Einst reichste Gemeinde

Festempfang läutet Hausens Jubiläumswochenende ein

+
Geschichte auf der Bühne: Ein weiteres Mal präsentierte die Gruppe um Manuela Baumgart (rechts) ihr Stück, dass zur Zeit der ersten Erwähnung Hausens spielt.

950 Jahre alt und dabei den eigenen Charakter stets bewahrt – der Stadtteil Hausen, da ist sich Bürgermeister Roger Winter sicher, hat seinen Bewohnern viel zu bieten.

Obertshausen – Und das, so betonte Obertshausens Rathauschef anlässlich des offiziellen Empfangs zur Eröffnung des Jubiläumswochenendes, komme auch ganz Obertshausen zugute. Der Ort habe in den vergangenen Jahrhunderten eine wechselvolle Geschichte erlebt. Von schweren Zeiten mit Kriegen oder der Pest bis hin zu florierenden Perioden wie der Blütezeit der Lederwarenindustrie in der Region. So war der Ort in den 1960er-Jahren gemeinsam mit Obertshausen eine der reichsten Gemeinden der noch jungen Bundesrepublik.

Seinen eigenen Charakter habe sich Hausen auch nach dem nicht unumstrittenen Zusammenschluss der beiden Gemeinden im Zuge der Gebietsreform 1977 bewahrt. „Viele hier im Raum werden sich noch gut an die damaligen Debatten oder Zeitungsmeldungen erinnern oder waren zu dieser Zeit bereits aktiv in der Politik beteiligt“, berichtete Winter. Zwei Jahre später – 1979 – erhielt Obertshausen schließlich die Stadtrechte.

„In den 70er-Jahren herrschte dann ein regelrechter Bauboom, neue Firmen wurden gebaut, viele Familien suchten bei uns ein neues Zuhause“, erinnerte er. „Obertshausen steht für den Aufbauwillen, der die damalige Zeit und seine Einwohner bestimmte, und er wurde zum Ausweis unserer Integrationskraft.“ So hätten zahlreiche Menschen, darunter auch viele Gastarbeiter, in der Stadt nicht nur einen Arbeitsplatz, sondern auch eine neue Heimat und neue Freunde gefunden.

950 Jahre Hausen mit Festzug durch Obertshausen: Bilder

Das beweise nicht zuletzt die rege Vereinslandschaft. Die präsentiere sich auch an diesem Jubiläumswochenende, das der Vereinsring Obertshausen im Jahr seines zehnten Bestehens mit Festzug und einem umfangreichen Programm auf die Beine gestellt habe.

Dessen Vorsitzender Luis Galvez erinnert sich noch gut an die 900-Jahr-Feier Hausens vor 50 Jahren. „Damals bin ich mit der spanischen Klasse der Fröbelschule als Zwölfjähriger mitgelaufen“, erzählte er. Schon damals habe er sich vorgenommen, beim nächsten großen Jubiläum aktiv mitzuarbeiten. Dass er dies als Vorsitzender eines „Vereins der Vereine“ und zu dessen zehnjährigem Bestehen tun würde, hätte er sich damals wohl noch nicht träumen lassen. 35 Klubs hatten den Dachverein vor zehn Jahren gegründet, mehr als 50 Mitglieder zählt dieser heute. Auch wenn die Arbeit zunehmend schwerer werde, berichtete Galvez. „Wir finden immer weniger Menschen, die ein Ehrenamt übernehmen und dazu kommen immer neue Auflagen von Behörden“, sagt er.

Dass die beiden einstigen Gemeinden seit der Zusammenlegung sehr gut zusammengewachsen sind, belege die Tatsache, dass das 950-jährige Bestehen Hausens an diesem Abend im Stadtteil Obertshausen gefeiert werde, war sich Kreisbeigeordneter Carsten Müller sicher, der die Glückwünsche von Landrat Oliver Quilling überbrachte. Bis heute habe sich Hausen, das einst nach der Pest nur noch 30 Einwohner zählte, sich gut entwickelt. „Sie waren eine der reichsten Gemeinden der jungen Bundesrepublik und wir beim Kreis wünschen Ihnen, dass das auch mal wieder so wird“, sagte Müller. Schließlich komme dies ja auch über die Kreisumlage dessen Kasse zugute.

Genau an der richtigen Stelle werde gefeiert, befand Stadtverordnetenvorsteherin Julia Koerlin. Denn im Stadtmuseum werde die Geschichte der beiden Stadtteile greifbar. Gemeinsam mit den Besuchern unternahm sie eine kleine Reise in das Leben im Mittelalter, als das landwirtschaftlich geprägte Hausen noch überwiegend Sumpfland war. „Dieser Mini-Ausflug ins Mittelalter zeigt uns die Entwicklung der Stadt auf.“ Und diese sei noch lange nicht abgeschlossen. Denn auch mehr als 40 Jahre nach der Zusammenlegung habe die Stadt noch zwei Rathäuser, zwei Freiwillige Feuerwehren. „Unsere Vereine haben die Zeichen der Zeit erkannt und sich zum Vereinsring zusammengeschlossen“, sagt sie. Den Erfolg der Zusammenarbeit beweise neben den beiden Kerben und dem Weihnachtsmarkt vor allem das Jubiläumsfest, dass die Aktiven des Vereinsrings unterstützt vom Team des Fachbereichs Sport und Kultur auf die Beine gestellt haben.

VON THOMAS HOLZAMER

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare