Ausländerbeirat feiert 20. Geburtstag

Rechte und Befugnisse

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Zum Programm der Jubiläumsfeier des Ausländerbeirats der Stadt Obertshausen gehörte ein Auftritt der Mädchen von „Mozaik“ vom Türkisch-deutschen Kultur- und Freundschaftsverein.

Obertshausen - Spiegelbild eines harmonische Miteinanders oder zahnloser Tiger? Zum seinem 20. Geburtstag badete der Obertshausener Ausländerbeirat an seiner Wirkungsstätte im Rathaus Schubertstraße in Lobgesängen. Einige Geburtstagsgäste schlugen aber auch kritische Töne an. Von Michael Prochnow 

Im Sitzungssaal gratulierten am Freitagabend Vertreter der Stadt, ehemalige Vorsitzende sowie Vertreter von Kreis- und Landesausländerbeirat. Bürgermeister Bernd Roth und der aktuelle Vorsitzende, Arif Ergüven, begannen die Feierstunde mit einer Schweigeminute für die Opfer des Grubenunglücks im türkischen Soma. Moderator Bernd Klotz sah in dieser Geste einen „Ausdruck des Lebens“ im Programm, das später die Tanzgruppe „Alegria del Sur“ des spanischen Elternvereins und die Mädchen von „Mozaik“ vom Türkisch-deutschen Kultur- und Freundschaftsverein reflektierten.

Rund 16 Prozent der Obertshausener hätten keinen deutschen Pass, informierte Bürgermeister Bernd Roth, „eine beachtliche Zahl“, die dritthöchste im Kreis nach Dietzenbach und Langen. Insgesamt haben 30 Prozent der Einwohner einen Migrationshintergrund, „trotz alledem oder gerade deshalb haben wir ein sehr gutes, freundliches und friedliches Miteinander“.

In der „weltoffenen Kleinstadt mit Herz“ seien rund 100 Nationen vertreten, das zeuge davon, „dass die Leute gern nach Obertshausen kommen“, ebenso Unternehmen von Weltrang. „Es war schon ein schweres Stück“, das muslimische Gräberfeld zu verwirklichen, das im Kreis seinesgleichen suche, blickte der Rathauschef zurück..

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Parlamentschefin Heide Heß habe miterlebt, wie sich die Vertretung seit 1993 entwickelt hat. Obertshausen sei eine der ersten Kommunen gewesen, die ein solches Gremium eingerichtet habe.

„Die Integration sozialer und nationaler Gruppen ist Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben mit Bewahrung der eigenen kulturellen Identität und der Entwicklung neuer Gemeinsamkeiten“, fasste sie zusammen. Längst engagierten sich ehemalige Mitglieder des Rats in den Parteien, beteiligten sich an aktiver Politik. Heß wünschte, dass es so positiv weitergeht und warb für Begegnungen, Gespräche und Feier beim Europafest am kommenden Sonntag.

Ergüven begrüßte auch die bisherigen Geschäftführer Heinz Lyssy, Wolfgang Beer und Jeannette Link. Sie hätten auch schwierige Aufgaben gelöst und Geduld bewiesen. Der Vorsitzende appellierte für ein Rederecht in der Stadtverordnetenversammlung und Eigenverantwortung fürs Budget.

Olga Lucas Fernández, die Vorsitzende des Kreisualänderbeirats, würdigte Einsatz und Energie seit dem 9. Dezember 1993, die Interessen der ausländischen Bevölkerung zu vertreten.

Werbung für Teilnahme an der Europawahl

Fernández warb auch für die Teilnahme an der Europawahl am nächsten Sonntag. Tuna Firat vom Landesausländerbeirat befand, „man ist dort zu Hause, wo man Mensch sein darf und die Erde teilt“. Die Teilhabe der Migranten aber müsse in einem Antragsrecht münden, forderte auch Firat. Er gab auch zu bedenken, dass sich viele Migranten „bucklig gearbeitet“ haben, da gebe es eine große Lücke in der psychosozialen Betreuung.

Unter Leitung von Moderator Bernd Klotz aus Mühlheim erinnerten sich einstige Mitglieder der Runde an die Ausländerkommission, die bereits 1988 gegründet wurde. Sie stellte Kontakte zu Schulen und Eltern her und richtete Sprechstunden ein, erinnerte sich der damalige Leiter Luis Galvez. 1993 wurde dann per Gesetz der erste Beirat gewählt. Auf der Internationalen Liste stehen bis heute Mitglieder der Kulturvereine. Das Europafest wolle man „zur Not ohne den Kreis“ fortführen.

Noch gibt es viele Umwege

Der heutige Stadtrat Ahmet Karakus, Leiter des Rats von 2001 bis 2006, erinnerte an einen Antrag zur Entschärfung der Gathof-Kreuzung und zur Einrichtung des islamischen Gräberfelds – auf dem er als einen der ersten seinen Sohn bestattete. Ivica Birovljevic war der dritte Vorsitzende und auch ein Mann der ersten Stunde, habe sich als Leiter „in ein Boot gesetzt, das schon geschwommen ist“. Der Kroate ist „sehr glücklich über die Bereicherung, sich politisch engagieren zu können“.

Aktuell verfolge der Beirat das Projekt, Migrantenkinder für die Feuerwehr zu gewinnen, erläuterte Arif Ergüven. Für die Zukunft des Gremiums wünscht er sich Rechte und Befugnisse, denn bislang sei die Runde ein „zahnloser Tiger“, müsse viele Umwege gehen.

Galvez möchte eine weitere Öffnung im Hinblick auf Flüchtlinge und die neuen EU-Bürger. Die Räte sollten sich bei Veranstaltungen sehen lassen. Birovljevic wünscht sich mehr Engagement junger Leute und eine höhere Wahlbeteiligung, „damit wir uns als legitime Vertreter fühlen“ können. „Es ist wirklich fein, wenn man in der ersten Reihe sitzt.

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