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Fachbereich Klavier der Musikschule Obertshausen: Noch fehlt der eigene Flügel

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Annette Dörr leitet den Fachbereich Klavier und ist stellvertretende pädagogische Leiterin der Schule.

30 Musiklehrer, 25 Instrumental- und Vokalfächer und rund 1000 Schüler – die Musikschule Obertshausen ist Aushängeschild und die größte im Kreis Offenbach. In loser Folge stellen wir in den kommenden Wochen die einzelnen Fachbereiche vor.

Los geht es heute mit dem Fachbereich Klavier.

Obertshausen – „Musik ist die gemeinsame Sprache der Menschheit“ – so hat es Henry Wadsworth Longfellow, US-amerikanischer Dichter, zusammengefasst. Auch diese Sprache gilt es zu erlernen, trotz Talent und Leidenschaft. Die Pädagogen der städtischen Musikschule vermitteln ihren Schülern Fachwissen und formen Talente – und das mit Begeisterung. Eine musikalische Ausbildung bis hin zur Hochschulreife kann in Obertshausen absolviert werden.

Ganz weit oben auf der Skala der beliebtesten Instrumente steht das Klavier. Diese Tatsache macht dem gleichnamigen Fachbereich mit 107 Schülern und zehn Lehrern zum stärksten der Musikschule. Geleitet wird der von Annette Dörr, die auch die stellvertretende pädagogische Leiterin der Schule ist. Und das aus vollem Herzen und mit Leidenschaft. Bei der Musikschule ist sie seit November 1988, startete zunächst als Honorarkraft. Schon ein knappes Jahr später bekam sie eine Festanstellung angeboten. Damals war Dörr gerade mit dem Studium der Schulmusik – Hauptfach Klavier – fertig. „Es war eine Riesenchance, an eine neue Schule zu gehen und diese mit aufzubauen“, erinnert sie sich. Bereut hat Anette Dörr diesen Schritt nicht. „Es hat sich schon im Studium abgezeichnet, dass mein Berufsfeld nicht die allgemeinbildende Schule sein, sondern, dass mein Schwerpunkt auf dem individuellen Arbeiten mit einzelnen Schülern oder mit kleinen Gruppen liegen würde.“

Das Instrument punktet durch seinen Klang und vielfältige Einsatzmöglichkeiten. „Mit einem Klavier kann man alles machen, solo oder vierhändig spielen, in einer Band oder auch kammermusikalisch“, zählt sie auf. Auch seine Klangfarben machen es mit 88 Tasten besonders. „Es gibt kein Instrument, welches höher oder auch tiefer klingt, außer der Kirchenorgel.“ Das Gute sei auch, dass man schon in der ersten Unterrichtsstunde ein großes Klangerlebnis bei den Schülern erzeugen könne. Es gelte, die Tastatur zu begreifen und zu erobern. „Dabei ist nicht nur die Fingertechnik wichtig, auch die Bewegung der Arme und des Handgelenks, die Sitzhaltung sowie die Atmung beeinflussen den Klang“, weiß die 56-Jährige.

In der Regel kommen ihre Schüler bereits im Kindesalter zum Klavierunterricht. „Meist mit sechs oder sieben Jahren direkt nach der Musikalischen Früherziehung, manchmal sogar schon als Fünfjährige“, erläutert die Ausbilderin. Aber auch viele Erwachsene kämen, als Anfänger oder um ihre in der Kindheit erworbenen Fähigkeiten weiter zu entwickeln. Wer das Spielen lernen möchte, muss natürlich auch üben. Die Anschaffung eines Klaviers sei zwar nicht ganz günstig, aber bei vielen Fachhändlern könne man eines mieten oder leasen.

Der Klavierunterricht findet – nachmittags und bis in den Abend hinein – in der Joseph-von-Eichendorff- und der Hermann-Hesse-Schule statt. „Leider hat die Musikschule keine eigenen Räume, aber wir sind froh, dass wir in den Schulen zu Gast sein können“, erläutert Dörr und ergänzt: „Was uns fehlt, ist ein Flügel – das wäre mein Traum.“ Der sei vor allem für Talentierte wichtig, denn bei Wettbewerben werde auf einem Flügel gespielt. Neben dem Einzelunterricht, üben die Klavierschüler auch immer wieder gemeinsam zu vier oder auch zu sechs Händen.

Wer Klavier spielen möchte, sollte ein gutes Gehör sowie Gefühl für Takt und Rhythmus haben. „Das entwickelt sich natürlich auch durch den Unterricht weiter“, sagt Annette Dörr. Ob das Instrument zusagt, lässt sich schon bei einer Schnupperstunde testen.

Viele Schützlinge begleitet Annette Dörr über Jahre. Da entsteht auch eine enge Beziehung. Zum Beispiel Victoria Anton, die bei Dörr gelernt hat und jetzt selbst Lehrerin an der Musikschule ist.

Die stellvertretende pädagogische Musikschulleiterin beschäftigt sich auch Zuhause gern mit der Musik. Dann nimmt sie sich Zeit dafür, Stücke zu üben oder neu zu arrangieren – für ihre Schülerinnen und Schüler, aber auch für die Band und den Chor der heimischen Pfarrgemeinde. Annette Dörr hat viele Ideen. Im Herbst möchte sie einen Projekttag-Klavier an der Musikschule Obertshausen veranstalten. Dann sollen gemeinsam Weihnachtslieder erarbeitet werden. Das neue Semester startet am 1. August.  

thh

Infos im Internet musikschule-obertshausen.de

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