Alle miteinander vernetzt

Ärzte-Geschwister mit besonderem Praxis-Konzept – und Kritik an Impfstrategie

Geschwisterpaar: Dr. Faisal Detho und Aisha Rahman haben drei Praxen in Obertshausen.
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Geschwisterpaar: Dr. Faisal Detho und Aisha Rahman haben drei Praxen in Obertshausen.

Die Ärzte „Rahman & Detho“ aus Obertshausen betreuen drei Praxen. Dabei setzen sie auf dichte Vernetzung zwischen den Standorten.

Obertshausen – „Wir haben zu spät angefangen mit dem Impfen“, verdeutlicht Aisha Rahman den Status quo, „wir hätten im Mai durch sein müssen!“ Jetzt seien zu wenig Menschen geschützt, Mutationen verbreiten sich, „gegen die all die Vakzine möglicherweise nicht wirken“. Die Ärztin und ihr Bruder Dr. Faisal Detho haben mit Extra-Impf-Terminen versucht gegenzusteuern. Mehr Anklang findet ihr Hausarzt-Konzept für Obertshausen, das mehrere Praxis-Standorte vernetzt.

Noch 2019 registrierte die Kassenärztliche Vereinigung (KV) 18 freie Stellen im Kreis Offenbach. „Wir haben allein vier Kollegen eingestellt, sind nun zu sechst“, informiert Dr. Detho. In der Dieburger Straße 13 in Hausen ist stets ein Mitglied ihres Teams tätig, am Hauptsitz an der Alexanderstraße sind es drei und im neuen Ärztezentrum an der Otto-Wels-Straße zwei. „Wir rotieren regelmäßig, damit jede und jeder an jedem Standort arbeiten kann“, erläutert Aisha Rahman, „das gilt auch für die Mitarbeiterinnen“. Alle sind miteinander vernetzt, auch mit dem Hausherrn am Bahnhof, Hals-Nasen-Ohren-Spezialist Dr. Mehran Baghi, und können auf Mess- und Laborergebnisse zugreifen. „Jeder kennt jeden Patienten“, erläutert Rahman die Vorzüge des Systems. „Wir tauschen uns aus, besprechen Problemfälle, stimmen Therapiekonzepte ab.“ So können auch lange Wartezeiten vermieden werden.

Ärzteteam aus Obertshausen setzt auf Vernetzung: Komplett neuer Praxisalltag

Akute Erkrankungen werden bevorzugt in der Alexander- und Dieburger Straße behandelt, „aber sie sind überall gut versorgt“, betont die Chefin. Die neue Praxis an der Otto-Wels-Straße verfügt über lichtdurchflutete Funktionsräume auf 350 Quadratmetern, ein Gang ist ganz natürlich mit Moos und Holz verkleidet. Zur Hausarzt-Gemeinschaft zählen neben den Geschwistern Rahman und Detho die Medizinerinnen Zarmina Abasi, Simone Wagner, Dilber Aslan und Sahar Farjad Bastani. Sie sind Herzchirurg, Kardiologin und Internistinnen, alle Fachärzte für Allgemeinmedizin.

Das Team ergänzen eine Ärztin in Anerkennung, sieben medizinische Fachangestellte, drei Büro-Mangerinnen, eine Sekretärin, drei Studentinnen und zwei Auszubildende. Zur modernen Technik gehört ein Selbstanmelde-Terminal im neuen Gebäude am Omega-Tunnel, damit die Patienten nicht mehr zur Anmeldung Schlange stehen müssen. Telefonassistent Aaron lässt Hilfesuchende zurückrufen, bei Notfällen ist sofort eine Ärztin oder ein Arzt in der Leitung. „Ab Januar sind wir zudem Ausbildungspraxis für die Goethe-Universität“, informiert Dr. Detho.

Mehr Arbeit durch Corona-Pandemie: Geschwisterpaar ist in Mühlheim aufgewachsen

„Vor der Umstrukturierung war es ein komplett anderer Praxisalltag“, vergleicht sie. Zu Beginn der Pandemie waren sie damit beschäftigt, Schutzkleidung, Nadeln und Spritzen zu besorgen, „andere Aufgaben waren plötzlich sekundär, denn am Anfang fehlte alles“. Doch sie müssen sich schließlich auch um Blutdruck-Patienten, Herzinfarkte und andere Krankheiten kümmern, dürfen niemanden übersehen: „Das war deutlich mehr Arbeit“, blickt Dr. Detho zurück.

Mit Beginn der Impfungen in den Praxen bildeten sich Warteschlangen an der Alexanderstraße, „die Leute haben mit Klappstühlen und Schirmen bis zur Bahnhofstraße auf dem Gehweg gehockt“. Die Ärzte haben Studierende nach draußen geschickt und einen Sicherheitsdienst eingestellt, weil es Streit und sogar Schläge gab. Im Obergeschoss des Neubaus, Otto-Wels-Straße 5, sollten eigentlich Wohnungen entstehen. Weil in der Stadt jedoch zwei Kollegen ihren Dienst quittieren mussten, richtete Dr. Baghi in seinem Zentrum die Hausärzte-Praxis ein, das Geschwisterpaar übernahm obendrein die Dieburger Straße 13.

Rahman und Detho sind in Mühlheim aufgewachsen, er baute sein Abitur in Mühlheim, sie in Offenbach. Beide studierten in Frankfurt, er machte seinen Facharzt zunächst in der Herzchirurgie der Uni-Klinik, sie im Kardiologischen Zentrum im Bethanien-Krankenhaus. (Michael Prochnow)

Info: Alle drei Praxen sind erreichbar unter 06104 94690 oder auf praxis-rd.de

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