Disput nach Absage

Wegen Kopftuch: Frau wirft Apothekenbesitzer Diskriminierung vor 

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Nachdem der Beitrag im Netz die Runde gemacht hat, sah sich die Apotheke mit harter Kritik konfrontiert.

Obertshausen - In den sozialen Netzwerken ist ein Sturm der Entrüstung ausgebrochen: Eine Frau hat zuvor ihre erfolglose Bewerbung als pharmazeutisch-technische Assistentin (PTA) bei einer Obertshausener Apotheke veröffentlicht. Von Yvonne Fitzenberger 

Dem Inhaber wirft die Kopftuch tragende Muslimin Diskriminierung vor und will deswegen vor Gericht ziehen. „Deutschland ist wieder mal sitzengeblieben“ und „Ich finde es nicht fair, dass wir uns ständig auf irgendeine Art und Weise beweisen müssen …“ oder auch „So eine Schweinerei.“ – das sind einige der harmloseren Kommentare unter einem Beitrag, der zurzeit im Internet die Runde macht. Im Mittelpunkt steht die Obertshausener PAM-Apotheke am Marktplatz. Nach dem Facebook-Beitrag von Mehtap Özkay-Basaran soll der Inhaber der Apotheke sie als PTA abgelehnt haben, nachdem sie ihm auf Nachfrage bedeutet habe, dass sie nicht bereit sei, ihr Kopftuch während der Arbeit abzunehmen. Auch das Angestellten-Team habe sie aufgrund des religiösen Symbols abgelehnt, behauptet Özkay-Basaran. Die Fronten sind verhärtet: Für die einen liegt ein klarer Fall von Diskriminierung vor, andere sehen ein geschäftsschädigendes Verhalten.

Der Beitrag der Mühlheimerin verbreitet sich über eine öffentliche Gruppe sowie die Fan-Seite des Anwalts Fatih Zingal. Der Solinger Advokat hat sich den Kampf gegen Diskriminierung und Rassismus auf die Fahne geschrieben. Über seine Seite ist der Beitrag in diverse Facebook-Gruppen gelangt, wo er heiß diskutiert wird. Im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigt die 27-Jährige ihre Aussagen. Sie sagt, der Apotheker habe sich über sie lustig machen wollen: „Nur deswegen hat er angerufen.“ Anders könne sie sich das Gespräch nicht erklären. Schließlich habe sie ein Foto mitgeschickt, auf dem man erkenne, dass sie ein Kopftuch trägt.

Dem Apotheker „war dieser Umstand allerdings schlichtweg egal“, da ihm die Referenzen der Bewerberin – sie arbeitete bereits vier Jahre lang in einer Offenbacher Apotheke – gefallen hätten, lässt er über seinen Anwalt Bernhard Veeck mitteilen. Bei der Gelegenheit lässt er klarstellen, dass in der Apotheke kein religiöses Symbol erlaubt sei, um allen Kunden gegenüber Neutralität zu gewährleisten. Die Kunden unabhängig jeglicher Religion sollten sich in der Apotheke wohl und gleichbehandelt fühlen. Die unterschiedliche Auffassung zum Kopftuch sei dennoch nicht der ausschlaggebende Grund für die Ablehnung der Bewerberin gewesen. So sei er eben zum Beispiel von den guten Deutschkenntnissen der Mühlheimerin „angetan“ gewesen.

Während Basaran dem Apotheker einen „respektlosen Tonfall“ unterstellt, empfand dieser das Gespräch auf Nachfrage zunächst als positiv, die Reaktion der 27-Jährigen aber als „gereizt“ und „fast aufbrausend“. Genau das sei letzten Endes der Grund für die Absage gewesen, „da neben guten Deutschkenntnissen eine weitere Grundvoraussetzung für die Arbeit in einer Apotheke ein freundliches und ausgeglichenes Wesen ist.“

Die abgelehnte PTA hat sich kurz nach dem Vorfall auch an öffentliche Stellen gewandt: die Landesapothekenkammer sowie die Diskriminierungsstelle. Erstere bedauere den Vorfall und „erklärte mir, welche Schritte ich als nächstes machen kann“, berichtet Basaran. Mit der Schilderung in den sozialen Medien will die erfahrene PTA nach eigener Aussage anderen von Diskriminierung Betroffenen eine Stimme geben und sogar vor Gericht ziehen. „Wir leben im Jahr 2018, da sollte niemand aufgrund seiner Religion oder Kleidung diskriminiert werden.“

Der Apotheker weist alle Vorwürfe zurück: „Der Grund für die Absage liegt alleine im aufbrausenden und unfreundlichen Verhalten von Frau Basaran während des ersten Einstellungsgespräches.“ Dass er gegenüber der 27-Jährigen nicht diskriminierend eingestellt sei, erkenne man bereits daran, „dass er Frau Basaran nicht ohne ein Telefonat einfach eine Absage schickte, sondern sie nach ihrer Bewerbung zurückrief, auch wenn auf dem Bild zu sehen war, dass sie ein Kopftuch trägt und eigentlich alle religiösen Symbole verboten sind.“

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In einem online verbreiteten Statement heißt es: „Wir, die Mitarbeiter der PAM-Apotheke und ich, arbeiten nach dem Grundsatz: Alle Menschen sind gleich; gleich welcher Abstammung, Hautfarbe, Religion, Weltanschauung oder sexuellen Ausrichtung. Daraus folgt notwendigerweise das Neutralitätsprinzip. Neutralität ist ein striktes Gebot des deutschen Religionsverfassungsrechts und bedeutet einfach religiös-weltanschauliche Unparteilichkeit in einer freien, offenen Gesellschaft. Wir halten uns strikt daran und senden keine Symbolik, welches diesem Prinzip widerspräche. In diesem Team arbeiten Menschen mit unterschiedlichen Lebensläufen und unterschiedlichen Religionen – für jedes Teammitglied gelten diese Grundsätze und das wird in der Zukunft auch so bleiben!“

Die 27-Jährige sucht währenddessen weiter nach einer Stelle als PTA in Teilzeit. „Ich hatte ein sehr nettes Gespräch bei einer Mühlheimer Apotheke“, berichtet sie. „Dort ist das Kopftuch kein Problem.“

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