Stadt widerspricht

„Von der Politik ignoriert“: Anwohner kritisieren Situation an Bahnhofstraße – Stadt reagiert

In der Diskussion: Anwohner und Stadtverwaltung stehen im Austausch zu der Situation der Bahnhofstraße. Luftbild: Axel Häsler
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In der Diskussion: Anwohner und Stadtverwaltung stehen im Austausch zu der Situation der Bahnhofstraße.

Die Anwohner der Bahnhofstraße in Obertshausen äußern Kritik – aus ihrer Sicht erfolglos. Die Stadt widerspricht.

Obertshausen – Nicht zuletzt wegen der Verkehrssituation sind die Anwohner der Bahnhofstraße mit der aktuellen Situation unzufrieden. Daher suchen sie immer wieder das Gespräch mit der Stadt – ihrer Meinung nach erfolglos. Dem widerspricht Michael Möser, Erster Stadtrat, und gibt Einblicke in die Planungen und Prozesse an der Bahnhofstraße.

Heinz Winter ist Anwohner besagter Straße und Mitglied der gleichnamigen Gruppe, die sich für Veränderungen stark macht. Er sieht in diesem Bereich zahlreiche Probleme, die sich vor allem in der Verkehrssituation widerspiegeln. Diese Diskussionen beinhalten neben überhöhter Geschwindigkeit mancher Verkehrsteilnehmer unter anderem auch zu schmale Gehwege und zahlreiche Staus.

Hintergrund sei dort vor allem eine ausbleibende Anpassung des bestehenden Bebauungsplans. Wahrscheinlich hätten die Verantwortlichen, schreibt Winter in einem Brief an die Stadtverwaltung. mit größerer Bebauungsfläche und somit mehr Wohneinheiten kalkuliert. Dies hätte dann zu höheren Einnahmen bei der Grundsteuer führen sollen.

Obertshausen: Anwohner fühlen sich von der Politik ignoriert

Ausgehend von diesen Problematiken sind Heinz Winter und andere Anwohner aktiv geworden. „Mit einem Flyer haben wir, die Gruppe ,Bahnhofstraße´, die Anlieger informiert und die Verbesserungsvorschläge öffentlich gemacht“, erinnert sich Winter, der seit Jahren mit der Stadtverwaltung im Dialog steht. In dem Flyer der Gruppe Bahnhofstraße formulieren die Anwohner in Obertshausen vor allem drei Lösungsansätze: die Einführung einer Einbahnstraßenregelung – vom Omega Tunnel (kommend vom Ortsteil Hausen) – bis zur Kreuzung Beethovenstraße / Heusenstammer Straße, eine weitere Möglichkeit der Bahnüberquerung sowie eine Änderung der städtebaulichen Ziele, für ausreichend Stellplätze und breite Gehwege.

Zudem stellt Winter unabhängig des Flyers in Frage, wieso man nicht mehr auf die Geschwindigkeitskontrollen achte: Der Blitzer-Trailer sei schließlich nach langer Zeit angeschafft und an diversen Standorten aufgestellt worden. „Aber die Bahnhofsstraße ist und bleibt das Stiefkind“, meint Winter. In diesem Bereich werde weiterhin mit hohen Geschwindigkeiten gefahren. „Bis heute haben wir vom Rathaus kein Feedback in dieser Sache erhalten.“ Er meint, die Gedanken der Bürger werden „von der Politik ignoriert“.

In Bezug auf den nicht geänderten Bebauungsplan meldet die Stadtverwaltung, dass aktuell Bebauungspläne aufgestellt werden für Gebiete, in denen noch kein solcher existiert, um gerade der expansiven und ungezügelten Verdichtung entgegenzuwirken.

Stadt Obertshausen hat sich mit den Vorschlägen auseinandergesetzt

Entgegen dem Vorwurf, es habe kein Feedback aus dem Rathaus gegeben, weist Möser auf den E-Mail-Austausch sowie auch auf Telefonate und einige Besprechungstermine im Rathaus hin. Diese hätten gemeinsam mit Heinz Winter und weiteren Vertretern der Gruppe stattgefunden. Er, aber auch der ehemalige Bürgermeister Roger Winter sowie der aktuelle Bürgermeister Manuel Friedrich „waren und sind gesprächsbereit und offen“.

