Zwischen Verfall und Vandalismus

Gerald Klein ist der letzte übrig gebliebene Mitarbeiter auf dem Ymos-Gelände

Ymos in Obertshausen: Einst arbeiteten an der Feldstraße 2500 Menschen – nun ist nur noch einer übrig.
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Ymos in Obertshausen: Einst arbeiteten an der Feldstraße 2500 Menschen – nun ist nur noch einer übrig.

„Ich habe hier begonnen, da waren am Standort um die 2500 Mitarbeiter.“ Nun ist Gerald Klein der letzte Mitarbeiter am Ymos-Standort in Obertshausen zurückgeblieben ist.

Obertshausen – Wenn er an früher zurückdenkt, macht sich ein beklemmendes Gefühl in der Brust des 63-Jährigen breit, sagt er. „Da kommt schon etwas Wehmut auf, wenn man diese verwaisten Hallen und Straßen sieht.“ Er habe sich aber mit der Situation arrangiert, „sonst könnte man das nicht über einen so langen Zeitraum alleine hier machen“.

Bereits seit April 2009 ist er der Letzte auf dem 50 000 Quadratmeter großen Ymos-Grundstück. „Ich mache jetzt die Verwaltung der Liegenschaft“, beschreibt Gerald Klein seine Arbeit. Er kümmert sich dabei um die verbliebenen Mieter auf dem Firmengelände und dem angrenzenden Parkplatz sowie die Verwaltung der Gebäude. „Ich mache also Büroarbeiten, schreibe Rechnungen oder mache meine Kontrollgänge auf dem Gelände.“

Bei diesen Rundgängen sieht sich der Verwalter oft mit den Folgen von Vandalismus konfrontiert. „Wir hatten schon Zeiten, in denen es zwei-, dreimal die Woche vorgekommen ist, dass Leute hier eingedrungen sind.“ Erst vor Kurzem habe er zehn leere, große Wodkaflaschen bei einem der sechs Trafohäuschen auf dem Grundstück gefunden. „Das hat dann auch nichts mehr mit Durst zu tun“, sagt er und lacht.

Es bestehen noch Mietverhältnisse auf dem Ymos-Gelände

Generell sei es leider nicht ungewöhnlich, dass Menschen ihre leeren Flaschen zurückließen, Scheiben einschlagen oder mit dem Feuerlöscher herumsprühen. „Das ist eine enorme Sauerei und echt schwierig zu entfernen.“

Klein selbst habe den Eindruck, als ob manche Menschen das alte Ymos-Gelände als eine Art Abenteuerspielplatz sehen.

Gerald Klein ist der letzte Mitarbeiter auf dem Gelände. Im Hintergrund sieht man die Überreste einer Galvanik-Anlageg

Da die Gebäude jedoch teilweise massive Mängel aufweisen, stelle dies für die Eindringlinge eine große Gefahr dar. „Vor allem die Dächer sind teilweise nicht mehr vertrauenserweckend.“ Aus diesem Grund hat der Verwalter die Inspektions- und Wartungsleitern zum Teil abmontieren und die Fenster verbarrikadieren lassen. „So sind wir wenigstens einigermaßen sicher“, hofft Gerald Klein.

Obwohl ein Großteil des Grundstücks leer steht, bestehen immer noch einige Mietverhältnisse. So sind vor allem Parkplätze oder kleine Lagerflächen auf dem Gelände vermietet. „Das sind aber vielleicht nur fünf Prozent der Gesamtfläche“, schätzt der Verwalter. Neue Mietverhältnisse werden zurzeit nicht abgeschlossen, aber bis zum Abschluss des Insolvenzverfahrens von Ymos, das seit Ende 2009 läuft, noch aufrechterhalten. Wann und wie das Verfahren jedoch endet, ist bisher noch nicht klar. Die Gebäude mit vermieteter Fläche befänden sich zudem noch in einem akzeptablen Zustand.

Ymos: Gerald Klein geht zum Jahreswechsel in Rente

Als Gegenbeispiel zeigt Klein die ehemalige Galvanikanlage. Dort standen früher riesige Wannen, in denen technische Produkte für die Sanitärbranche mit Metallen beschichtet wurden. Heute sind noch einige der Wannen zu sehen; der Boden ist voll mit Regenwasser, das durch die undichte Decke getropft ist. „Man hatte, nachdem die Abteilung Mitte der 1990er dichtgemacht wurde, mit der Entkernung begonnen – doch dann kam die Insolvenz dazwischen“, berichtet Gerald Klein. Nun warte man auf den Abriss der Gebäude, für den bereits seit 2018 eine Genehmigung vorliegt. Doch durch die bislang unklare Finanzierung sei es noch nicht zum Abriss gekommen.

Auch wenn noch unklar ist, wann die Gebäude dem Erdboden gleich gemacht werden, zeichnet sich jedoch für Gerald Klein ein Ende seiner Karriere ab. „Ich könnte schon seit 1. August Rentner sein“, sagt der 63-Jährige. „Aber wir haben besprochen, dass ich noch bis zum 31. Dezember bleibe.“ Danach könne er sich, falls Bedarf bestehe, sogar vorstellen, in Form eines Minijobs oder zum Anlernen eines Nachfolgers zurückzukehren. „Aber Vollzeit mache ich nicht mehr“, betont er.

Aber man wisse wegen des Insolvenzverfahrens nie, wie es weiter gehe. „Vielleicht wird das alles irgendwann nicht mehr nötig sein“, sagt Gerald Klein. (Von Jan Max Gepperth)

Die Fenster sind zur Sicherheit verbarrikadiert worden.

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