Dank mit Hits und Hymnen

Aktion „Deutschland singt“ zieht zahlreiche Besucher an

Singen und danken für 30 Jahre Einheit: Rund 80 Besucher stimmten am 3. Oktober gemeinsam Lieder auf dem Platz vor der Waldkirche an.
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Singen und danken für 30 Jahre Einheit: Rund 80 Besucher stimmten am 3. Oktober gemeinsam Lieder auf dem Platz vor der Waldkirche an.

„Deutschland singt“: Zum Dank für eine friedliche Revolution, für ein vereintes Land und für 75 Jahre Frieden erhoben am Nationalfeiertag rund 80 Bürger vor der Waldkirche ihre Stimmen.

Obertshausen – Pfarrerin Kornelia Kachunga berührt der 3. Oktober noch etwas mehr, ihre Familie stammt aus dem Osten Deutschlands, ihr Vater saß als Superintendent und Verfechter von Demokratie und Frieden drei Jahre im Gefängnis. „Ich war 14 Jahre alt und sehr bewegt“, beschreibt die Seelsorgerin, wie sie selbst die Wende erlebt hat. Sie erinnert sich an die „Demonstrationen, die aus den Kirchen kamen“ und mit Kerzen zu friedlichen Veränderungen aufriefen. Schon in den 1980er-Jahren hatten die jungen Gemeinden zur Aktion „Schwerter zu Pflugscharen“ aufgerufen. „Wir wollen Gott loben und danken für Meinungs-, Presse-, Reise- und Religionsfreiheit“, lädt sie ein.

Zum gemeinsamen Singen hatte der Bundesmusikverband „Chor & Orchester“ aufgerufen. In 150 Städten und Gemeinden Deutschlands singen und summen Menschen an diesem Festtag dieselben Lieder.

Zu Gesang und Begleitung aus den Lautsprechern stimmen rund 80 Besucher in der Dämmerung auf dem Parkplatz vor der Waldkirche das Volkslied „Die Gedanken sind frei“ an. Auch der Hit der DDR-Gruppe Karat, „Über sieben Brücken musst du gehen“, gehört zum Repertoire des Abends, die deutsche und die europäische Hymne, die die Menschen mit Kerzen in den Händen mitanstimmen.

„Dumm ist, wer den Dank vergisst“, zitiert Bürgermeister Manuel Friedrich den früheren Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Klaus Engelhardt. Der Rathauschef warnt vor rassistischer und völkischer Überheblichkeit, vor „Rechtspopulisten, die den Ton angeben“, und erinnert, dass jüngst die Schaukästen des Ausländerbeirats mit beleidigenden Botschaften überklebt wurden. „Die Vielfalt von Meinungen, Perspektiven und Debatten sind die Grundpfeiler unserer Demokratie“, appelliert Friedrich, „auf Dialog zu setzen und gemeinsam Verantwortung für eine freiheitliche Demokratie zu übernehmen“. Eine Dame schildert, wie die Reise zu ihrer Großmutter in die DDR und zurück verlief. Leider habe die Oma die Grenzöffnung nicht mehr erlebt. (Michael Prochnow)

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