Heimat- und Geschichtsverein

Ältestes Haus in der Stadt: Ausstellung im Karl-Mayer-Haus erinnert an den Nachtwächter

Dank für den Neuanfang: Birgitt Höf (von links) und Armin Paul, Vorstandsmitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins, überreichen Karin Tenschert einen Strauß Blumen. Ihr Mann hatte den Nachtwächter 1985 gekauft und neu aufgebaut.
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Dank für den Neuanfang: Birgitt Höf (von links) und Armin Paul, Vorstandsmitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins, überreichen Karin Tenschert einen Strauß Blumen. Ihr Mann hatte den Nachtwächter 1985 gekauft und neu aufgebaut.

Ein weiterer Zeitzeuge der Obertshausener Historie steht einen Steinwurf vom Karl-Mayer-Haus entfernt: der Nachtwächter. Das Haus entstand 1709, mitten in der Pest-Zeit, und gilt als das älteste Gebäude der Stadt. Während der Pandemie zogen Zeichnungen und Fotografien aus der heutigen Gaststätte ins Werkstattmuseum. Dort präsentiert der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) nun mehrere Ansichten aus vergangenen Tagen.

Obertshausen – Das Material stammt aus dem Besitz von Karin Tenschert. Ihr Mann Harald hatte den Nachtwächter 1985 gekauft. Das Fachwerkhaus war eigentlich abbruchreif, erinnert sie sich. Die Holzbohlen waren im Laufe der Jahrhunderte durchgefault, das Gebäude nach vorne abgesenkt. Tenschert ließ es entkernen und anheben, die Balken durch Eichenholz ersetzen und die Wände neu verfüllen sowie Fenster nach ursprünglichem Vorbild einsetzen. Zu Pfingsten im Jahr 1987 eröffnete er ein Restaurant in dem Gebäude. „Mein Mann hat immer die Herausforderung gesucht“, stellt die Witwe klar.

Im Heusenstammer Anton Kilian fand er einen Zimmermann, der schon das Hofgut Patershausen renoviert hatte. Den Innenraum stattete der neue Besitzer mit Werken des Obertshausener Künstlers Helmut Röder aus, die nun im Museum an der Karl-Mayer-Straße zu bewundern sind.

Röder gestaltete einen Holzschnitt vom Brunnen vor der Herz-Jesu-Kirche in der Bahnhofstraße, gab den Nachtwächter in Federkieltechnik wieder. Zum Nachlass gehören auch Fotos vom Schuljahrgang 1941 und vom „Gaaßbock-Kätche“, der Tochter eines Hausbesitzers. Fotografenmeister Hans H. Heng, ehemaliger Medienberater dieser Zeitung, hat die Reprografien angefertigt und gerahmt.

Ein Bild zeigt den Männerchor des Vereins Volkschor Germania vor dem Zweitem Weltkrieg sowie eine Klasse vor der alten Schule. „Viele Namen sind uns bekannt“, informiert HGV-Vorsitzender Achim Paul. „Damals wurden Jungs und Mädchen auf getrennten Fotos abgelichtet“, weiß er. „Die 60 Schülerinnen und Schüler von Lehrer Bruno Pohl hätten kaum auf eine Aufnahme gepasst.“

Röders Landschaftsmotive sind teilweise nachkoloriert, informiert der Vorsitzende weiter. Die Sammlung aus dem Nachtwächter umfasst unter anderem auch Geschenke zur Einweihung und Postkarten mit Panoramen des Dorfes Obertshausen von Süden.

Viele Objekte hatte Harald Tenschert gesammelt, und auch seine Ehefrau schätzt die Tradition. Die spiegelt auch ein Gehstock von Altbürgermeister Robert Flügel und ein Jugendstil-Zapfhahn.

Wie andere Institutionen auch konnte das Museum während der Lockdowns nicht öffnen. „Die letzte Ausstellung war stets die erste im Jahr, die der Deutschen Spitzengilde“, berichtet Paul. Ein Vortrag über Friedrich Stoltze im Februar fand noch statt, die geplante Schau des heimischen Bildhauers Christoph Schindler ist jetzt für Frühjahr 2022 vorgesehen.

Im Januar soll eine Gedächtnisausstellung zu Ehren der verstorbenen Gudrun Bork erstellt werden. Sie war lange Vorsitzende der Spitzengilde, dann Beauftragte fürs Museum. Auf anhaltendes Interesse stoßen seit Juni 2020 die Stadtführungen, die auf Wunsch von Bürgermeister Roger Winter konzipiert wurden. Thomas Zeiger leitet Gruppen durch den Stadtteil Obertshausen, in Hausen übernehmen Jochen Roth und Klaus Scheitler diese Aufgabe. Nach Sommerpause war das Mayer-Haus kurz geöffnet, der Handarbeitstreff lief und die Dia-Schau „Damals-Heute“.

Die aktuelle Ausstellung kann am kommenden Sonntag, 10. Oktober, und dann immer am zweiten und vierten Sonntag von 14 bis 17 Uhr besucht werden. (Von Michael Prochnow)

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