Verkehrspolitik

Verkehr in Obertshausen: Kontroverse um neue Einbahnstraße spitzt sich zu

Gesprächsbereitschaft demonstriert: Zahlreiche Anwohner und Vertreter aller Fraktionen folgen der Einladung von Holger Bischoff (Mitte).
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Gesprächsbereitschaft demonstriert: Zahlreiche Anwohner und Vertreter aller Fraktionen folgen der Einladung von Holger Bischoff (Mitte).

In Obertshausen im Kreis Offenbach sorgt die Verkehrspolitik für Kontroversen. Ein neuer Antrag bringt die Bürger jetzt auf die Straße.

Obertshausen – Es geschieht nicht sehr oft, dass Obertshausener auf die Straße gehen. Ein Prüfantrag, den – bis auf die FDP – alle Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung auf den Weg gebracht haben, schaffte das: Zwei Dutzend Anwohner um Ring- und Friedhofstraße positionierten sich gegen eine Einbahnregelung auf der Bahnhofstraße in Obertshausen und durch ihr Viertel. Auch Vertreter sämtlicher im Stadtparlament vertretener Fraktionen waren der Einladung für Donnerstagabend auf dem Parkplatz an der Brunnenstraße gefolgt und stellten sich den Fragen der Bürger.

CDU-Fraktionsvorsitzende Sabrina Grab-Achard und Rudolf Schulz von den Bürgern für Obertshausen (BfO) betonten immer wieder, dass sie ihr Ansinnen zunächst lediglich von Fachleuten auf seine Machbarkeit abklopfen lassen wollen. Der Beschluss sieht vor, dass die Bahnhofstraße zwischen Omega-Tunnel und Beethovenstraße für Kraftfahrzeuge nur Richtung Heusenstamm befahrbar ist. Der Gegenverkehr würde über Rembrücker Weg, Friedhof-, Ring- und Brühlstraße führen.

Verkehrspolitik in Obertshausen (Offenbach): Frage nach Entlastung für die Bürger

Nachbar Holger Bischoff hatte das Treffen organisiert und sieht den Vorgang zunächst als „demokratischen Prozess“. Der werfe jedoch Fragen auf, die durch die Antragsteller nicht beantwortet seien. „Wie soll ein Einbahn-Ring den betroffenen Bürgern Entlastung bringen?“, fragte Bischoff die Lokalpolitiker.

Schulz wies auf jahrzehntelangen Lärm sowie auf Gefahren für Fußgänger und Radfahrer aufgrund des Durchgangsverkehrs hin. „Wir wollen nicht morgen die Einbahnstraßen-Schilder aufstellen lassen“, betonte er. Stattdessen werde der Vorgang von vielen Abstimmungen, Anhörungen und Auswertungen begleitet. Die Verwaltung müsse „Behörden und Betroffene fragen“, mit Bus-Betreibern reden und Verkehrszählungen beauftragen, um LKW- und Durchgangsverkehr aus dem Wohngebiet rauszubekommen. Es gelte, die Benutzung der Verbindung „unattraktiv zu machen“. „Wir sind keine Verkehrsplaner – wir können die Fragen nicht beantworten“, wiederholte Grab-Achard und stellte damit in den Vordergrund, dass man mit dem Versuch neue Erkenntnisse gewinnen wolle.

Politik in Obertshausen: Anwohner sammeln Unterschriften gegen Verkehrspläne

Einige der aufgebrachten Anwesenden hatten bereits ihre Antworten: FDP-Fraktionschefin Elke Kunde erinnerte an die Sperrungen des Tunnels im Sommer, die massive Staus mit sich brachten. Die Anwohner mussten durch die Nebenstraßen zirkulieren – das würden bei einem dauerhaften Ringverkehr auch auswärtige Fahrer tun.

„Den Lieferverkehr zu und von den großen Firmen kriegen sie nicht weg“, argumentierte eine Anwohnerin, „der zwängt sich dann auch durch die Seitenstraßen“. Hinzu kommen die Autos von Mietern oder Eigentümern 400 neuer Wohnungen, die auf dem bisherigen Gelände der Firma Karl Mayer am Bahnhof entstehen sollen. Freidemokratin Kunde verwies zudem auf 760 Unterschriften gegen eine Einbahn-Regelung in Obertshausen, die innerhalb weniger Tage gesammelt wurden und bereits in der vergangenen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung an das Parlament übergeben worden waren.

Verkehr in Obertshausen: Untersuchungen für Einbahnstraße „völlig ergebnisoffen“

Alexander Roth von den Grünen, die an dem Beschluss mitgearbeitet hatten, erinnerte an die massiven Veränderungen, die auf Wunsch der Opposition an dem ursprünglichen Antrag vorgenommen worden waren. Für ihn persönlich fehle noch immer die Formulierung konkreter Ziele der Maßnahme – weshalb sich Roth bei der Abstimmung enthalten hatte.

Die Befürworter der Änderung unterstrichen erneut, dass die Untersuchungen für einen Einbahn-Verkehr „völlig ergebnisoffen“ seien. Ob die Anwohner sich mit dieser Aussage zufriedengeben werden, bleibt aktuell zu bezweifeln. (Michael Prochnow)

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