„Das Problem gibt es seit 20 Jahren“

Obertshausen: Müll sorgt für Ärger bei Anwohnern und Hausverwaltung

Ein Dorn im Auge: An der Feldstraße werden regelmäßig Gegenstände abgelegt, die nicht für den Sperrmüll geeignet sind.
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Ein Dorn im Auge: An der Feldstraße werden regelmäßig Gegenstände abgelegt, die nicht für den Sperrmüll geeignet sind.

Anwohner der Feldstraße in Obertshausen sind verärgert: Der Sperrmüll der dortigen Wohnblöcke wird dort direkt an der Straße gesammelt.

Obertshausen – „Man muss sich wirklich schämen, wenn man Besuch bekommt“, fasst Olaf Rohr zusammen. Der 54-Jährige ist Mieter an der Feldstraße und fühlt sich von der dortigen Sperrmüll-Situation deutlich gestört. Einmal im Monat haben die Bewohner der dortigen Wohnblöcke die Möglichkeit, kostenlos Sperrmüll abholen zu lassen. Einen gesonderten Platz gibt es dafür nicht – stattdessen wird der Müll direkt an der Straße gesammelt.

Aus diesem Grund weist die Hausverwaltung auch deutlich darauf hin, dass der Sperrmüll erst am Vorabend der monatlichen Abholung auf die Straße gestellt werden darf. Und da beginnt laut Olaf Rohr das Problem: Seiner Meinung nach stellen einige Anwohner ihren Müll zu früh heraus. Dies führe dazu, dass wochenlang Sperrmüll auf der Straße stehe, da dieser eben nur einmal monatlich abgeholt werde.

Durch den Müll, der über mehrere Wochen Gehweg an der Feldstraße stehe, würden grundstücksfremde Personen dazu animiert, ihren Unrat einfach dazu zu stellen. „Das sind ja nicht nur Möbel“, regt sich der Anwohner auf, „da sind auch manchmal Autoreifen, Feuerlöscher oder sogar Haushaltsmüll dabei“.

Müll-Ärger in Obertshausen (Kreis Offenbach): Hausverwaltung kennt das Problem

Gerade der Haushaltsmüll, der einfach dort abgelegt werde, habe dafür gesorgt, dass man an der Feldstraße nun ein Rattenproblem habe. Dies stört Rohr insofern besonders, da sich direkt neben der inoffiziellen Ablagestelle ein Kinderspielplatz befindet. „Ich verstehe die Leute nicht – wenn ich den Müll doch schon im Auto habe, kann ich ihn doch gleich zum Bauhof bringen“, meint Rohr.

Doch nicht nur dem Anwohner ist die Situation ein Dorn im Auge. Auch Torsten Krüger, einer der Geschäftsführer bei Pontarius Real Estate Management, der Hausverwaltung der Gebäude, ist genervt von der Situation. „Das Problem gibt es seit 20 Jahren“, sagt er.

Im Gegensatz zu Rohr ist Krüger jedoch sicher, dass es sich bei den Müllablagerungen nicht um Müll der Anwohner handelt. „Dass ein Mieter mal was hinstellt, kann sein – aber nicht in diesem Ausmaß“, sagt er. „Ich habe einen Ein- beziehungsweise Auszug pro Monat“, fasst Krüger zusammen und verweist darauf, dass man häufig Müllablagerungen bis sechs Kubikmeter habe. Das stehe für ihn in keinem Verhältnis. Zudem befänden sich unter den abgestellten Objekten teilweise auch Farbeimer oder Stahlrolltore. „Das sind Objekte, die eher von handwerklichen Betrieben als unseren Mietern abgestellt werden“, sagt der Geschäftsführer.

Müll-Problem in Obertshausen bekämpfen: Krüger kritisiert die Vorschläge der Stadt

Da man sich etwas hilflos fühlt, appelliert Torsten Krüger auch an seine Mieter: „Wenn jemand sieht, dass eine Person da illegal Müll ablädt – schreiben Sie das Kennzeichen auf und teilen es uns mit.“ Nur so könne man eine Anzeige erstatten.

Gerade weil die Situation schon lange unbefriedigend sei, hatte Krüger auch bereits den Kontakt zur Stadt gesucht. Dort habe man Pontarius verschiedene Vorschläge unterbreitet wie häufigere Abholtermine oder die Einrichtung eines Sperrmüllsammelplatzes.

„Die Vorschläge der Stadt sind praxisfern“, sagt Krüger. In seinen Augen würde ein Sperrmüllsammelplatz das Problem nur verschieben. „Dann fahren die Leute halt mit dem Auto auf unser Gelände und laden den Kram auf unserem Platz ab.“ Krüger würde es bevorzugen, bei einem akuten Bedarf bei der Stadt anzurufen, um den Müll abholen zu lassen. „Und wenn wir dann was zahlen müssen, ist das eben so“, meint Krüger. „In Offenbach ist das auch ganz easy.“

Müllsammelplatz als Lösung? Möser berichtet von guten Erfahrungen in Obertshausen

Erster Stadtrat Michael Möser sieht die Situation etwas anders. Für ihn ist klar, dass 90 bis 95 Prozent des Mülls von den Anwohnern dort abgestellt werden. „Das wollen wir mit dem Müllsammelplatz in den Griff bekommen“, sagt Möser. Mit dieser Lösung habe man bereits in der Vergangenheit gute Erfahrungen wie in der Danziger Straße gesammelt. Dort habe man einen eingezäunten Bereich eingerichtet, zu dem nur die Anwohner einen Schlüssel erhalten. „Dann kann man sagen, dass das, was jetzt noch draußen steht, wirklich von Dritten ist.“

Zudem betreibe Offenbach die Müllabholung im Eigenbetrieb. In Obertshausen hingegen habe man diese Leistung ausgeschrieben. Auch werde die Entsorgung in beiden Kommunen unterschiedlich abgerechnet, wie Peter Kleinschmitt, Abfallberater der Stadt Obertshausen, erklärt. „In Offenbach kostet jeder Kubikmeter Geld – bei uns ist die Sperrmüllabholung in der Müllgebühr enthalten.“ Daher empfiehlt auch Kleinschmitt die Einrichtung eines abgegrenzten Sammelplatzes. „Die Lösung mit dem abgeschlossenen Bereich ist sehr praktikabel.“ (Jan Max Gepperth)

Direkt in Offenbach sorgt die Vermüllung im öffentlichen Raum zunehmend für Ärger. Bürger stellen sich der Müllflut entgegen. Jetzt kündigt die Stadt an, härter durchzugreifen.

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