Hoffen auf Zeugen

Einbrecher schlagen viermal bei Familie aus Obertshausen zu

Chaos neben dem Gartenzaun in Obertshausen: Die Einbrecher haben die Kartons aus der Hütte der Picards geholt und an der Rodau durchwühlt.
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Chaos neben dem Gartenzaun in Obertshausen: Die Einbrecher haben die Kartons aus der Hütte der Picards geholt und an der Rodau durchwühlt.

Eine Familie aus Obertshausen wendet sich an die Öffentlichkeit. Gleich vier Mal haben Einbrecher dort zugeschlagen. Jetzt hofft sie auf Zeugen. 

  • Obertshausen (Kreis Offenbach): Familie wird vier Mal Opfer von Einbrechern
  • Familie Picard aus Obertshausen sicher: „Da muss einer was gewusst haben“
  • Familie und  Polizei hoffen auf Zeugen

Obertshausen – Claudius ist elf Jahre alt. So ein starkes Go-Kart war schon sein größter Wunsch, als er in die dritte Klasse ging. Nach der Erstkommunion war es dann soweit, mit Hilfe seiner Eltern und Großeltern erhielt er ein „Berg, Modell Extra Sport in blau“. Doch in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag hat jemand das schwere Fahrzeug aus dem Hof an der Steinheimer Straße gestohlen. Bei seiner Oma schlugen Einbrecher gleich dreimal zu – die Polizei konnte in keinem Fall den Tätern auf die Spur kommen. Jetzt wendet sich die Familie an die Öffentlichkeit, vielleicht erkennt jemand das Diebesgut oder hat Hinweise zu den Einbrüchen.

„Ich wollte zur Oma fahren, die hatte einen Kinderkreuzweg für mich und meine Schwester vorbereitet“, erzählt Claudius. Dreimal ist er ums Haus gelaufen, hat alles abgesucht. „Ich war ganz schön erschrocken und habe alle Nachbarn gefragt.“ Ihr Enkel habe viel geweint, berichtet Oma Lioba Picard. „Diebstahl ist schon schlimm, aber ein Kind zu bestehlen ist schon sehr gemein“, findet die Hausenerin, die sich auch im Pfarrgemeinderat engagiert.

Einbrecher in Obertshausen: Großeltern mehrfach bestohlen

Claudius’ Freunde haben ähnliche Modelle, zusammen sind sie durch Wald und Feld gefahren. Den fast professionellen Schneeschieber für das Kart hat der Junge noch, dreimal hat er damit den Bürgersteig vor den Häusern geräumt, erinnert er sich. Am Neujahrstag hat er morgens um 6 Uhr mit seinem Kart und dem Anhänger Kracher-Reste eingesammelt, regelmäßig in dem massiven Hänger Altpapier und -glas zu den Containern gebracht und seine jüngeren Geschwister gefahren, jetzt ist das Zubehör ebenfalls weg.

Das Gefährt lässt sich nicht in der Wohnung parken oder in den Keller stellen, erläutert die Oma. „Durch die Tür der Gartenhütte passt er auch nicht“, das hat Claudius schon probiert. Also parkte er sein liebstes Spielzeug abgedeckt im Hof. Den Großeltern erging es auch nicht besser. Ausgerechnet nach der Erneuerung des Zauns wurde dreimal eingebrochen, nagelneue Reifensätze für zwei Autos für mehrere tausend Euro entwendet.

Einbrecher in Obertshausen: „Da muss einer was gewusst haben“

„Da muss einer was gewusst haben“, folgert Lioba Picard. Ein zweiter Einbruchsversuch sei gescheitert, beim dritten Anlauf Mitte November sind die Täter durch ein Fenster in die Garage geklettert und haben von innen versucht, die Tür aufzubrechen. Sie scheiterten jedoch an der Blende, schlugen allerdings ein Autofenster ein und entwendeten ein privates sowie ein geschäftliches Laptop, auf dem sich wichtige Daten und Arbeiten, des selbstständigen Maschinenbau-Ingenieurs Robert Picard befanden. 

„Ich nehme die Geräte sonst immer mit ins Haus“, betont der Unternehmer. Zudem liefen ausgerechnet in jener Nacht die Überwachungskameras auf dem Gelände nicht, weil eine Festplatte ausgetauscht wurde. Doch damit fand das Schicksal der Picards noch kein Ende. Kurze Zeit später entwendeten Einbrecher sämtliche Kartons der 31-jährigen Tochter Linda, die nach ihrer Rückkehr von einem Auslandsaufenthalt ihr Hab und Gut in der Gartenhütte der Mutter lagerte.

Einbrecher in Obertshausen: „Zehn Jahre ihres Lebens sind verschwunden“

Die Gauner stellten eine Bank an den Zaun, durchsuchten die Kisten an der Rodau hinterm Haus nach Wertsachen, fanden Goldkette und Schmuck von Lindas Oma, von hohem persönlichen Wert. Dazu nahmen die Kriminellen viele Erinnerungsstücke von den Auslandsreisen der Studentin mit, ideelle Werte. Von den Gasteltern in England war eine Kette von Tiffany’s dabei, afrikanische Masken von Freunden in Ghana, goldene Ohrringe von Sri Lanka, eine Muschelkette aus Kolumbien.

„Zehn Jahre ihres Lebens sind verschwunden“, fasst Lioba Picard zusammen, „alles ist weg, womit sie ihre Geschichte verbindet“. Für die Diebe dürften die Sachen kaum einen Wert darstellen.

Zeugenhinweise nimmt die Polizeiwache in Heusenstamm unter Telefon 06104 69080 entgegen.

VON MICHAEL PROCHNOW

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