Angst vor Umsatzeinbußen

Gewerbetreibende zeigen Unverständnis für den geplanten Einbahnstraßen-Testbetrieb

Im Fokus: In der Bahnhofstraße soll testweise ein Einbahnstraßenring eingerichtet werden.
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Im Fokus: In der Bahnhofstraße soll testweise ein Einbahnstraßenring eingerichtet werden.

Der Einbahnstraßenring in Obertshausen soll bald an den Start gehen. Die ansässigen Gewerbetreibenden fürchten um die Laufkundschaft.

Obertshausen – Der geplante Testbetrieb eines Einbahnstraßenringes in der Bahnhofstraße erregt die Gemüter. Zahlreiche Unterschriften konnten bisher von Anwohnern gegen das Vorhaben gesammelt werden. Doch wie stehen die ansässigen Gewerbetreibenden den Plänen gegenüber?

Frank de Snoo betreibt ein Geschäft für Haustierbedarf und befürchtet negative Auswirkungen auf seinen Laden. Er habe viele Kunden, die von außerhalb kämen wie etwa aus Frankfurt oder dem Darmstädter Raum. „Für die ist das dann eine große Umstellung“, meint de Snoo. Zudem sei er sicher, dass jene Autofahrer, die durch Obertshausen hindurch fahren, stets einen Schleichweg finden werden. „Und dabei geht es eben nicht um das Gewerbe, sondern auch um die Anwohner“, solidarisiert sich der Ladeninhaber.

Einbahnstraßenring in Obertshausen: Unverständnis für die Pläne

Auch Norman Kern von Augenoptik Kern stellt sich auf die Seite der Anwohner. „Ich kann verstehen , dass die Bewohner der Friedhofsstraße den starken Verkehr fürchten“, gesteht er.

Und der Lieferverkehr ist laut Kern stark von der Einbahnstraßenregelung betroffen. „Die ganzen Firmen wie Feintool oder Karl Mayer müssen ja beliefert werden – und wir ja auch.“ Zudem betont Kern sein generelles Unverständnis für die Pläne den Verkehr nur in eine Richtung zu lenken. „Das hier ist eine Hauptstraße – die kann man nicht einfach zur Einbahnstraße machen“, sagt Kern und fügt an: „Das wäre, als wenn man in Hausen die Seligenstädter Straße zu einer Einbahnstraße machen würde.“ Wobei dort der Vorteil bestehe, dass die Gehwege großzügiger ausgebaut seien.

Dem schließt sich Said Nazar, der einen Friseursalon betreibt, an. „Das ist die Hauptstraße – das kann man nicht machen“, sagt er. Nazar befürchtet zudem ebenfalls Einbußen bei seinen Einnahmen. „Kunden müssten dann einen Umweg fahren und kommen deshalb nicht“, fasst er seine Befürchtungen zusammen.

Einbahnstraßenring in Obertshausen: Nur durch Zufall von den Plänen erfahren

Solche teilt auch Iwona Pohl, die bei der Bäckerei Bauder angestellt ist. „Ich finde es sehr schade für die Leute, die dann einen großen Umweg fahren müssen“, sagt sie und denkt, dass sich daher viele gegen den Besuch der Geschäfte entscheiden könnten.

Etwas positiver steht das Ehepaar Isik, das eine Reinigung betreibt, den Plänen gegenüber – wenn auch nur bedingt. Die beiden glauben nicht, dass es große Auswirkungen auf ihr Geschäft geben wird. „Wir haben überwiegend Stammkunden und eigentlich keine Laufkundschaft“, meinen sie. Doch vor allem privat ist das Paar nicht begeistert von den Plänen, da sie, wenn sie mit dem Auto zur Arbeit fahren, ebenfalls einen größeren Umweg in Kauf nehmen müssten.

Auch die Kommunikation bemängelt Ehepaar Isik. „Wir haben nur durch Zufall von den Plänen erfahren“, erzählen sie. „Wir hätten uns gewünscht, dass man auf uns als Gewerbetreibende zukommt und uns über diese Pläne informiert.“

Zwar sind die Meinungen und Gründe der Gewerbetreibenden teilweise sehr unterschiedlich, aber Luftsprünge der Begeisterung scheint keiner von ihnen machen zu wollen. (Jan Max Gepperth)

Die Regierungs-Koalition in Obertshausen hat den Probebetrieb im September beschlossen. Schon damals sorgte das Thema im Parlament für hitzige Diskussionen.

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