Sechs Bürgermeister als Chefs erlebt 

„Häuser Mädsche“ und Standesbeamtin Marion Duchardt verabschiedet sich nach fast 49 Jahren

In den Ruhestand verabschiedet: Marion Duchardt. Foto: P
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In den Ruhestand verabschiedet: Marion Duchardt.

„Juhuu Leute, ich bin dann mal weg!“ – Mit diesen Worten hat sich Marion Duchardt nach fast 49 Dienstjahren von ihren Kollegen bei der Stadtverwaltung Obertshausen in den Ruhestand verabschiedet.

Obertshausen – Sie lässt den Tag ab sofort entspannter starten: Ohne den Blick auf die Uhr werfen zu müssen, um pünktlich am Schreibtisch zu sitzen.

Ihre Gefühle sind gemischt: „Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die vielseitige Arbeit mit den Bürgern hat mir immer sehr viel Spaß gemacht – bis zum letzten Tag.“ Zum Abschied gab es statt Umarmungen – coronabedingt – ein von den Kollegen mit vielen Luftballons dekoriertes Büro.

Auf Marion Duchardt sei immer Verlass, hatte schon ihr früherer Fachbereichsleiter Oskar Mürell anlässlich ihres 40. Dienstjubiläums betont. Und Alt-Bürgermeister Bernd Roth lobte aus diesem Anlass ihre ruhige und ausgeglichene Art. Ihre Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft habe sie sich auch in Stresssituationen stets bewahrt. Es war vor allem der Umgang mit den Menschen, der ihr den Beruf so reizvoll gemacht hat. „Ich wollte immer mit Publikum zu tun haben“, sagt Marion Duchardt.

Als langjährige Mitarbeiterin im Einwohnermeldeamt und spätere Standesbeamtin ist die Pensionärin für viele Bürger ein bekanntes Gesicht in der Stadt. Auch wenn sie mittlerweile in Offenbach wohnt, ist sie ein echtes „Häuser Mädsche“ geblieben.

In ihrem langen Berufsleben hat Marion Duchardt unter sechs Bürgermeistern gearbeitet: Valentin Mahr, Kurt Müller, Robert Roth, Josef Seib, Bernd Roth und Roger Winter. Sie ist sozusagen ein „Eigengewächs“ der Stadtverwaltung Obertshausen. Ihre Ausbildung hat sie am 1. September 1971 bei der damals noch selbstständigen Gemeinde Hausen begonnen. Als Verwaltungsangestellte ist sie dann auch dort geblieben. Ihr erstes Arbeitsgebiet war zunächst das Einwohnermeldeamt. Am 18. April 1989 erhielt sie dann mit ihrer Bestellung zur Standesbeamtin ein neues Aufgabengebiet und hatte damit ihre neue Berufung im Rathaus gefunden.

Die Aufgaben im Standesamt sind vielfältig. „Gesetzesmäßig hat sich in den Jahren meiner Tätigkeit als Standesbeamtin insbesondere im Personenstandswesen sehr viel geändert. Weiterbildung und stetige Anpassung an neue gesetzliche Vorgaben waren daher für mich in der Folgezeit das A und O.“

Neben der standesamtlichen Tätigkeit gehörten zusätzlich auch noch die Friedhofsverwaltung, die Führung der Geschäftsstelle des Ortsgerichts Obertshausen I sowie umfangreiche Beratungen und Vorbereitungen in Einbürgerungsangelegenheiten zu ihrem Aufgabenfeld. So war Marion Duchardt bei ihren Tätigkeiten oftmals hautnah mit schwierigen Familienschicksalen konfrontiert. „In solchen Situationen erfährt man viel Persönliches, aber Verschwiegenheit ist dabei für mich natürlich immer selbstverständlich gewesen“, sagt sie. Zur Klärung und Abstimmung von Personenstandsangelegenheiten gehört auch immer eine gute Vernetzung zu Mitarbeitern anderer Standesämter in Stadt und Kreis Offenbach. Vor ihrem Renteneintritt hat Marion Duchardt noch ihre 400. Eheschließung vollziehen können.

Den Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen sowie zu den Bürgerinnen und Bürgern werde sie sehr vermissen. Dafür bleibt nun mehr Zeit für ihre beiden Enkel, die mit zwei und vier Jahren bereits ganz schön „gewitzt“ seien und ihr Einiges abverlangen. Auch kann sie nun spontan reisen – sobald dies wieder möglich ist – und sich aufs Rad setzen, um eine Runde zu drehen, oder aber auch ihrer Leidenschaft fürs Tanzen und Lesen frönen.

clb

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