Jubiläum

Obertshausen: Familienunternehmen Baitz feiert 200 Jahre 

Drei Generationen Erfahrung: Geschäftsführer Ralf Müller (von links), seine Tochter Carla Müller, Ronald Röhn, der dem Unternehmen auch als Rentner noch treu ist, und die vorherige Inhaberin Gabriele Baitz.
+
Drei Generationen Erfahrung: Geschäftsführer Ralf Müller (von links), seine Tochter Carla Müller, Ronald Röhn, der dem Unternehmen auch als Rentner noch treu ist, und die vorherige Inhaberin Gabriele Baitz.

Schon seit 1820 ist das Familienunternehmen Baitz aus Obertshausen tätig. Damals mit Hufen und Kutschen, heute mit LKW und Kränen.

Obertshausen – Seit 200 Jahren arbeitet die Familie Baitz-Müller zusammen unter einem Dach. Mit Carla Müller schnuppert gerade die siebte Generation in den Familienbetrieb rein. Ihr Vater Ralf Müller ist zurzeit der sechste Geschäftsführer. Das Jubiläum sollte eigentlich in diesem Sommer gefeiert werden. Doch bereits eine Woche vor den offiziellen Verboten sagte die Familie die Feier ab. „Wir hätten die Hygienebedingungen nicht erfüllen können“, sagt Carla Müller. Allein um die 300 Hotelzimmer waren für Gäste reserviert, fügt ihr Vater Ralf Müller an. Denn, dass der Betrieb seit 200 Jahren besteht – und das seit jeher in Familienbesitz – sind gleich zwei Gründe zum Feiern.

Ihren Anfang nahm die Geschichte 1820 in der Offenbacher Schulstraße. Auf dem Gelände, auf dem heute die Rudolf-Koch-Schule steht. Zu dieser Zeit gab es noch keine LKW, die auf den Hof rollten. Vielmehr kümmerten sich die wenigen Mitarbeiter um Hufen und Kutschen.

1911 übernahm dann Heinrich Baitz das Unternehmen und gab diesem seinen Familiennamen. „Die Firma blieb immer im Familienbesitz, mal von der väterlichen, mal von der mütterlichen Seite“, erläutert Carla Müller den Namenswechsel. Zum 200. Geburtstag hatte sie eine Festschrift vorbereitet.

Während des zweiten Weltkrieg traf es auch das Familienunternehmen: Die Hallen fielen den Bomben zum Opfer. Baitz baute sie wieder auf, bevor das Unternehmen 1960/1961 unter Walter Baitz auf das gegenüberliegende Gelände an der Glockengasse umzog. Der Platz an der Schulstraße wurde für die Rudolf-Koch-Schule benötigt.

Der „Bremsendienst Walter Baitz“ nahm mit seinem Umzug neue Dienstleistungen hinzu: Aufbauten für LKW und Kräne sowie für Anhänger, die von Schaustellern benötigt wurden. Ronald Röhn erinnert sich daran, wie eng die Gassen jedoch für die immer größer werdenden Nutzfahrzeuge waren. Auch der zunehmende PKW-Verkehr erschwerte die Zufahrt für die Laster. „Manche stellten ihre Anhänger an der Carl-Ulrich-Brücke ab, weil sie Angst hatten, nicht durchzukommen“, berichtet der Rentner, der immer noch halbtags in dem Betrieb aushilft. Es gingen sogar Aufträge verloren durch die Enge der Gassen und die zunehmend zu klein werdende Halle.

Daher traf 1983 Manfred Baitz die Entscheidung, mit dem Unternehmen nach Obertshausen zu ziehen. Der Betrieb war inzwischen im Handelsregister eingetragen. Das heißt, es galt nicht mehr als Handwerksbetrieb, da man mit dem Vertrieb von Kränen begann. Kurz nach dem Umzug verkaufte Manfred Baitz den Bremsendienst, der nicht mehr rentabel war, und setzte den Fokus auf Aufbauten.

Im Jahr 1991 vergrößerte sich das Unternehmen. In der neugebauten Halle erhalten LKW ihre Kranaufsätze, während in der alten einfache Reparaturen ausgeführt werden. Gleichzeitig übernahmen aus Gesundheitsgründen Baitz‘ Ehefrau Gabriele und Mitarbeiter Ronald Röhn die Geschäftsleitung. „Wir wurden ins kalte Wasser geworfen“, erinnert sie sich.

Seit 2004 leitet Ralf Müller nun als sechste Generation die Geschicke. Auch Tochter Carla ist nach einer Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau seit Januar mit dabei. „Ich wusste nicht, wie komplex die Arbeit meines Vaters ist“, sagt die 22-Jährige. Sie finde es spannend, zu sehen, wie viel Herzblut und Arbeit in dem Betrieb stecke.

(Von Yvonne Fitzenberger)

Drei Generationen Erfahrung: Geschäftsführer Ralf Müller (von links), seine Tochter Carla Müller, Ronald Röhn, der dem Unternehmen auch als Rentner noch treu ist, und die vorherige Inhaberin Gabriele Baitz.
In den 1960er-Jahren zog die Firma, die sich inzwischen um LKW statt Kutschen kümmerte, in die Glockengasse. Damals war auch Mitarbeiter Ronald Röhn (rechts) schon für das Unternehmen tätig.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare