Abschied mit leisem Alleluja

 Schluss aus Altersgründen: Chor Germania singt letztes Neujahrskonzert

Die Sängerinnen des Frauenchors begeisterten ihre Zuhörer mit fröhlichen Spirituals. Foto: Prochnow
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Die Sängerinnen des Frauenchors begeisterten ihre Zuhörer mit fröhlichen Spirituals.

Leise, verträumte Mandolinen-Klänge, sonore Männerstimmen, ein glockenreines Sopran-Solo, mitreißende Gospel-Rhythmen und dann der Paukenschlag.

Obertshausen – Das beliebte Neujahrskonzert des Volkschors Germania soll das letzte gewesen sein, erklärte dessen Vorsitzende Dagmar Kreis am Sonntagabend in der Herz-Jesu-Kirche. „Bewahre uns, Gott“, antworteten alle am Programm beteiligten Chöre und Solisten mit dem Publikum. .

Vier grundverschiedene Formationen hatten zuvor ein enormes Spektrum an musikalischer Vielfalt geboten. Bereits den festlichen Auftakt hatten die Mitwirkenden gemeinsam bestritten, in den Klangfarben des neuseeländischen Volkslieds „Epo i tai tai e“ einen „starken Mann“ geschildert. Von dieser Gattung ist auch der Frohsinn Hanau. Neun Herren gestalteten mit den Gastgeberinnen, dem Frauenchor „Musica querbeet“ den „Zauber der Nacht“.

Beide Ensembles stehen unter dem Dirigat von Musikdirektor Damian H. Siegmund. Die Bässe und Tenöre bewiesen eindrucksvoll, dass neun Stimmen durchaus genügen – Auswahl und Arrangement machen’s. Die Hanauer Herren gefielen mehrstimmig und mit sicheren Soli, mit den sanften „guten Mächten“ von Dietrich Bonhoeffer, mit Marien-Anbetungen und flotten Spirituals.

Der Rhythmus der schwarzafrikanischen Gläubigen ist die Sache des Emmaus-Chors aus Rodgau-Jügesheim. Mit viel Schwung steckte die Gruppe des Heusenstammer Musikers René Frank die Gemeinde mit dem Geist des Gospels an. Schwungvoll vermittelten die Mitglieder fast aller Generationen „Born Again“ und den „Happy Day“.

Bilder im Kopf – von den Weiten Russlands und alten Krimis – oder Sehnsucht im Herzen vermittelten die Klänge des Mandolinen-Orchesters Dudenhofen. Ob Sinfonie, Walzer, Halleluja oder verträumte Titelmusik der „Drei Haselnüsse für Aschenputtel“ – das fein abgestimmte Zupforchester vom Wanderverein unter Leitung von Antje Rosenberger spielte jeden Titel so, als sei er allein für dieses Instrument geschrieben worden. Ein harmonisches Hörvergnügen.

Die festlichen Akzente oblagen der lyrischen Sopranistin Regina Rumpel aus Seligenstadt. Sie interpretierte „Solveigs Lied“ aus Henrik Ibsens dramatischem Gedicht Peer Gynt gefühlvoll, zelebrierte „The Rose“ von Amanda Broom und Leonard Cohens „Halleluja“.

Und die Gastgeber? Der Krankenstand hatte den Frauenchor um sieben auf 33 Stimmen dezimiert. Doch das fiel zumindest bei den fröhlichen Spirituals nicht auf.

„Komm, sag es allen weiter“ und „Kum Ba Yah My Lord“ galten dem Gotteslob in der Basilika. Mit ihrem zweiten Auftritt dokumentierten sie ihr gut gepflegtes Repertoire: Mit „Dona pacem, Domine“ und dem „Alleluja“ gefielen die Damen mit geistlichen Klängen. Der Obertshausener Oliver Bode unterstützte sie bei „Over The Rainbow“ an der Ukulele, und mit „Gott hat mir längst einen Engel gesandt“ interpretierten die Frauen ein stimmungsvolles Werk des Hainburger Sozialkantors Thomas Gabriel.

Viele Beiträge beeindruckten die Zuhörer derart, dass sie der Bitte des Pfarrers nicht nachkommen und mit dem Beifall nicht bis zum Schluss warten konnten. Apropos Schluss: Dagmar Kreis verwies auf das Alter der Sängerinnen. Und die helfenden Hände beim Organisieren eines solchen Ereignisses. Hausherr Hofmann wie Chorleiter Siegmund und das treue Auditorium hoffen, dass noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, respektieren aber den Vorstandsbeschluss, dass es das letzte Neujahrskonzert gewesen sei – in diesem Jahr.

VON MICHAEL PROCHNOW

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