So geht Nächstenliebe

Die Kirchengemeinde Hausen engagiert sich für Flüchtlinge

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Stifte raus und mit Freude Deutsch lernen: Die katholische Gemeinde Hausen organisiert mit dem Verein für Interkulturelle Bildung und der evangelischen Gemeinde Kurse für Flüchtlinge.

Obertshausen -  Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Ein Wort aus der Bibel, vielzitiert, im Alltag manchmal vergessen. Nicht so bei der katholischen Kirche in Hausen. Neben dem Pfarrgemeinderat kümmern sich auch einzelne Mitglieder rührend um Flüchtlinge. Von Michael Prochnow 

Die drei Säulen der katholischen Kirche sind Martyria, Leiturgia und Diakonia. Heißt: die Verbreitung des Evangeliums, die Feier der Eucharistie und der Dienst am Menschen. Für den dritten Punkt möchte der neu gewählte Pfarrgemeinderat sein Engagement und das der ganzen Hausener Gemeinde stärken. Auf der Klausurtagung beriet er daher Schwerpunkte. Einer davon: Unterstützung der Asylbewerber. „Christen dürfen Not und Bedürfnisse der Flüchtlinge nicht übersehen“, betont Thomas Picard. Der Unternehmer hat nach seinem Wechsel in den Ruhestand in der Gemeinde die Koordination der Aktivitäten für Flüchtlinge übernommen.

Bereits Anfang 2014 hatte der damalige Bürgermeister Bernd Roth alle karitativen Organisationen der Stadt eingeladen, zu sondieren, wer welche Aufgaben ausfüllen kann. Die Katholiken haben sich bereit erklärt, Patenschaften zu übernehmen. Die Hausener betreuen nun zwei alleinerziehenden Frauen aus Eritrea mit kleinen Kindern. Die Gruppe hat inzwischen eine Wohnung für eine der Klein-Familien gefunden, erst dieser Tage war Picard mit der Mutter unterwegs, um Möbel einzukaufen. Für ein weiteres Patenkind konnten die Helfer einen Kita-Platz vermitteln. „Das Wichtigste für alle aber ist, deutsch zu lernen“, betont der Mann vom Verwaltungsrat. Daher laufen im Pfarrer-Schwahn-Haus Deutschkurse, die zusammen mit der evangelischen Kirchengemeinde und dem Verein für Interkulturelle Bildung organisiert und von der Pfarrgemeinde mitfinanziert werden. Als Lehrerinnen stehen an der St. Josefskirche Uta Picard, Petra Bauer und Adelheid Schmitt bereit, die viel Erfahrung im Unterrichten mitbringen. Trotzdem ist das Vermitteln des Stoffs nicht ganz einfach: In der Klasse sitzen Schüler vom Analphabeten bis zum Universitätsabsolventen.

Dieter Rau und Horst Ludwar packen bei praktischen Problemen mit an, reparieren Fahrräder, begleiten Asylbewerber ins Einwohner-Meldeamt, zur Krankenkasse sowie zum Arzt, stehen bei der Eröffnung eines Bankkontos und bei der Beantragung von Hartz-IV zur Seite, wenn die neuen Nachbarn ihre Anerkennung bekommen haben. Die Begleiter zeigen ihren Schützlingen auch, wie das mit der S-Bahn läuft und wie wichtig Kindersicherungen in Steckdosen sind. Nach Picards Erfahrung ist der Kontakt mit Einheimischen von großer Bedeutung – nicht nur wegen der Sprachpraxis. „Die meisten sind sehr wissbegierig und wollen sich integrieren, möchten weiterkommen, arbeiten und eine Existenz aufbauen“, beobachtet der Helfer. Sehr schwierig sei es für die Leute, Wohnungen zu bekommen, wenn sie selbst bei den Vermietern anrufen. „Sie wollen nicht auf Sozialhilfe angewiesen sein, sondern ihr Leben selbst in die Hand nehmen“, stellt Picard klar. „Es ist definitiv nicht der Fall, dass sie wegen des Geldes herkommen.

Gabriel: Eine halbe Million Flüchtlinge pro Jahr möglich

Der Pfarrgemeinderat hat beschlossen, fleißig mitzuhelfen, die Unterstützung aber stets mit der Flüchtlingshilfe und der Leiterin der städtischen Flüchtlingsarbeit abzustimmen. „Wir wollen uns nicht ins Rampenlicht stellen, sondern in eine Organisation einbringen, die gut läuft“, sagt Picard. Für die Pfarrgemeinde wird es im Mai einen Info-Abend mit Blick auf die neue Unterkunft des Kreises an der Sporthalle Rodaustraße geben. Dabei sollen weitere Interessierte für verschiedene Tätigkeiten und Patenschaften gewonnen werden.

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