Container als Flüchtlingsbleibe?

Obertshausen - Die Stadt Obertshausen wird wahrscheinlich nun doch Flüchtlinge in Containern unterbringen. Von Karl-Heinz Otterbein 

Noch Ende März hatte Bürgermeister Bernd Roth Container als Flüchtlingsdomizile bestenfalls als letzten Ausweg betrachtet und gehofft, alle die der Stadt im Laufe des Jahres vom Kreis zugewiesenen Asylbewerber dezentral in Wohnungen oder Häusern unterbringen zu können. Diese Hoffnung hat sich nun zerschlagen. „Ohne Container als Unterkünfte haben wir keine Chance, die bis zu 100 Flüchtlinge unterzubringen, die uns bis zum Jahresende zugewiesen werden“, erklärte Roth gestern bei einem Pressegespräch. „Im Moment ist bei uns alles ausgereizt. Es gibt keine freien städtischen Wohnungen mehr und die uns von Privatleuten angebotenen Unterkünfte waren viel zu teuer. Auch leerstehende städtische Gebäude entsprechend herzurichten, hätte zu viel Geld gekostet.“

Roth zufolge hat die Stadt im ersten Halbjahr mehr als 30 Flüchtlinge in städtischen Wohnungen untergebracht, zuletzt erhielten elf Personen in dem städtischen Gebäude an der Otto-Wels-Straße, in dem früher die Awo ihr Domizil hatte, vorübergehend eine neue Bleibe. Damit sei das städtische Kontingent bis einschließlich Juni erfüllt. Das Juli-Kontingent werde der Stadt nicht zugewiesen, bis eine Entscheidung über eine Container-Lösung gefallen sei, so Roth. Dementsprechend mehr Flüchtlinge würden dann im August erwartet.

„Die Verwaltung ist derzeit dabei, einen Vorschlag für eine Container-Lösung zu erarbeiten, über den dann der Magistrat in seiner nächsten Sitzung entscheiden wird“, erläuterte der Rathauschef. „In den Containern, die auf dem Gelände zwischen dem TGO-Vereinsheim und der Sporthalle Badstraße aufgestellt werden sollen, könnten maximal 60 Personen ein vorübergehendes neues Domizil finden.“ Zwar habe der Magistrat noch keine endgültige Entscheidung getroffen, es gebe allerdings schon Kontakte zu Firmen, die solche Wohncontainer vermieteten, sagte Erster Stadtrat Hubert Gerhards.

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Die komplett mit Einrichtung ausgestatteten Container würden voraussichtlich für 28 Monate mit der Möglichkeit gemietet, den Mietvertrag zu verlängern, erläuterte der Erste Stadtrat. Das Aufstellen der Container könne relativ zügig und nach einer entsprechenden Entscheidung des Magistrats Anfang August erfolgen.

Die Belegung der Container mit Flüchtlingen werde nach und nach erfolgen, so Gerhards, der davon ausgeht, dass die Container an die Badstraße nicht lange ausreichen. „Wenn, wovon auszugehen ist, die Zuweisung von Flüchtlingen so weitergeht wie bisher, werden wir bald weitere Container-Standorte im Stadtgebeit finden müssen“, sagte der Erste Stadtrat. „Auch brauchen wir bei der Stadtverwaltung personelle Verstärkung. „Wir brauchen jemanden, der sich ausschließlich um die Belange der Flüchtlinge kümmert und werden dafür eine Stelle umwidmen.“ Roth und Gerhards haben indes die Hoffnung nicht aufgegeben, doch noch einige bezahlbare Privatwohnungen für Flüchtlinge zu finden. Interessierte Vermieter können sich an Daniel Kettler von der Stadtverwaltung wenden, der unter 06104/703-6102 oder per E-Mail an fluechtlingshilfe@obertshausen zu erreichen ist.

Rubriklistenbild: © dpa

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