Gelände der ehemaligen Ymos

Abriss kann beginnen

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Die Abrissgenehmigung halten Heinz Diedrich, Verfahrensbevollmächtigter der Cura, und Norbert Landshut, Berater des Ymos-Insolvenzverwalters für die Grundstücksnutzung (links), in den Händen. Vom Balkon im sechsten Stock des einstigen Verwaltungsgebäudes hat man einen guten Überblick über einstigen Produktionshallen.

Obertshausen - Ab August könnten auf dem Gelände der einstigen Ymos AG die Bagger rollen. Die nötige Abrissgenehmigung hat die Besitzerin Cura GmbH nun bekommen. Zuvor muss die Stadt noch Planungssicherheit schaffen. Von Thomas Holzamer

Gutachten, Auflagen und Detailpläne von allen Gebäuden auf dem Gelände des einstigen Ymos-Standorts – es ist ein ganz schöner Packen Papier, den Heinz Diedrich, Verfahrensbevollmächtigter der Cura, da in die Luft hält. Es ist die Abrissgenehmigung, für die seit Jahren leer stehenden Produktionshallen jenes Unternehmens, das Obertshausens Industrie- und Sozialgeschichte geprägt hat, wie bisher kein anderes.

Wo einst tausende Arbeiter im Schichtbetrieb Teile für alle namhaften deutschen Automobilbauer fertigten herrschen heute Verfall und die Tristesse einer längst vergangenen Zeit. Und ab dem 1. August könnten dort auch die ersten Bagger rollen. Dann – nach Ende der Brut- und Setzzeit könnten sie loslegen mit dem Zerlegen. Bis dahin gelte es jedoch zunächst das passende Unternehmen für die Arbeiten zu finden, berichtet Diedrich. Nicht nur auf den Preis komme es dabei an. „Uns ist wichtig, dass wir auch einen Partner finden, der verlässlich ist“, betont er. Dazu gehöre die Ausstattung mit einem ausreichend großen Maschinenpark ebenso , wie die Tatsache, dass man niemanden wolle, der die Arbeiten später seinerseits an viele Subunternehmer vergibt.

Einen zweistelligen Millionenbetrag muss die Cura voraussichtlich für den Abriss und die anschließende Bodensanierung auf dem 50 300 Quadratmeter großen Areal investieren (wir berichteten). Auf rund vier Millionen Euro beziffere man die Kosten für Abriss und Entsorgung der rund 30 Produktionshallen, etwa sechs Millionen kommen für die Sanierung der Bodenflächen, die teilweise mit leichtflüchtigen halogenierten Kohlenwasserstoffen (LHKW) deutlich über dem Grenzwert belastet sind. Doch könnte die Bodensanierung auch schnell teurer ausfallen als erwartet. Genau lasse sich das jedoch erst nach dem Abriss der Gebäude feststellen, erläutert Diedrich. Die geplanten Kosten für das Vorhaben trägt mit 80 Prozent die Cura, die übrigen 20 das Land Hessen, wobei an dieser Stelle noch eine Obergrenze auszuhandeln sei, bis zu der der Investor das Risiko tragen könne. Die Stadt hatte bereits im Vorfeld signalisiert, finanziell nicht unterstützen zu können.

Nichtsdestotrotz ist auch die lokale Politik gefragt, bevor es im August losgehen kann. Denn um das Geld für Abriss und Sanierung des Geländes tatsächlich in die Hand zu nehmen, braucht das Unternehmen Planungssicherheit. Dazu muss ein städtebaulicher Vertrag zwischen der Stadt Obertshausen und dem Investor ausgearbeitet werden, der die spätere Neunutzung und das dafür notwendige Baurecht zusichere. So müssen die Parlamentarier zunächst mit einem Aufstellungsbeschluss ihre Zustimmung zu dem Projekt geben, für das der Magistrat dann einen Bebauungsplan ausarbeiten kann. Dieser, so hoffe man, soll noch vor der Sommerpause in der Stadtverordnetenversammlung beschlossen werden, erläutert Obertshausens Erster Stadtrat und Baudezernent Michael Möser. Rund 200 Wohneinheiten, Wohnungen und 20 bis 25 Einfamilienhäuser und Gewerbeflächen könnten nach Vorstellung der Cura auf dem Areal entstehen.

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Mit dem Rückbau der bereits zum Teil wegen akuter Einsturzgefahr gesperrten Hallen soll in der Mitte des Areals begonnen werden, erläutert Diedrich. So fungieren die äußeren Gebäude als Puffer, der Lärm und Staub zurückhält. Die das Gelände umgebende Industriemauer soll sogar bis zum späteren Beginn der neuen Bebauung stehen bleiben.

Die Gebäude würden zunächst bis auf ihre Bodenplatten abgetragen. Diese verbleiben in der Erde, bis mit der Bodensanierung begonnen werde. So werde sichergestellt, dass eventuelle Schadstoffe im darunterliegenden Erdreich bei Regen nicht ausgespült würden, beschreibt der Cura-Vertreter. Erhalten wolle man derweil das markante sechsstöckige Verwaltungsgebäude. Nach dessen Sanierung könnten dort beispielsweise Büros entstehen.

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