ADFC gründet AG Radverkehr, um Lust auf dem Autoverzicht zu steigern

„Hier ist nicht mehr viel passiert“

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Obertshausen - „Kalorien verbrauchen statt Benzin“, gab Rudolf Schulz, der Vorsitzende der Naturfreunde, als Parole aus.

Doch aggressive Autofahrer, Parken auf Gehsteigen und eine enge, stark befahrene Durchgangsstraße verleiden oft das Umsteigen aufs Stahlross, stellten andere Teilnehmer der Runde fest. Zehn Interessierte folgten der Einladung des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) zur Gründung einer AG Radverkehr.

„Die Straßenverkehrsordnung und das Recht sind auf unserer Seite“, ermutigte Stefan Janke vom ADFC Rodgau. Der Landesvorsitzende sammelte Eindrücke: Das Parken auf Bürgersteigen nehme zu und werde nicht geahndet. „Strafzettel kosten Wählerstimmen“, hieß es, „und bringe welche.“ Schulz empfahl, Info-Zettel zu verteilen, „es geht um Aufklärung“.

"Rote Wege" für Fahrräder

Die im Stadtgebiet verbreiteten „roten Wege“ seien keine benutzungspflichtigen Radwege mehr, klärte Janke auf. Sie dürften aber genutzt werden, wenn kein Schild die Fläche als reinen Gehweg ausweise. Ein Teilnehmer beklagte, die Regeln für Zweirad-Nutzer änderten sich oft und seien vielen nicht komplett bekannt. „Die Stadt braucht drei Jahre, um einen Strich zu ziehen“, kritisierte eine Dame. Sie wünschte Führungslinien für abbiegende Autos vom Einkaufszentrum in die Danziger Straße, weil hier oft die Kurve geschnitten und dabei Radler gefährdet werden.

„Ich möchte meine Wege alle mit dem Fahrrad erledigen können, und zwar ohne Umweg“, stellte eine andere Zweirad-Freundin ihr Anliegen dar. Janke schlug vor, die „vorhandenen und guten“ Alternativ-Routen zur Bahnhofstraße zu messen, einer Straße, „die für Pferdefuhrwerke konzipiert“ sei, so eine Interessierte. Rasen dagegen sei auch ein Problem von Radlern. Zum Beispiel auf den Rampen am Omega-Tunnel. „Aber der schnellste dort war ein Rollstuhlfahrer auf einem Sportgerät“, hat Janke beobachtet.

Obertshausen ist Vorreiter in der Umsetzung

Am Donnerstag, 5. März, um 19 Uhr im Naturfreundehaus treffen sich alle Rad-Freunde wieder.

„Obertshausen war Vorreiter bei der Umsetzung der neuen Regeln, hat innovativ Radstreifen wie entlang der Leipziger Straße geschaffen“, lobte der Experte. Doch das Motto „Obertshausen fährt Rad“ sei verpufft, „seitdem ist nicht mehr viel passiert“. So sei die Öffnung von Einbahnstraße ins Stocken geraten. Außer bei Problemen wie dem Fehlen von Ausweichmöglichkeiten müssten sie für Radfahrer in beide Richtungen nutzbar sein, verwies der Gast auf Tulpen-, Bad-, Adenauer- und Kurt-Schumacher-Straße. Besonders in solchen Abschnitten gelte es, Blickkontakt mit den Pkw-Lenkern aufzunehmen.

Der Fachmann riet, Kontakt zur Polizei knüpfen, „obwohl die Beamten auch nicht immer geschult“ seien, aber bei Entscheidungen zuweilen das „Zünglein an der Waage“ darstellen. Anwesende beklagten außerdem den Matsch auf dem Stück entlang des Neuen Friedhofs, „ein bisschen Kies würde helfen“. Aber der Weg gehöre zur Landesstraße, so sei die Behörde Hessen mobil zuständig. Diese Information ließ die Hoffnung der Diskutierenden schwinden.

M.

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