"Wir sind alle Menschen"

Hermann-Hesse-Schüler sammeln Spenden für Bedürftige

Etwa 80 Helfer arbeiten bei der Oase. Bürgermeister Roger Winter schaute kürzlich bei den Freiwilligen vorbei, die wöchentlich zirka 75 Personen versorgen. Fotos: yfi/stadt
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Etwa 80 Helfer arbeiten bei der Oase. Bürgermeister Roger Winter schaute kürzlich bei den Freiwilligen vorbei, die wöchentlich zirka 75 Personen versorgen.

Mit gelben und roten Zetteln ausgestattet wartet Demirkan Bartan mit seinen Klassenkameraden am Eingang zum Hit-Supermarkt. Der 14-Jährige bittet Passanten, etwas mehr als gewöhnlich einzukaufen.

Obertshausen – Denn er und seine Mitschüler aus der 7bH der Hermann-Hesse-Schule sammeln Lebensmittelspenden für die Oase.

Den Anstoß gab Klassenlehrerin Anne Schmitt, die – seitdem sie das Projekt von Dominic Russ übernommen hat – jedes Jahr ihre Schützlinge dazu anregt. Sie steht gemeinsam mit einer weiteren Gruppe und drei Einkaufswagen in der Nähe der Supermarkt-Kassen. Die Schüler schauen sich die Männer und Frauen an, die an ihnen vorbeigehen. Sie zögern – ansprechen oder doch lieber nicht. „Hallo, haben Sie schon mitbekommen, für wen wir hier sammeln?“, begrüßt Schmitt eine Frau mit einem Lächeln und zeigt den Jugendlichen, wie sie auf die Einkäufer zugehen können.

„Manche Schüler müssen sich schon sehr überwinden, Fremde anzusprechen“, sagt Schmitt. Aber nach einer Weile werden die Jugendlichen lockerer und sehen auf dem ersten Blick, wen sie um Hilfe bitten können. „Ich mache das mit meinen Klassen bis sie die Schule verlassen“, erläutert die Lehrerin. Bis dahin sind die jetzigen Siebtklässler dann so geübt, „dass es wie von alleine läuft“.

Schon ein Profi ist Carolin Müller. Die 16-Jährige besucht jetzt zwar die Georg-Kerchensteiner-Schule, hilft aber spontan ihrer ehemaligen Klassenlehrerin während einer Freistunde aus. „Wichtig ist, dass man immer höflich bleibt“, sagt sie und lächelt freundlich. Sie erzählt, es hat ihr während ihrer Zeit in der Mittelstufe Spaß gemacht, die Spenden zu sammeln. Auch wenn manche Passanten sie ignorieren.

„Das entmutigt schon, wenn man jemanden grüßt und es kommt nichts zurück“, sagt Demirkan Bartan. Dann sollte man aber trotzdem weiter lächeln. Der 14-Jährige hat keinerlei Scheu auf Fremde zuzugehen und resümiert: „Wir sind ja doch alle Menschen.“ Seine Klassenkameraden, die mit ihm am Eingang stehen, sind da schon etwas zurückhaltender. „Mit der Zeit fällt es mir aber leichter“, sagt Leonie Nagel.

Der Einkaufswagen füllt sich: Diejenigen, die den Hit-Supermarkt besuchten, konnten gestern Spenden für die Oase bei den Hermann-Hesse-Schülern abgeben. Hilfe gab es sogar von Ehemaligen, die ihre Freistunden dafür hergaben. © yfi/stadt

Bereits nach einer Stunde füllen sich die Wägen mit allerlei haltbaren Lebensmitteln. „Ich finde die Aktion super“, sagt eine ältere Dame und übergibt Konserven. Sie erzählt, dass sie selbst eine Zeit lang auf das Angebot der Oase angewiesen war.

Was genau die Einrichtung macht, hat sich die 7bH selbst angeschaut. „Wir haben die Oase besucht, damit alle sehen, wer hierher kommt und was benötigt wird“, berichtet Anne Schmitt. Ähnlich wie die Tafel unterstützt die Oase, eine Gruppe der Pfarreien Herz Jesu und St. Thomas Morus, diejenigen, die sich Lebensmittel gar nicht oder nur schwer leisten können.

Seit zwölf Jahren geben 80 freiwillige Helfer einmal in der Woche die Spenden aus: beispielsweise Obst und Gemüse, Milchprodukte, Konserven sowie Fertiggerichte oder Nudeln. Aber auch Hygieneartikel werden ausgegeben.

Dienstagabends sammeln Ehrenamtliche Lebensmittel, die aufgrund ihres Haltbarkeitsdatums aussortiert wurden, bei Supermärkten und Bäckereien ein. Mittwochs können diese dann von 16 bis 17 Uhr von Bedürftigen abgeholt werden. Diese bezahlen für die Lebensmittel einen Euro und dürfen aus dem Angebot auswählen.

VON YVONNE FITZENBERGER

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