Evangelische Gemeinde feiert an Heiligabend mit Alleinstehenden

Evangelische Gemeinde feiert an Heiligabend mit Alleinstehenden

Heiligabend in Gemeinschaft speisten, sangen, plauderten Gäste an der Waldkirche. FOTO: M

Vielleicht wird noch was draus. Der Schlusssatz aus dem Anspiel der Familie Polenske klingt noch lange in den Ohren der Besucher im „Living Room“.

Obertshausen – Die vier Mitglieder der evangelischen Gemeinde hatten Alleinstehende zur gemeinsamen Feier in der Heiligen Nacht eingeladen. Rund zwei Dutzend Frauen und Männer hatten die Gelegenheit beim Schopfe ergriffen, um nicht daheim einsam die Wände anstarren zu müssen.

Die bodentiefen Glaswände des offenen Treffpunkts sendeten das warme Licht aus dem Inneren durch den Hain bis an die Schönbornstraße. Ein freundliches Lächeln und ein Handschlag empfing jeden, der die Tür öffnete. Die Schwelle eines Telefonanrufs mussten die Gäste überwunden haben, das war für die Planung vonnöten. Die betraf auch das Büfett, zu dem viele der Teilnehmer einen Beitrag leisteten.

So wussten die Polenskes, was auf der Tafel fehlen würde. Sie ergänzten die Auswahl um eine Tomatencremesuppe und zauberten mithilfe des Teams der Lebensmittelausgabe Oase in der katholischen Pfarrgemeinde Herz Jesu einen Nudelauflauf. Auch der Pudding der Gastgeber mit karamellisiertem Zucker und ihre Fruchtcreme fanden großen Anklang und viel Lob.

Freudestrahlende Gesichter und so manches Wort der Besucher verrieten, dass ihre Speisekarte ohne das gemeinsame Essen der Gemeinde recht kurz ausgefallen wäre. Auf den Tischen stand Gebäck bereit, selbst gefertigte Plätzchen, Spekulatius, Schokoladengebäck und Lebkuchen, dazu Getränke.

In der Bücherecke hatten sich Dr. Manuela Baumgart und Ehemann Roland Schmachtl eingerichtet, spielten Weihnachtliches auf einer Veeh-Harfe, einem Inklusionsinstrument, das auch Menschen mit Behinderungen bedienen können. Unter den Saiten werden Blätter mit Markierungen gelegt, exakt unter den Stellen, an denen die Stränge gezupft werden sollen. Begleitet von Gitarrenklängen ertönten klassische und bekannte Melodien zum Fest.

Kai und Gabi Polenske sowie ihre Töchter Priscilla und Selina hatten die Weihnachtsgeschichte in moderne Worte gepackt. Die Hirten auf den Feldern um Betlehem wie die Weisen haben erkannt, dass sich „da etwas geändert hat“, hegen aber große Zweifel, ob das kleine Kind in der Krippe tatsächlich etwas in der Gesellschaft ändern kann. „Vielleicht wird noch was draus“, einigen sich die Leute im Stall optimistisch. Wo Fragen nach der Zukunft nicht eindeutig beantwortet sind, hilft der Glaube weiter: „Jesus kommt wieder“, erklärt Kai, das gelte es für Christen weiterzusagen. Und vor der Jesu Wiederkehr sei nun die „Zeit der Gemeinden“, des Zusammenkommens. Und das Treffen an Heiligabend sei jedes Mal anders, vergleicht Gabi. Im ersten Jahr waren noch einige Flüchtlinge dabei, mittlerweile kommen Stammgäste sowie neue Gesichter.

Eine Frau hat ihren Sohn verloren, die Schwiegertochter verbiete ihr, die Enkelin zu sehen, erzählt die Oma. Eine ehemalige Fastnachtsprinzessin lebt heute alleine und erfährt Hilfe bei den Lebensräumen in Hausen. Mit ihrem behinderten Sohn folgte eine Alleinerziehende der Einladung in die wohlbekannten Räume, damit er den fehlenden Vater daheim nicht so sehr vermisst, erläuterte die Mama und lächelt.  m

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare