Obertshausen

Friseure vor der Corona-Wiedereröffnung: „Länger hätten wir das nicht durchhalten können“

Auch Friseurin Maria Galanti hat ihren Salon Hair Design in der Friedrichstraße für die Wiederöffnung in der kommenden Woche vorbereitet FOTO: M
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Auch Friseurin Maria Galanti hat ihren Salon Hair Design in der Friedrichstraße in Obertshausen für die Wiederöffnung in der kommenden Woche vorbereitet

Ab März öffnen die Friseure wieder – auch in Obertshausen. Viele Gewerbetreibende sehen sich für die Corona-Wiedereröffnung gut gerüstet.

Obertshausen – Ob eine unzähmbare Matte wie Boris Johnson, tiefe Scheitel von Kanzlerin und Karl Lauterbach oder der Gesichtsvorhang beim Bundes-Jogi Löw: Das Land braucht einen Schnitt, einen kräftigen Haarschnitt. Dabei geht es den Figaros gerade noch schlechter als den Köpfen ihrer Kunst, sie gehören zu den Hauptbetroffenen des coronabedingten Lockdowns.

Wenn die Friseure ab dem 1. März selbst am Montag ihre Salons öffnen, geht für viele von ihnen ein zweieinhalb-monatiges Corona-Berufsverbot zu Ende. Wir haben mit drei von ihnen in Hausen und Obertshausen gesprochen.

Ridouan Tifrassi ist Geschäftsführer von Hair & Lounge mit Barber Shop. Mit seiner Schwester, der Friseurmeisterin Fatima Tifrassi, hat er das Ladengeschäft an der Friedenstraße grundgereinigt, neue Desinfektionsspender installiert, in den Toiletten auf papierene Einmalhandtücher gewechselt. „Jeder Kunde muss sich eintragen“, sagt der Inhaber.

Obertshausen: Friseure haben nur verhaltenes Kundenaufkommen

Noch sind die fünf Mitarbeiter, darunter zwei Auszubildende, komplett in Kurzarbeit, müssen mit 60 Prozent ihres Einkommens auskommen. Ein Lehrling hat sich daheim auf die praktische Zwischenprüfung bei der Handwerkskammer in Frankfurt vorbereitet – und nun bestanden. „Wir haben ein super Team, freuen uns auf die Zeit, die kommt, und beginnen mit großer Motivation“, verbreitet der Chef Optimismus. „Aber viel länger hätten wir das nicht durchhalten können“, gibt er zu bedenken, denn „die Überbrückungshilfen sind noch nicht da“.

Trotzdem startet Hair & Lounge mit einer großen Dankaktion für Pflegekräfte, Rettungssanitäter und Mitarbeiter ambulanter Dienste: Ab dem 8. März werden den Angehörigen dieser Gruppen montags bis Monatsende kostenlos die Haare geschnitten und gefärbt. „Das Telefon glüht, wir sind schon fast ausgebucht“, informiert Tifrassi. Bei den „normalen“ Kunden sei die Terminvergabe eher verhalten, es melden sich nicht so viele wie nach dem ersten Corona-Lockdown, allein die ersten zwei Wochen seien gut gebucht, teilt der Sprecher mit.

Corona: Friseure aus Obertshausen sauer auf Politik

Ähnlich ist das bei Hair & Make up. „Nach dem ersten Lockdown hatte ich den ganzen Monat Termine“, blickt Jelena Cebic zurück. Sie hat sich erst vor ein paar Jahren selbstständig gemacht, nur für die erste Woche hat sie schon alle Termine vergeben. Ihre Mitarbeiterin ist in Kurzarbeit, die Inhaberin hat erst jetzt ein Corona-Überbrückungsgeld erhalten. „Wir haben ein bisschen renoviert und neu dekoriert“, berichtet sie. Sie selbst habe während der Schließung Farbe fürs Haar verkauft und die Anwendung erläutert. Zu Hause habe sie die Zeit genutzt, den Sohn zu unterrichten.

Wenn Jelena Cebic nächste Woche ihr Geschäft wieder öffnet, wird sie ihre Preise nicht erhöhen: „Viele Leute haben Kurzarbeit, ihnen fehlt das Geld“. Maria Galanti von Hair Design an der Friedrichstraße steht allein in ihrem Laden – und ist sehr enttäuscht von der Politik. „Ich habe immer Steuern bezahlt, alle anderen Kosten laufen weiter, aber erst jetzt konnte mein Steuerberater Überbrückungsgeld beantragen“, kritisiert sie. „Wir hatten schon schwere Einbußen, kein Oster-, kein Weihnachtsgeschäft“, bilanziert sie. „Der Sommer war zu heiß, viele ältere Kundinnen folgten dem Rat von Frau Merkel und blieben daheim. Viele haben sich in der Drogerie Farbe gekauft, sich selbst die Haare gefärbt und kommen auch künftig nicht mehr“, fürchtet sie. Vor den Wandspiegeln seien zwei Plätze nicht mehr benutzbar, um Abstand zu waren.

Friseuere in Obertshausen vor der Corona-Wiedereröffnung: „Kunden sollen Geduld mitbringen“

Und: „Die Kunden sollen Geduld mitbringen, ich brauche länger, um den Arbeitsplatz zu desinfizieren, den Stuhl zu reinigen, den Einmal-Umhang auszuwechseln.“ Dabei seien die Friseure schon immer „Spezialisten in Hygiene“, verweist sie auf die Maßnahmen, die Berufsgenossenschaft und Handwerkskammer empfehlen. In den vergangenen Wochen hat sie ihre Buchhaltung gemacht, Büroarbeiten erledigt, aber auch an Online-Fortbildungen zu Themen wie Schnitt, Einkauf und Hygiene teilgenommen. (Michael Prochnow)

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