„Notwendige Lösung“

Experte rät zu neuem Rathaus-Standort

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Als Teil der unwirtschaftlichsten von vier Varianten, dürften die Tage des Rathauses Beethovenstraße wohl gezählt sein.

Obertshausen - Bröckelnder Putz, Löcher in den Decken sowie blindgewordene Fenster und Oberlichter mit praktisch keiner Wärmedämmung – Obertshausens Rathäuser sind rund ein halbes Jahrhundert nach ihrem Bau in die Jahre gekommen und zeigen räumlich wie bautechnisch immer neue Schwächen. Von Thomas Holzamer 

Zeit für die Stadt, zu reagieren und sich Gedanken um die Zukunft zu machen. Daher hat die Verwaltung das Immobilienberatungsunternehmen Drees & Sommer mit einer Analyse verschiedener Möglichkeiten beauftragt – von der Sanierung beider Rathäuser bis hin zum Neubau auf der „grünen Wiese“. Vier Varianten haben die Berater untersucht und die Ergebnisse im Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschuss präsentiert. Die Empfehlung der Experten: der Neubau eines einzelnen Rathauses an anderer Stelle.

Beide Rathäuser an der Beethoven und Schubertstraße erfüllen nicht mehr die aktuellen Anforderungen an den Brandschutz und auch Dächer, technische Anlagen und die Stromversorgung sind marode und müssten in den kommenden Jahren erneuert werden. „Sie haben in der Fachsprache ihr End of Life erreicht“, erläutert Diplom-Ingenieur Dietmar Zwipp von Drees & Sommer. Untersucht habe sein Büro daher vier unterschiedliche Varianten angefangen von der Revitalisierung beider Gebäude oder lediglich des Rathauses an der Schubertstraße, das in diesem Fall um einen Anbau erweitert werden müsste, bis hin zum Neubau eines Rathauses entweder am jetzigen Standort an der Schubertstraße oder auf einem neuen Grundstück. „Der Neubau eines Rathauses ist unserer Meinung nach die Lösung“, benennt er die aus Sicht der Sachverständigen wirtschaftlichste Variante.

Denn eine Revitalisierung der Bestandsgebäude würde einen Rückbau beider Häuser bis auf den Rohbau bedeuten, während dem die Verwaltung an andere Stelle ausweichen müsste, was zusätzliche Kosten bedeute. Zudem bieten beide Rathäuser zusammen eine Fläche von rund 5900 Quadratmetern. Benötigt würden vorausschauend jedoch lediglich etwa 4500 Quadratmeter Gesamtfläche, sodass sich durch einen bedarfsgerechten Neubau die Kosten für nicht benötigten Raum künftig einsparen ließen. Kosten für das Ausweichen eines Teils der Verwaltung fielen auch im Fall eines Abrisses und Neubaus am bisherigen Standort an der Schubertstraße an.

Als zu teuer und durch die räumliche Trennung beider Standorte zu unpraktisch scheide daher die Sanierunge der aktuellen Rathäuser als unwirtschaftlich aus – allein die Pendelkosten für Dienstgänge zwischen beiden Gebäuden kosten die Stadt aktuell rund 28.000 Euro im Jahr.

Bürgermeister und Landräte aus der Region

Ein Neubau, wie in zwei der Varianten vorgesehen, lasse sich zudem an die individuellen Raumbedürfnisse der Stadtverwaltung anpassen. Einen weiteren Vorteil brächte an dieser Stelle die von seinem Büro favorisierte Variante mit neuem Standort, erläutert Zwipp. Denn in diesem Fall müssten die städtischen Mitarbeiter für die Bauzeit nicht in eine Zwischenlösung ausweichen – was ebenfalls zusätzliche Kosten bedeuten würde – und im Anschluss könnten beide Grundstücke für den Wohnungsbau vermarktet werden, was die Kosten der Stadt für das neue Rathaus reduzieren würde, fasst er zusammen. Auch bei den beiden Varianten, an der Schubertstraße wäre der Verkauf des Areals an der Beethovenstraße in die Kostenrechnung mit einbezogen. So würde nach den Berechnungen von Drees & Sommer der Neubau an einem noch zu bestimmenden Standort – inklusive des Erwerbs eines Grundstücks – letztlich 18,7 Millionen Euro kosten, während am Standort Schubertstraße ein Neubau mit etwa 23,6, die Sanierung mit Anbau gar mit 25,2 Millionen zu Buche schlagen würde. Teuerste Lösung wäre die Sanierung beider Rathäuser, die die Stadtkasse mit voraussichtlich 30 Millionen Euro belasten würde.

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