Obertshausen

Von der Eisdiele in die Supermarkt-Theke

Der Mindestabstand bleibt, aber Eis Mia darf wieder verkaufen: Über die Kooperation freuen sich Manuel Friedrich (von links), Eismacher Petar Duvnjak und Frank Deckenbach. Foto: thh
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Der Mindestabstand bleibt, aber Eis Mia darf wieder verkaufen: Über die Kooperation freuen sich Manuel Friedrich (von links), Eismacher Petar Duvnjak und Frank Deckenbach.

Fast hätte es mit dem Foto schon nicht mehr geklappt: Gerade noch drei Becher Eis liegen am Boden der Kühltruhe. Jetzt muss sich Petar Duvnjak beeilen und schnell Nachschub für seine neue Kooperation liefern.

Obertshausen – Denn das Gelato von Eis Mia aus Hausen liegt seit Freitag auch im Edeka-Markt an der Malteserstraße in der Auslage – abgefüllt in Bechern mit 500 Millilitern. Und die Idee funktioniert. Der Ansturm seiner treuen Fangemeinde überrascht selbst Duvnjak. „Endlich gibt es wieder etwas tun. “ Vor ein paar Stunden Stunden erst hat er die erste Charge geliefert, nun gilt es schnell zu sein, damit jene, die erst zum Feierabend kommen, auch noch etwas bekommen.

Eingefädelt hat die Zusammenarbeit zwischen dem Hausener Eismacher und dem Marktleiter Frank Deckenbach Obertshausens künftiger Rathauschef Manuel Friedrich, der mit Freunden zusammen auch die Initiative „Rette deinen Ort“ ins Leben gerufen hat. Durch die auf der Internetseite zu erwerbenden Gutscheine können Bürger die lokalen Gewerbetreibenden unterstützen. Die Idee, dass Eisdielen für die Dauer der coronabedingten Schließungen ihr Eis in den lokalen Supermärkten verkaufen können, habe er in Seligenstadt gesehen. Als nach einigem Hin und Her schließlich das vorläufige Aus kam, sprach er mit den beiden befreundeten Inhabern von Eis Dolmiti und Eis Mia darüber und stellte schließlich den Kontakt zu Frank Deckenbach her.

Der Edeka-Marktchef unterstützt seine Kollegen vor Ort gerne und sieht darin auch einen Gewinn für seinen eigenen Markt. Denn die Kunden achten bei ihrem Einkauf zunehmend auf Regionalität. „Lokal ist Trumpf, stellen wir immer wieder fest“, berichtet Deckenbach. So ist beispielsweise der Kaffee aus Obertshausener Röstung bei ihm die meistverkaufte Marke und auch die Dosenwurst von der Metzgerei Picard läuft wie geschnitten Brot. „Eine Kundin hat sich gleich vier Becher Eis mitgenommen“, schildert er vom Start des Eisverkaufs. Das liegt preislich zwar noch mal ein Stück über den etablierten Marken wie Häagen Dazs und Ben and Jerry’s, die ersten 50 Becher waren trotzdem nach gerade einmal einer Stunde verkauft. Zu haben sind im Wechsel jeweils sechs bis sieben Sorten, darunter die Klassiker Schokolade, Vanille und Erdbeere.

Und damit der Nachschub nicht abreißt, gibt es für Petar Dvnjak, der im Moment alleine in seiner Eisdiele ist, viel zu tun. Schließlich wird jede Lieferung am Morgen frisch produziert.

Und ab heute darf der Eismacher auch wieder mit einem Liefer- und Abholdienst öffnen. Im Edeka-Markt soll es sein Eis aber weiterhin geben. „Von der Produktion her ist beides zusammen machbar“, erläutert Petar Dvnjak. Auch wenn ihm die Arbeit nun alles abverlange. „Natürlich ist es sehr viel zu tun, aber wir Eisdielen haben nun einmal nur diese fünf bis sechs Monate, um unseren Umsatz zu machen und die Kosten laufen weiter“. Von der Saison hat er durch die Corona-Beschränkungen bereits fast einen ganzen Monat verloren.

Und so schwingt sich Petar Duvnjak nach einem schnellen Foto auch schon wieder in sein Auto, um Nachschub für die Kühltruhe zu holen.

VON THOMAS HOLZAMER

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