„Jeder kann, keiner muss“

Boris Brosche hat die Jugendarbeit der evangelischen Kirche neu aufgestellt

Freude über die Arbeit: Boris Brosche engagiert sich seit Jahren für die Jugendlichen in der Gemeinde.
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Freude über die Arbeit: Boris Brosche engagiert sich seit Jahren für die Jugendlichen in der Gemeinde.

Die Jugendarbeit ist für jeden Verein und jede Organisation ein wichtiger Faktor, um sich langfristig aufzustellen – dabei ist die Kirche keine Ausnahme. Besonders in Obertshausen soll die Jugendarbeit nachhaltig und erfolgreich sein. Der ehrenamtliche Jugendarbeiter Boris Brosche erklärt, wieso.

Obertshausen – Seit 2017 ist Brosche in dieser Funktion bei der evangelischen Kirchengemeinde Obertshausen an der Waldkirche aktiv. Nachdem er Forstwirtschaft in Rottenburg am Neckar und anschließend berufsbegleitend Wirtschaftsingenieurwesen studiert hatte, kam der heute 49-Jährige mit seiner Frau nach Obertshausen zurück. Hier war er 1985 konfirmiert worden.

Nach seiner Rückkehr stieg er 1999 in die Jugendarbeit der Gemeinde ein. „Damals war die Jugendarbeit in sogenannten Jugendkreisen organisiert“, erinnert er sich. Zum Abschluss der Konfirmandenzeit wurden die jungen Männer und Frauen in die unterschiedlichen Kreise eingeladen und integriert. „Da haben wir aber gesehen, dass nach fünf Jahren nur immer um die fünf Leute je Jahrgang übrig bleiben“, erzählt Brosche. „Daher haben wir uns gefragt: Wieso bleiben die Leute weg, wenn es ihnen doch vorher gefallen hat?“

Aus dieser Frage entwickelte sich die Jugendarbeit „Backbone“ (deutsch: Rückgrat). „Damit bieten wir den Jugendlichen einen Halt an, um den herum sie sich frei entwickeln können“, sagt Brosche. Der Halt sei in diesem Fall der christliche Glauben.

Der Unterschied zur vorherigen Organisation ist, dass die Jugendlichen nicht in einzelne Gruppen eingeteilt, sondern alle zusammengeführt werden. „Es gibt dann eine wöchentliche Veranstaltung mit einer Moderation, Gebet, einem Input sowie einem musikalischen Teil“, erklärt der ehrenamtliche Jugendarbeiter den Ablauf. In Anschluss werde man in festgelegte Kleingruppen gehen und dort die Inhalte des Inputs weiter vertiefen. „Es handelt sich dabei immer um den gleichen Leiter und die gleichen Teilnehmer“, sagt Brosche. „So entsteht ein geschützter Raum für den persönlichen Austausch.“ In den Zeiten vor Corona gab es zum Ausklang auch die Möglichkeit, Zeit auf dem Sportfeld der Gemeinde gemeinsam mit Ballspielen zu verbringen oder im Bistro zu entspannen. „Wir hoffen, dass diese Optionen bald wieder bestehen“, so Brosche.

Die Veranstaltungen sind nah an den Jugendlichen ausgerichtet. „Eines unserer Prinzipien ist ,Jugendarbeit von Jugendlichen für Jugendliche´“. Die Teilnehmer sollen sich dabei selbst einbringen und etwas für die Altersgenossen mitentwickeln.

Diese Themen könnten ganz unterschiedliche Formen annehmen. „Wir hatten schon zeitgenössische Musik oder bekannte Filme, mit denen wir gearbeitet haben“, sagt Brosche. „Was die Jugendlichen gerne hören, sind persönliche Geschichten und Erfahrungen, bei denen sie etwas für ihr eigenes Leben mitnehmen können.“

Ziel der Arbeit sei es nicht nur die Jugendlichen an den christlichen Glauben heranzuführen, sondern auch ein Gemeinschaftsgefühl zu erleben. „Wir bieten die Möglichkeit, wenn Menschen das wollen, eine Beziehung zu Gott aufzubauen“, informiert Boris Brosche, „aber wir haben immer das Motto ,Jeder kann – keiner muss´.“

Das kommt bei Eltern und Jugendlichen gut an, wie aus regelmäßigen anonymen Befragungen hervorginge. „Dort wird dann beschrieben, dass die Treffen als sicherer Ort oder Highlight der Woche wahrgenommen werden“, sagt Brosche.

Mittlerweile können die Treffen zwar wieder stattfinden, aber in einer reduzierten Form. „Die Anmeldung läuft zurzeit online – vor Corona war das einfacher, aber es kann immer noch kommen wer will.“ Den entsprechenden Link gibt es auf der Instagram-Seite der Jugendarbeit Obertshausen unter #backboneobh – auch den Link zur Anmeldung.

Vor Corona hatte man in der Spitze um die 80 Teilnehmer. Zu Hochzeiten der Corona-Pandemie sei die Anzahl auf circa 20 Personen eingebrochen. Mittlerweile erholten sich die Zahlen jedoch. „Jetzt, wo sich die Situation langsam entspannt, merken wir, dass der Eine oder Andere wieder kommt“, sagt Brosche und freut sich darauf, bald wieder vor Ort dieses Gemeinschaftsgefühl zu spüren. (Von Jan Max Gepperth)

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