Musik und Kultur

Ein Song für die Eisdiele: Tom Jet präsentiert mit „Without A Word“ sein neues Album

Mehrere Gitarren am Start: Tom Jet präsentiert seine Instrumente in seinem kleinen Heimstudio.
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Mehrere Gitarren am Start: Tom Jet präsentiert seine Instrumente in seinem kleinen Heimstudio.

„Ich versuche, einen breiten Klang ohne viel Elektronik zu spielen“, definiert Thomas Jeutter sein neues Album, bei dem er außer dem Schlagzeug alle Instrumente selbst eingespielt habe. Seit zwölf Jahren hat der Hausener, den ein jeder als Tom Jet kennt, keine CD veröffentlicht. Die letzten Tonträger waren geprägt von Boogie Woogie und Rock’n’Roll. Auf seiner neusten Platte soll es etwas ruhiger zugehen.

Obertshausen –Die drei jüngsten Alben hat er mit seiner Band, den „Starlighters“, und mit Partnerin als „Crazy Cats“ im Studio Rodgau Recording produziert. Insgesamt acht Platten hat er auf dem Markt. Lange zauderte der Musiker, da er lieber live auf der Bühne steht, als dass er sich hinterm Mischpult vergräbt. „Und dann hat doch heute keiner mehr einen CD-Spieler!“

Auch die Produktion der Scheibe kostet Geld, der Online-Verlag ist freilich günstiger. Viele möchten jedoch noch etwas in der Hand halten, erfuhr er über die sozialen Netzwerke. Zwei Drittel der Rückmeldungen dort antworten ihm nach dem Motto „wir brauchen keine, aber wir hätten gerne eine“ CD, auf die man „liebe Grüße“ drauf schreiben kann.

Lieber Live auf der Bühne als im Studio

Das Titelbild für die neue CD steht schon fest: Auf dem gemalten Cover springt er selbst mit einer Gitarre über ein riesiges Corona-Virus. Seine Schwester Ute Jeutter und Haiko Spittel haben es entworfen. Das Album trägt den Titel „Without A Word“. Die Platte heiße so, weil sie eben nur Instrumentaltitel enthält, betont er, „alles Neu-Kompositionen“. Dafür setzt er Ideen und Gedanken melodisch um, nimmt sie mit dem Handy auf, sortiert sie irgendwann und speichert sie in ein Produktionsprogramm auf dem Computer. „Daraus füge ich dann Stücke zusammen.“Andererseits: „Ich sehe mich als Live-Musiker, es ist mir wichtiger vor Publikum zu spielen“, verrät er. Aufnahmen machten ihm nicht so viel Spaß. „Da fahre ich nachts um drei ins Studio nach Froschhausen, bis ich dort bin, sind meine Gedanken wieder weg.“

Einmal stand ein Jet-Album auf Platz 1, teilt er so ganz nebenbei mit. Seine Versionen von „Sloop John B“, ein alter Seemannsong im Partysound, landete bei Radio Europa auf den Balaren an der Spitze, „aber das hat nichts gebracht“, winkt Tom schon wieder ab. Seine Alben sind halt für seine Fans produziert, nicht für den weltweiten Markt.

Ein Song für das neue Eiscafé

Die aktuelle Lage sei für den Live-Musiker schwierig, „aber ich verbreite keine depressive Sammlung!“ So habe der Musiker zum Beispiel den Song „Some Balls Of Ice-Cream“ dem neuen Eiscafe gegenüber gewidmet: „Das ist schon ein Höhepunkt, in der Schlange vor der Theke stehen zu dürfen, geradezu eine Befreiung!“

Für das Projekt versucht Jeutter, „keine synthetischen Sachen einzubauen“. Einzelne Schlagzeugspuren sind drin, digitalisierte Dateien von Kollgen, die auch veränderbar sind, „aber keine Synthesizer oder E-Pianos, nur mehrere Saiteninstrumente“. Der Tom Jet mag es halt „naturbelassen“, schwingt lieber eine Rassel oder Zimbeln, das klinge „menschlicher“.

Förderung von der Hessischen Kulturstiftung

Die Grundidee gibt stets eine Gitarre. „Ich habe nie so viel akustisch gespielt“, sagt er. Aber gerade das entspreche seinem aktuellem Lebensgefühl, eine Stimmung wie am Lagerfeuer oder Hintergrundmusik für einen Tierfilm.

„Mit einer Akustikgitarre spiele und komponiere ich anders als mit der E-Gitarre, eine spanische Konzertversion bringt irgendwie immer Flamenco-Takte hervor, eine Ukulele klingt immer nach Jamaika.“

Wegen der Pandemie hat Tom Jet eine Förderung von der Hessischen Kulturstiftung beantragt. „Das Geld darf ich nur fürs Projekt verwenden, nicht einen Ringel Fleischwurst davon kaufen“, informiert der Obertshauser abschließend. (Von Michael Prochnow)

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