Aus dem Gericht

Ein von Gewalt geprägtes Leben: 24-Jähriger wegen Drogenhandels und Waffenbesitz vor Gericht

Der Angeklagte aus Obertshausen verlässt das Offenbacher Justizzentrum mit einer Bewährungsstrafe. Archiv
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Der Angeklagte aus Obertshausen verlässt das Offenbacher Justizzentrum mit einer Bewährungsstrafe. Archiv

Er erlebte durch seinen alkoholkranken Vater Gewalt in der Kindheit, die er zum Leidwesen anderer weiter gab. Doch trotzdem sieht Richter Manfred Beck den 24-jährigen Obertshausener, der vor dem Schöffengericht in Offenbach wegen Drogenhandels und Waffenbesitz saß, mittlerweile auf einem guten Weg. Mit einer Bewährungsstrafe von 14 Monaten Haft verließ er das Gebäude.

Obertshausen – Der Angeklagte hatte Glück, dass ihn beim Kauf von knapp 330 Gramm Cannabis vor gut einem Jahr wohl jemand übers Ohr gehauen hatte. Jedenfalls kommentiert Richter Beck den minimalen Wert von unter einem Prozent an Rausch erzeugendem Tetrahydrocannabinol (THC) mit „das gibt es doch schon in Hanf-Läden zu kaufen“. Durch weitere 34 Gramm mit einem allerdings sehr hohen THC-Gehalt von 29,1 Prozent kam der Angeklagte über die THC-Menge von 7,5 Gramm, die nicht mehr als geringfügig gilt und mit einer Mindesthaftstrafe von einem Jahr zu ahnden ist.

Die Staatsanwältin wirft dem Obertshausener außerdem den Besitz von einer Machete und drei Messern vor, was für bewaffneten Drogenhandel spreche. Ferner habe er auf einem Parkplatz mit einer Schreckschusswaffe in die Luft geschlossen.

Angeklagter leidet an ADHS

Verteidiger Ulf Köper kündigt an, sein Mandant werde gestehen. Der Rechtsanwalt erklärt, der Angeklagte leide an einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS), stehe unter Dauerbetreuung und habe in zwei anderen Verfahren Geldstrafen kassiert, weshalb Köper hofft, „dass es im Falle einer Bewährungsstrafe nicht zu einer Geldauflage, sondern zu Sozialarbeitsstunden kommt“. Der Angeklagte habe eine feste Wohnung, die wiederum dubiosen Freunden als Anlaufpunkt gedient habe.

Die Waffen hätten ohne einen Bezug zu den Drogen irgendwo in seiner damals zugemüllten und viel besuchten Wohnung gelegen, betont der Angeklagte, „ich hatte nicht vor, das Haschisch damit zu verteidigen“.

Gutachter spricht von massiver Gewalt des Vaters

Der Obertshausener erklärt, dass er seiner seelischen Probleme wegen vor drei Jahren mit dem Kiffen begonnen habe. Zwischendurch sei ein Entzug im Sana-Klinikum gescheitert, da man dort „nur auf Alkoholiker spezialisiert“ sei. Anwalt Köper ergänzt, dass der Angeklagte seine Ausbildung unterbrochen habe. „Das Tischtuch zum Betrieb ist aber nicht zerschnitten, die würden ihn wieder nehmen“, sagt der Verteidiger.

Der psychiatrische Gutachter Dr. Thomas Holzmann trägt vor, der Angeklagte berichte von massiver Gewalt des Vaters. Dieser habe ihm als damals als Fünfjährigen im alkoholisierten Zustand ins Gesicht getreten. Der Angeklagte selbst sei wiederum wegen Gewalt gegen andere Kinder aus mehreren Kindergarten und von einer Schule nach der anderen geflogen. Auf einer Sonderschule für Schwererziehbare habe er schließlich seinen Hauptschulabschluss geschafft.

Bewährungsstrafe für den Angeklagten

Bei sich selbst beobachte der Angeklagte fehlende Impulskontrolle, „aus jeder Mücke mache er einen Elefanten“. Die laut Gutachter mittlerweile aufgeräumte Wohnung des Angeklagten zeuge von handwerklichem Geschick, da er sich Schrank und Bett selbst schreinerte. Der Cannabis-Missbrauch sei ein „untauglicher Versuch der Selbstmedikation“, da er sich in die Depression kiffe. Dennoch habe der Angeklagte voll schuldfähig gehandelt.

Die Staatsanwältin fordert eine Gesamtfreiheitsstrafe von 16 Monaten Gefängnis auf Bewährung, hinzukommen 80 Arbeitsstunden und eine von Urin-Kontrollen flankierte Drogentherapie. Verteidiger Köper zeigt sich einverstanden, stellt die Strafe aber ins Ermessen des Gerichts und regt außerdem ein Antiaggressionstraining an.

Richter Beck und die Schöffen verhängen 14 Monate Gefängnis auf Bewährung, dazu 80 Arbeitsstunden samt einer Drogentherapie, die ohnehin ein Antiaggressionstraining umfasse: „Sie befinden sich auf einem guten Weg, gehen Sie den aber weiter.“ Das Urteil ist rechtskräftig.

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