VdK-Ortsverband feiert 70-jähriges Bestehen

Senioren aktiv begleiten

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Die Vorsitzende des VdK-Ortsverbandes, Nicole Amerschläger, und ihr Vorgänger Werner Friedrich freuen sich aufs Jubiläum.

Oberthsausen -  Beide Ortsgruppen des VdK sind kurz nach dem Krieg gegründet worden, der Hausener 1947, der Obertshausener ’48. Nach dem Zusammenschluss 2011 feiert der Sozialverband im August sein 70-jähriges Bestehen mit dem ersten Fest im umgestalteten Freizeitpark. Von Michael Prochnow 

Die Not war groß. Doch die Bürger wussten sich zu helfen: Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs initiierten sie Selbsthilfegruppen, um die Interessen von Kriegsgeschädigten, Witwen und Waisen gegenüber der Verwaltung zu vertreten. Das Engagement mündete am 13. Dezember 1946 in der Gründung des „Verbands der Körperbehinderten, Arbeitsinvaliden und Hinterbliebenen für Groß-Hessen“, kurz VdK.

Zwei Jahre später tauchten auch die Sozialrentner im Namen auf, nach weiteren 24 Monaten entstand der VdK Deutschland. Unvergessen ist der „Marsch auf Bonn“ 1963, als 35.000 Menschen gegen die unzureichende Versorgung vieler Geschädigter protestierten, ’73 öffnete sich der Verband auch Personen mit Behinderungen. Eine der ersten VdK-Plaketten – „Barrierefrei erbaut“ – ziert das Bürgerhaus Hausen.

Die Mitgliederzahl wächst bis heute rasant. Begannen die beiden hiesigen Gruppen mit 240 und 260 Mitgliedern, sind es heute 830, die von den erfahrenen und qualifizierten Ehrenamtlichen Hilfe erfahren. Dem VdK Hausen stand fast 50 Jahre Helmut Schmitt vor, 2009 folgte ihm Werner Friedrich, der die Fusion einleitete. Die Gelegenheit war günstig, denn auch der Obertshausener Vorsitzende Georg Heil kandidierte nicht mehr, die Gruppe konnte keinen Vorstand mehr finden.

Der neue gemeinsame Ortsverband zählte zunächst 440 Mitstreiter – einige waren mit dem Schritt nicht einverstanden. Doch wöchentlich wenden sich weitere Hilfesuchende an Nicole Amerschläger und ihr Team. Sie kam erst vor fünf Jahren zum Sozialverband, in dem ihre Mutter schon lange aktiv ist. Die junge Frau begann als Beisitzerin und Junioren-Vertreterin, war stellvertretende Vorsitzende und übernahm vor zwei Jahren die Leitung.

Aktive begleiten Senioren bei der Einstufung in eine Pflegestufe und beim Ausfüllen der zum Teil komplizierten Anträge auf eine Rente. Oft werden diese Anliegen von den Ämtern nicht korrekt beschieden, berichtet Werner Friedrich, dann formuliert der VdK einen Einspruch, gibt den Betroffenen Ratschläge und Informationen an die Hand.

„Schwerbehinderung ist ein großes Thema“, resümiert der erfahrene Helfer. „Der Erstantrag ist nicht schwierig auszufüllen, aber der Widerspruch.“ Oft müsse Akteneinsicht beantragt, Unterlagen eingefordert, Ärger mit der Krankenkasse ausgeräumt werden, „wir bedienen ein sehr breites Spektrum“, fasst die Vorsitzende zusammen.

„Früher saßen Fachkräfte in den Rathäusern“, bedauert Friedrich. Die junge „Servicestelle Besser-Älter-Werden“ diene eher als Auskunftsstelle, ein Rentenberater fehle gänzlich. „Wir sind dran“, versuchen die beiden VdK’ler erneut in die Bresche zu springen. „Immer mehr Menschen reicht die Rente nicht zum Leben“, weiß der ehrenamtliche Sozialarbeiter. „Wir zeigen, wie die Kosten für den Telefon-Anschluss gemindert, die Rundfunkgebühr vermieden und Zuschüsse erhalten werden können.“ Warum er sich die Mühen auferlegt? „Beim VdK bekommt man auch mal eine positive Rückmeldung und Lob, wenn man einen Rentenantrag durchbekommen hat.“

Am 18. August ist Feiern angesagt. Der Sozialverband wird als erste Gruppe im neu gestalteten Freizeitpark Beethovenstraße auf 70 Jahre anstoßen. Ab 13.30 Uhr wird die Karl-Mayer-Big-Band aufspielen, später spielt Jürgen Weiss mit Musikern mit Behinderungen, mit 3-Malig und mit TriOH, danach unterhält die Metronom-Band. Dazwischen nehmen die Gastgeber Glückwünsche entgegen, die „Tausendfüßler“ schminken Kinder, Karlo Flettner gestaltet Kunstwerke aus Luftballons.

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