Gemeinsam habe man bereits einige Möglichkeiten durchgesprochen und auch entsprechende Rückmeldungen gegeben. „Man darf nicht vergessen, dass es für den Fachbereich Bürger, Ordnung und Verkehr auch einen Dezernatswechsel gab“, merkt Michael Möser an. „Wir haben das Thema Bahnhofstraße bereits 2019 in die ,Verkehrsschau’– ein Gremium aus regionalen Verkehrsexperten beispielsweise von Kommune, Polizei, Hessen Mobil und ADAC – eingebracht und mit diesem Protokoll auch in die politische Diskussion.“ Man brauche einfach Zeit für Umsetzungen. So habe man beispielsweise monatelang auf die Antwort der Deutschen Bahn bezüglich eines weiteren Bahnübergangs gewartet. Die Rückmeldung verlief nach genannten Argumenten negativ, und dies wurde auch kommuniziert. „Man hat sich also konstruktiv mit den Vorschlägen auseinandergesetzt, aber mancher Vorschlag dauert eine Weile, bis er bearbeitet ist”, erinnert Möser.

Stadt Obertshausen hat Erklärung für die Verwirrung um den Blitzertrailer

„Die Bürger wollten eine grundsätzliche Lösung für die Verkehrsproblematik; diese war bisher jedoch nicht möglich“, stellt Möser klar. „Dass sich die Politik nicht damit beschäftigt hat, ist nicht richtig.“ Selbst im Koalitionsvertrag sei die Thematik aufgenommen.

Auch in Bezug auf den Blitzertrailer und dessen Nutzung hat die Stadtverwaltung eine Erklärung. So teilt Bürgermeister Manuel Friedrich mit, dass für die Aufstellung solcher Trailer entsprechende Genehmigungen nötig sind. „Wir setzen den Trailer dort ein, wo wir ihn einsetzen können. Die Standorte muss jedoch die Polizeiakademie genehmigen. Für die Bahnhofstraße haben wir einen Antrag gestellt, der aber bis jetzt nicht genehmigt wurde.“ Auch eine mobile Geschwindigkeitsüberprüfung ist laut Friedrich aufgrund eines defekten Geräts zurzeit nicht möglich. „Wir planen aber eine Neuanschaffung für 2022“, informiert der Rathauschef.

Obertshausen: Möser möchte, dass alles durchdacht ist

Grundsätzlich sei der politische Wille für Veränderungen da. Laut Cornelia Knoke, Fachbereichsleiterin „Bürger, Ordnung und Verkehr“, gebe es jedoch abgesehen von dem politischen Willen auch andere Herausforderungen. So müsse seitens der Verkehrsbehörden geschaut werden, ob die Straßen, die im Zuge einer neuen Verkehrsführung stärker befahren werden, überhaupt geeignet seien. „Es gab schon einmal die Rückmeldung, dass die anderen Straßen, wie beispielsweise die Friedhofstraße, gar nicht dafür geeignet sind“, berichtet Knoke, „Man würde also ein Fass aufmachen, wo man ein anderes dicht macht.“

Aus diesem Grund ist es laut Möser wichtig, dass angemessen geprüft wird und man die betroffene Bevölkerung im Prozess mitnimmt. Zudem verweist er auf das Straßenprogramm der Stadt Obertshausen. Die Friedhofstraße ist bereits im kurzfristigen Investitionsprogramm für die grundhafte Straßensanierung enthalten – die Planungen laufen bereits. „Daher können wir schauen, dass man die Straße bei der Sanierung an eine neue Situation anpasst.“ Wichtig ist jedoch laut Möser, dass es durchdacht werden muss und kein Schnellschuss sein darf. „Wir bitten auch um Berücksichtigung der Tatsache, in welcher Zeit wir uns gerade befinden“, merkt der Erste Stadtrat an. (Von Jan Max Gepperth)

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