Start ins Ungewisse

Beim Tennisclub am Waldbad fliegen wieder die Bälle über den Platz

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Seit dem Wochenende wird beim TCAW wieder gespielt. Der befürchtete Ansturm blieb bisher jedoch noch aus. 

Weltmeister Peter Schlereth ist zufrieden. Die „Bella Famiglia“, die Vereinsgaststätte des Tennisclubs am Waldbad (TCAW), ist zwar noch geschlossen – ebenso wie die Duschen. Und auch das Treffen in freundschaftlicher Runde fehlt Schlereth und seinen Kameraden. Aber sie können wieder spielen, und das nutzen sie bei sonnigem Frühlingswetter reichlich aus.

Obertshausen – Werner Schlereth, Jahrgang 1938, ist Kapitän der Nationalmannschaft Ü80 und alljährlich Teilnehmer an der Weltmeisterschaft im kroatischen Umag. Die fällt in diesem Sommer wie so viele Turniere ins Wasser. Spieler in den Landesligen überlegen, ob sie allein im Auto bis nach Kassel fahren sollen, wo es weder eine Bewirtung noch eine Dusche gibt. „Auch die Geselligkeit gehört dazu“, erläutert Ruben Becker, der Vorsitzende des TCAW.

Auf der Anlage an der Badstraße sind fünf von sieben Plätzen bespielbar. Um die Mittagszeit sind alle von älteren Herren belegt, zeigt der Leiter, die Kinder kommen nachmittags. „Wir schauen nach vorne“, fasst Becker die Situation zusammen. Mitstreiter um den engagierten Platzwart Holger Koch und eine Fachfirma haben die Plätze hergerichtet – „die müssen bespielt werden, damit sie hart und wettkampffähig werden“.

Arbeitsdienst haben sie noch keinen angesetzt. „Ständig erreichen uns neue Verordnungen von Regierung und Verband, die kaum umsetzbar sind, ein Corona-Beauftragter muss rund um die Uhr erreichbar sein“, schildert der erste Mann im Club zusätzliche Aufgaben. „Ich muss einen Dienstplan erstellen, aber wir konnten nur ein paar Vorstandssitzungen im großen Kreis unter freiem Himmel einberufen.“ Fazit: „Wir wissen, dass wir nichts wissen.“

Gefordert ist auch Trainer Sven Aldorf von der Tennisschule TSA, der Stundenpläne für drei Vereine erstellen muss. „Das ist schwierig, gerade mit Kindern“, erläutert Becker. „Erst sollten sie nur zu zweit spielen dürfen, jetzt sind sogar fünf Schüler erlaubt“, schildert der Vorsitzende die Entwicklung. „Das ist auch eine Kostenfrage“, und da äußerten manche ihren Unmut, Eltern waren oft nicht kompromissbereit. „Aber wir kriegen das hin“, zeigt er sich zuversichtlich.

Andere Vereine setzen auf die Online-Buchung der Plätze, „diese Empfehlung haben wir noch nicht umgesetzt“, sagt Pressewart Uwe Bartl. Der TCAW nutzt sein bewährtes Reservierungssystem per Telefon. Die Gastronomie werde in diesen Tagen wieder öffnen, vielleicht Getränke reichen, aber noch keine Speisen anbieten. Raum für den geforderten Abstand bietet die erst vor einem Jahr erweiterte und neu bestuhlte Terrasse reichlich.

„Bisher haben viele von uns Angst gehabt, sich zu treffen“, beschreibt Bart. Und weil keine Hauptversammlung anberaumt werden konnte, müssen die bisherigen Vorstände „auf unbestimmte Zeit weitermachen“.

Sie haben also wie gewohnt die vorbereitenden Arbeiten ausgeführt, damit der Spielbetrieb beginnen kann. „Wir haben alles nach den Vorschriften ausgeführt, aber wie die Medenrunde weitergeführt werden soll, ist unklar.“ Vielleicht gebe es nur eine „Überbrückungsrunde“ mit einer „Kernspielzeit“ von 45 Minuten. Die Organisatoren haben zum Neustart ein Chaos befürchtet, „aber am Sonntag war die Anlage fast leer“, registrierte Bartl.

Der Tennisclub zählt 220 Mitglieder, davon 50 Kinder und Jugendliche, „Tendenz steigend“. In der Vergangenheit haben sie die Nachwuchsarbeit etwas vernachlässigt – „die letzten Schüler sind jetzt über 30 Jahre alt“, schmunzelt der Pressemann.

Heute unterhält der TCAW 14 Jugendmannschaften, viele sind gemeinsame Teams mit der DJK Blau-Weiß Bieber. Bartl unterstreicht die „sehr gute Kooperation“ von TV und Teutonia Hausen. Daneben treten 15 Erwachsenen-Mannschaften an.

VON MICHAEL PROCHNOW

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