Er probiert es noch einmal

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Daniel Greifelt repariert in seinem neuen Laden an der Forststraße/ Ecke Dreieichstraße unter anderem Notebooks.

Obertshausen - Daniel Greifelt hat einen Computershop eröffnet – obwohl er damit schon mal auf die Nase fiel. Von Lena Marie Jörger 

Daniel Greifelt weiß, wie es ist, am Boden zu sein. Er machte sich mit einem Computerladen selbständig. Etwa 13 Jahre lang ging alles gut, dann rutschte er in die Privatinsolvenz, litt am Burnout-Syndrom. Nun versucht der Obertshausener noch einmal sein Glück. Wieder mit einem PC-Reparatur-Shop.

Schwerfällig geht die braune Ladentür auf. Der Verkaufsraum dahinter ist spärlich eingerichtet: zwei Theken, Regale, Klapphocker. An einer Wand hängen Druckerpatronen. Es riecht nach Holz. Hinter einem der Verkaufstresen steht Daniel Greifelt. Wer es nicht weiß, ahnt nicht, was er erlebt hat. Dass er ganz unten war.

Der 45-Jährige hat an der Forststraße/ Ecke Dreieichstraße einen neuen Computerladen eröffnet. Es ist sein dritter. Schon vorher war er selbstständig, führte das „Sound & Byte“, ein Geschäft, in dem er Autoradios und Computer reparierte. Eines Tages beschloss er, sich zu vergrößern. „Ich habe mir einen Partner ins Boot geholt“, sagt er. „Das war der größte Fehler meines Lebens!“ Der Partner machte sich aus dem Staub, Greifelt musste Privatinsolvenz abmelden. Für den Obertshausener ein Schock. „Ich war ausgebrannt“, sagt er. „Das hat mich aus der Bahn geworfen.“

Zweiter Versuch nach vier Jahren

Knapp vier Jahre sind seitdem vergangen. Vier Jahre, in denen Greifelt vor allem Abstand gebraucht habe, zu sich selber finden wollte. „Ich musste etwas anderes machen.“ Per Zufall wurde er Zimmermann. Eine Obertshausener Holzbaufirma rief ihn an – sie hatte EDV-Probleme. „Dann haben sie gefragt, wie ich gerade über die Runden komme und ob ich nicht aushelfen wolle“, erzählt Greifelt. Er sagte zu. Das nötige Wissen brachte er sich selbst bei, „es liegt mir in den Händen.“ Das sieht man auch im neuen Laden: Verkaufstresen und Regale sind selbst gebaut.

Mehrere Stunden pro Woche arbeitet Greifelt nun in dem Holzbauunternehmen, kümmert sich dort auch um die EDV und übernimmt Hausmeistertätigkeiten. Auf lange Sicht soll aber wieder der Computershop seine Haupteinnahmequelle werden. „Hätte ich Zimmermann werden wollen, hätte ich das gelernt“, sagt Greifelt. Stattdessen machte er eine Ausbildung als Elektroinstallateur, später als Kommunikationselektroniker.

„Jetzt fange ich bei Null an“, sagt er. In seinem neuen Geschäft, dem er den schlichten Namen „Technik & Computer Shop“ gegeben hat, bietet er Reparaturservice für PCs, Notebooks und Tablets an. Zudem kümmert er sich um kaputte Drucker, Unterhaltungsgeräte oder Telefonanlagen. Kurzum: „Eigentlich gibt es nichts, mit dem ich mich nicht auseinandersetze“, wirbt er.

20 Tipps: Sicher surfen und telefonieren

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Wer möchte, kann sich den Experten auch nach Hause beordern. Die Terminabsprache läuft telefonisch, der Laden ist vorerst nur samstags von 10 bis 14 Uhr offen. Ein weiterer wichtiger Baustein seiner Arbeit ist das Thema Sicherheit. „Die Menschen achten immer mehr darauf, dass ihre Werte wie Häuser oder persönliche Daten gut geschützt sind“, erläutert Greifelt. Er biete daher auch die Installation von Überwachungstechnik und Datenschutzsoftware an.

Für sein neues Geschäft hat sich der Familienvater vor allem eines vorgenommen: „Ich will es ganz entspannt angehen lassen.“ Es scheint, als habe er sich nach seiner Krise auf das Wesentliche im Leben besonnen. Ausgleich und Erholung suche er zwischen seinen beiden Jobs vor allem in der Natur. „Ich fahre viel Fahrrad und spiele Didgeridoo“, erzählt er. „Es ist enorm wichtig, auf sich zu achten, sich nicht zu sehr auf eine Sache zu fokussieren.“

Und das tut Greifelt nicht. In einer Ecke seines Ladens steht ein viereckiger, brauner Kübel aus Holz – natürlich hat er ihn selbst gebaut. Ebenso zwei kleinere Blumenkästchen, die auf der Theke Platz gefunden haben. Die Kästen stehen ebenfalls zum Verkauf. „Vielleicht interessiert sich jemand dafür“, sagt Greifelt. Mehr wolle er aber nicht anbieten. „Ich will mich nicht verzetteln.“

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