Von der Skizze zum Märchenschloss

Historische Anekdoten: Entstehung des Gemäldes von der Burg im Hain

Wie aus einem Märchenbuch: Die Burg im Hain wurde von zwei Oberthausenern zumindest grafisch wiederbelebt. Allerdings nicht historisch korrekt.
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Wie aus einem Märchenbuch: Die Burg im Hain wurde von zwei Oberthausenern zumindest grafisch wiederbelebt. Allerdings nicht historisch korrekt.

In der Chronik der Stadt Obertshausen berichtet der Heimat- und Geschichtsverein über viele einstige Orte, zählt Fakten aus der Vergangenheit auf und sammelt einige interessante Anekdoten.

Obertshausen – Die kleine Gemeinde war nicht nur reich an Gasthäusern und konnte stolz auf gleich zwei Mühlen sein. Sie träumte auch von ihrem eigenen Märchenschloss. Ebenso eine Art Zoo hatte Obertshausen in der Karl-Mayer-Straße.

Die Fundamentreste der mittelalterlichen Anlage in Obertshausen, heute bekannt als die Burg im Hain, regten schon in vergangenen Zeiten die Fantasie der Einwohner an. Natürlich kannte man das imposante herrschaftliche Schloss in Heusenstamm, und auch andere Burgen und Schlösser im Umkreis machten Eindruck. Es wäre doch zu schön, wenn ein solches Bauwerk auch im dörflichen Obertshausen gestanden hätte – samt Edelmann, Ritter und Burgfräulein. Die Anekdote, wie das imposante Gemälde der Burg im Hain, das in der alten Obertshausen-Chronik aus dem Jahr 1965 abgedruckt wurde, entstanden ist, liest sich wie folgt: Zwei Einwohner Obertshausens entdeckten Ende des 19. Jahrhunderts in einem Frankfurter Trödelladen eine Skizze der Burg.

Da sie nicht das Geld besaßen, diese zu erwerben, aber auch die Gemeinde nicht über die nötigen Finanzmittel verfügte – Obertshausen gehörte seinerzeit zu den drei ärmsten Gemeinden im Kreis Offenbach –, machten sich die beiden wackeren Entdecker der Kostbarkeit an die Arbeit des Abzeichnens. Die Skizze gelangte später in die Hand von Wilhelm Beichert, einem Verwandten des langjährigen Obertshausener Lehrers Beichert. Dieser ließ in Mainz von einem Maler aus der vorhandenen Kopie ein noch heute existierendes Aquarell anfertigen. Ob sich diese Anekdote genau so zugetragen hat, sei dahingestellt. Sicher ist in jedem Fall, dass besagtes Aquarell eine Anlage darstellt, die gut ein Grimmsches Märchenschloss sein könnte – die Burg im Hain hat jedoch niemals so ausgesehen.

Unstrittig ist, dass früher, als der Ort noch kleiner und die Zahl der Einwohner überschaubar war, „Uznamen“ für die Bewohner durchaus gebräuchlich waren. Nicht selten gab es Namensdopplungen in den damals viel größeren und verzweigteren Familien, auch wurden manche Vornamen vom Großvater auf den Vater und den Sohn weitergegeben. Uznamen machten es einfacher, in Erzählungen die einzelnen Personen voneinander zu unterscheiden. Nach welchen „Regeln“ diese Namen vergeben wurden, ist nicht überliefert. Eventuell waren Berufe, typische Eigenarten oder auch das Aussehen Grundlage. Die Bewohner der heutigen Karl-Mayer-Straße wurden – warum auch immer – von den Obertshäusern mit Tiernamen bedacht: Dort wohnte der Fuchs, der Storch, der Frosch und der Hund. Daher nannte man diese Straße auch die „Tiergartenstraße“.

lur

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