Keine zweite Amtszeit

Bürgermeisterwahl in Obertshausen: Rathauschef Roger Winter macht überraschende Ankündigung

Keine zweite Amtszeit: Bürgermeister Roger Winter will sich im kommenden Jahr nicht mehr zur Wahl stellen.
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Keine zweite Amtszeit: Bürgermeister Roger Winter will sich im kommenden Jahr nicht mehr zur Wahl stellen. 

Bürgermeister Roger Winter sieht die Zeit für neue Herausforderungen gekommen.

Obertshausen – Seine Wahl vor mehr als fünf Jahren mit 50,6 Prozent der Stimmen vor dem CDU-Kandidaten Hubert Gerhards (49,4 Prozent) hat viele überrascht. Der Schritt, den Roger Winter am Dienstag (15.10.2019) verkündete, dürfte wiederum viele überraschen. Denn nach nur einer Amtszeit sagt der als unabhängiger Kandidat angetretene Grüne bereits wieder „Servus“. 

Damit hat keiner der als Bewerber für den Rathauschefsessel zur Wahl stehenden – Manfred Schmutzer (CDU), Manuel Friedrich (unabhängig) und Rudolf Schulz (Bürger für Obertshausen) – einen Amtsinhaberbonus. Den Aspiranten wünscht Winter „eine gute und faire Wahlkampagne“. Er stehe dem neu gewählten Bürgermeister „selbstverständlich zur Einarbeitung zur Verfügung“.

Obertshausen: Viele Erfolge im Amt für Bürgermeister Roger Winter

Er wolle sich hingegen neu orientieren, teilt Winter mit: „Mir bereitet das Amt zwar Freude, aber ich möchte beruflich etwas Neues probieren.“ Der 50-Jährige findet, es sei nun ein guter Zeitpunkt, „um sich nochmal neuen Herausforderungen außerhalb der hiesigen Kommunalpolitik zu stellen“. Winter blickt auf rund 20 Jahre als Stadtverordneter zurück.

In einem Statement zählt Winter seine Erfolge als Rathauschef auf. Darunter fallen „die geglückte Rekommunalisierung der Volkshochschule und der Musikschule“ sowie die „verbesserte Förderung aller Vereine“, mit der er „die Wertschätzung für alle ehrenamtlichen Aktiven ausdrückt“. Im Sozialen habe er mit der „Servicestelle Besser älter werden eine wichtige Anlaufstelle für alle Lebenslagen eingeführt und etabliert“. In seine Amtszeit fiel auch die „Herkulesaufgabe der Flüchtlingsunterbringung und –betreuung, die hervorragend gemeistert wurde“. Auf Verwaltungsebene sei die Digitalisierung und somit eine der großen Herausforderungen für die Zukunft in Angriff genommen und die Gremienarbeit „effizienter und transparenter gestaltet“ worden.

Obertshausen: Bürgermeister Roger Winter tritt nicht mehr an

Den gelungenen Breitbandausbau sowie eine aktive Wirtschaftsförderung zählt Winter ebenso zu seinen Erfolgen. „Insgesamt haben wir eine sehr gut aufgestellte und motivierte Verwaltung mit vielen engagierten Mitarbeitern – vom Bauhof über das Bürgerbüro, bis hin zu unseren Erzieherinnen.“ Auch habe er die Haushaltskonsolidierung trotz „stetig wachsender Aufgabenpalette und Wünschen der Kommunalpolitik“ vorangetrieben und für eine solide Finanzbasis innerhalb der Stadt gesorgt, betont Winter.

Die rosarote Brille setzt er bei seinem Rückblick auch ab. Denn „trotz aller Erfolge und schöner Erlebnisse“ in seiner Amtszeit habe es einige Herausforderungen gegeben, die auch ihn berührt haben. „Leider ist das Tagesgeschäft in den letzten Jahren nicht immer vergnügenssteuerpflichtig. Eine gewisse Verrohung in der Gesellschaft zeigt sich in Sprache und Tat. Gerade öffentliche Amtsträger werden gerne zur Zielscheibe von Shit-Storms oder auch verbalen Angriffen.“

Obertshausen: Bürgermeister Roger Winter lobt das „gesunde Betriebsklima“

Winter lobt hingegen das „gesunde Betriebsklima“ in den Gremien, „das zwar politisch streitet, aber dabei doch stets die Menschlichkeit beachtet“. Wichtig sei ihm auch immer eine gute Chemie zwischen den Hauptamtlichen gewesen: „Ich hatte mit dem langjährigen Ersten Stadtrat Hubert Gerhards und dem jetzigen Dezernenten Michael Möser stets eine sehr gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit, gerade bei schwierigen Herausforderungen für die Verwaltung und die Kommunalpolitik.“

Zudem hofft der noch amtierende Bürgermeister, dass Obertshausen weiterhin auf viele Vereine, Organisationen und engagierte Bürger zählen kann. „Sie sorgen für gesellschaftliche Teilhabe und viele kleine Freuden im Stadtleben.“ Daher wolle er sich auch nach seiner Bürgermeisterkarriere in einigen Organisationen ehrenamtlich engagieren. „Aber bis zum Ende meiner Amtszeit werde ich meine Kraft für Obertshausen verwenden und möglichst viele Aufgaben zu Ende zu bringen“, betont Winter.

Auch sonst tut sich politisch einiges in Obertshausen: Die SPD ist aus der großen Koalition ausgetreten. Und fünf junge Genossen gründen die Jusos in Obertshausen neu.

VON RONNY PAUL

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