„Ein langer Atem ist gefragt“

Kommunalwahl: Elke Kunde ist Spitzenkandidatin der FDP

Elke Kunde will für die FDP erneut ins Stadtparlament einziehen.
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Elke Kunde will für die FDP erneut ins Stadtparlament einziehen.

Fünf Parteien, fünf starke Frauen und drei davon auf Platz eins der Kandidatenlisten. Die erste Garde in Obertshausens Lokalpolitik dürfte mit der Kommunalwahl am Sonntag, 14. März, nicht nur jünger, sondern auch weiblicher werden. Dabei sind die Kandidatinnen auf den vorderen Listenplätzen längst keine Unbekannten mehr in der Stadt. In loser Reihenfolge stellen wir die fünf „Spitzenkandidatinnen“ vor. Heute mit Elke Kunde, Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidatin der FDP.

Obertshausen – „Mit dem Mauerfall, als ich gerade Studentin war, fing ich an, mich richtig für Politik zu interessieren“, sagt Elke Kunde zum Beginn ihres politischen Engagements. In Stuttgart geboren und aufgewachsen, ließ sie sich zur Zeit der Wende alle Parteiprogramme zuschicken und fand ihre politische Heimat in der FDP, weil sie sich mit ihren Werten nach Selbstbestimmung und Eigenverantwortung dort am ehesten wiederfand.

Eine freie Stelle beim IT-Unternehmen IBM lockte sie dann ins Rhein-Main-Gebiet und 1992 nach Obertshausen. Wenig später folgte die Verbindung zu den Liberalen in Obertshausen und damit der Grundstein für ihren kommenden politischen Weg. Zunächst war Kunde bei den Liberalen Beisitzerin, dann Schatzmeisterin, stellvertretende Vorsitzende und 2007 dann Vorsitzende. Seit 1997 sitzt sie im Stadtparlament.

In 2011, zwei Wochen nach der Atomkraft-Katastrophe von Fukushima, waren Kommunalwahlen: Die FDP rutschte damals nicht nur bundespolitisch in niedrige einstellige Prozente, sondern auch lokal. Elke Kunde bestritt nun als fraktionslose Einzelkämpferin ihren kommunalpolitischen Alltag. „Es war freudlos, aber ich hab mich da durchgeboxt“, sagt die 52-jährige Freidemokratin. Schon damals habe sie Themen auf die Agenda gesetzt, wie beispielsweise die Fahrradstraßen im Jahr 2014, die mittlerweile auch andere Parteien mit aufschnappen: „Damals wurde das immer abgelehnt, wahrscheinlich weil der Vorschlag aus der falschen Partei kam“, sagt Kunde zu bisherigen parlamentarischen Erfahrungen. „Kommunalpolitik ist etwas, bei dem einfach ein langer Atem gefragt ist, aber am Ende kommt man meistens ans Ziel.“ 2016 konnten die Freidemokraten ihr Ergebnis wieder ausbauen und insgesamt vier Mandate ergattern.

Für die kommende Legislaturperiode hat sich Kunde zusammen mit dem Ortsverband auf folgende Themenschwerpunkte festgelegt: „Zum einen ist da die Digitalisierung der Verwaltung“, sagt die Spitzenkandidatin, „zum anderen natürlich auch entsprechende Investitionen in die frühkindliche Bildung.“ Dazu brauche es vor allem einen soliden Haushalt, der dies auch stemmen könne, „denn für das was wir in den Kitas brauchen, werden gut zwei Millionen Euro zusätzlich jährlich fällig.“ Dies soll nach Plänen der FDP dadurch erreicht werden, dass die Verwaltung der städtischen Immobilien optimiert und weitere öffentliche Dienstleistungen privatisiert werden.

Auch für den Ausbau der Infrastruktur will sich die Partei starkmachen, sowohl für die digitale als auch die für Fahrräder. Mit einer guten digitalen Infrastruktur durch Breitbandausbau sollen auch neue Unternehmen angelockt werden. Denn auch für ein Gewerbegebiet südlich der A3 setzt sich Kunde ein.

Politische Vorbilder habe Kunde nicht direkt, sieht sich aber von Menschen beeindruckt, die sich der reinen Sachpolitik verschrieben haben. Wobei, ein kleines Vorbild habe sie schon: „Christian Lindner ist ein ausgesprochen guter Redner.“

Wenn die liberale Fraktionsvorsitzende sich nicht gerade der Kommunalpolitik widmet, ist sie noch als Schöffin und stellvertretende Schiedsfrau ehrenamtlich engagiert. „Ich habe einfach ein Mitmach-Gen“, beschreibt sich die 52-Jährige selbst. Als Ausgleich sieht sie vor allem das Fahrradfahren mit ihrem Mann. Bei Radtouren zog es die beiden schon bis nach Wien oder Usedom. Und auch da war ein langer Atem gefragt. „Aber diese Zeit ohne Handy tut auch mal gut.“

(Von Lukas Reus)

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