meer noch Sicht auf die Alpen.“

Schlagzeug, Kontrabass, Gitarre und Keyboard

Auch mit Hilfe diverser Musikinstrumente wie Schlagzeug, Kontrabass, Gitarre und Keyboard verdeutlichte der Kabarettist zum großen Vergnügen des Publikums die Unterschiede etwa zwischen dem Hessischen und dem Schriftdeutsch aber auch zu anderen Dialekten.

Stehenden Applaus spendierten die etwa 650 Besucherinnen und Besucher des Neujahrsempfangs dem Gastredner Walter Renneisen.

Bei allen Späßen fand Renneisen aber auch ernste Worte: So warb er unter anderem bei den Besuchern dafür, sich für den Erhalt der etwa 200 Theater in Deutschland als Kulturgut einzusetzen und auch dafür, englische Begriffe nicht gedankenlos in die deutsche Sprache zu übernehmen. „Deutsch ist eine schöne Sprache“, so der Schauspieler. „Englisch auch. Denglisch aber braucht kein Mensch.“ Für Renneisen gab’s am Ende seines Vortrags stehenden Beifall, ohne diverse Zugaben durfte er nicht von der Bühne.

Dort hatten zuvor Stadtverordneten-Vorsteherin Heide Heß und Bürgermeister Bernd Roth als Gastgeber des mittlerweile neunten städtischen Neujahrsempfangs die Besucher begrüßt, die während der ganzen Veranstaltung von der Obertshausener Band „Laetitia“ musikalisch unterhalten wurden.

Rede zur Einbringung des Haushaltsplanentwurfs 2012

„Ich bin nicht so vermessen anzunehmen, dass sie alle wegen meiner Rede heute hier hergekommen sind“, zeigte sich Bürgermeister Roth bei seiner Ansprache humorvoll und realistisch und versprach, sich kurz zu fassen. Er wolle nicht seine Rede zur Einbringung des Haushaltsplanentwurfs 2012 vorziehen, aber die Gelegenheit nutzen, vor so vielen Zuhören etwas zu den städtischen Finanzen zu sagen.

Die Gemeinden als Bestandteil des föderalen Staatsaufbaus würden häufig zur Überflutungsfläche ausufernder Schulden des Kreises, des Landes und des Bundes, so Roth. Gesamtgesellschaftliche Aufgaben wie die Kinderbetreuung würden fast gänzlich von den Kommunen bezahlt.

Kosten der Kinderbetreuung

Als ein Beispiel nannte der Rathauschef die Kosten der Kinderbetreuung. „Addiert man die Zuschussbeträge für die Förderung der Kinderbetreuung freier Träger von rund 1,85 Millionen Euro und die Fehlbeträge bei den eigenen städtischen Kindertagesstätten von rund 5,35 Millionen Euro, so ergibt das einen Gesamtzuschussbedarf von rund 7,2 Millionen Euro“, rechnete Roth vor. „Dies entspricht in etwa dem gesamten Fehlbetrag im Ergebnishaushalt des Haushaltsplanentwurfs 2012. Es ist schon irgendwie schizophren, machen wir doch heute Schulden für die Kinderbetreuung der Kinder, die diese später mal bezahlen sollen.“

Dieser gesamtgesellschaftlichen Verantwortung müssten sich alle staatlichen Ebenenen stellen, aber auch jeder Bürger und jeder Nutzer müsse einen größeren Beitrag leisten, sonst sei die Abwärtsspirale nicht aufzuhalten.

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