Zeitreise in die Heimat 

In Hausen gab es früher sogar gleich zwei Mühlen

Die Obermühle, als sie noch in Betrieb war: Die Abbildung stammt von einer alten, undatierten Postkarte.

Der Heimat- und Geschichtsverein in Obertshausen erinnert an die Besonderheit, dass im Ort früher einmal zwei Mühlen betrieben wurden. 

Obertshausen - Eine Besonderheit Hausens unter den Nachbargemeinden war für lange Zeit die Tatsache, dass im Ort gleich zwei Mühlen betrieben wurden. Leider sind die historischen Gebäude seit dem vergangenen Jahrzehnt endgültig Geschichte, denn sie wurden inzwischen abgerissen und durch moderne Wohngebäude ersetzt. Viele Erinnerungen an die beiden Mühlen haben die Aktiven des Heimat- und Geschichtsvereins zusammengetragen. In der dritten Ausgabe unserer Serie blickt unsere Zeitung gemeinsam mit den Heimatforschern auf diese.

Die Chronik „Unser Obertshausen“ weiß Folgendes zu berichten: „Das Mühlenwesen entwickelte sich in Hausen möglicherweise schon im zwölften Jahrhundert; die ältere der Hausener Mühlen, die Untermühle, wurde im Jahre 1352 erstmals urkundlich erwähnt, und zwar anlässlich des Verkaufs durch einen Kraft von Langsdorf, Vogt zu Steinheim, an das Kloster Seligenstadt.“

Für dieses Handwerk war die Lage an einem fließenden Gewässer die Voraussetzung. Die Untermühle stand an der Rodau – unweit des „Breiten Stegs“ hinter der Lämmerspieler Straße in Hausen. Auf alten Karten sieht man ihre Lage außerhalb des bebauten Gebiets. Die zweite Mühle existierte ab dem 15. Jahrhundert – und das mitten im Ort. Der Name „Mühlstraße“ erinnert noch heute an den Standort. Ihr Betrieb war erst möglich geworden, nachdem der Lauf der Rodau künstlich nach Westen verlegt wurde. Die Verlegung des Rodaulaufs ist seit 1498 beurkundet.

In der Mühlenstraße stand bis in die 2000er-Jahren noch das alte Mühlengebäude.

Die Mühlen waren, wie es bis zum Ende der Leibeigenschaft in Deutschland Anfang des 19. Jahrhunderts üblich war, im Besitz des jeweiligen Grundherren, der die Nutzungs- und Besitzrechte im Erblehen an einen Müller vergab. Das bedeutete, dass die Mühle in einer Familie über mehrere Generationen verbleiben und betrieben werden konnte. Dafür war ein Pachtzins zu entrichten, und sollte der Beständer – also der Nutzer der Mühle – diesen für drei Jahre in Folge schuldig bleiben, konnte der Grundbesitzer die Rechte vom Pächter einziehen und an einen anderen vergeben.

So wechselten auch die Hausener Mühlen im Laufe der Jahrhunderte mehrfach den Beständer. In der Chronik heißt es dazu: „Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges ist eine Familie Arnold als Nutzer der Untermühle nachweisbar. In Händen dieser Familie lagen die Mühlenrechte bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts. Durch Einheirat in die Familie wurde ein gewisser Johann Messer Untermüller und die Familie Messer betrieb diese bis in das Jahr 1850. Offensichtlich verrichteten die Messermüller ihr Handwerk gut, denn auf ihren Familiennamen geht die inoffizielle Bezeichnung dieser als ,Messermühle" zurück.“

Die nachfolgenden Betreiber der Untermühle waren Johann Becker, Peter Bröder, Martin Schmierle und die Familie Ricker aus Weiskirchen. Peter Anton Schilp gelangte durch Heirat in den Besitz der Mühlenrechte. Mit ihm kam auch das Ende dieser, die seit dem Ersten Weltkrieg nicht mehr in Betrieb ist. Bis zu ihrem Abriss Anfang der 2000er-Jahre war die Untermühle das vermutlich älteste Gebäude in Hausen.

Für die Obermühle sind ebenfalls etliche Besitzerwechsel nachweisbar: Nikolaus Winter (nach dem Dreißigjährigen Krieg), Vater und Sohn Andreas Guldan, Vater und Sohn Johann Martin Komo (ab zirka 1750), Peter Komo, der Frankfurter Müller Johann Kasper Ziegler (ab 1835), Adam Sattler, Johann Graf, Georg Burlein, Ernst Pfalzgraf und Michael Mahler. Im Jahr 1853 gelangte die Obermühle schließlich in den Besitz der Firma Spicharz und Nollenberg. Das Unternehmen betrieb eine Gerberei in Offenbach.

Den Wünschen der neuen Besitzer entsprechend, wurde der Verwendungszweck geändert – aus der Ober- wurde eine Lohmühle. Aus Eichenrinde wurde der für den Vorgang des Ledergerbens notwendige Anteil an Lohe gemahlen. Die Obermühle wurde nach dem Zweiten Weltkrieg sogar noch auf elektrischen Betrieb umgerüstet. Sie wurde schließlich bis ins Jahr 1958 betrieben.

Danach hat die Gemeinde Hausen die Wasserrechte für die Obermühle abgelöst. Der Grund dafür war, dass die Rodau hinter das Werksgelände der Ymos AG in ihren heutigen Lauf verlegt wurde.

Fotos der Mühlen und anderer Gebäude, alte Stadtansichten sowie etliche Geschichten aus der Historie von Hausen und Obertshausen bietet die zweite Auflage der 336 Seiten starken Chronik, die mit mehr als 400 Abbildungen und Grafiken anschaulich bebildert ist. Sie ist beim Büchertreff (Schulstraße), bei der Buchhandlung Henzler (Kurt-Schumacher-Straße), beim Schreibwarengeschäft Hoffmann (Herrnstraße) und beim Jäger-Kfz-Service (ARAL) sowie im Werkstattmuseum „Karl-Mayer-Haus“ erhältlich.  yfi

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