Zwei Untermieter sind einer zu viel

Atelier-Theater Obertshausen entführt in die 50er- und 60er-Jahre

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Wollen das Publikum amüsieren: Vor zehn Jahren hat Heinz-Jürgen Grab (links) die Bühne gegründet. Zahlreiche Stücke haben sie seitdem aufgeführt.

„Für die Großen ja, für die ist die Wirtschaft, und der kleine Mann darf sich wundern. “ Als Rentner zählt sich August Bodendiek zu den „kleinen Leuten“, die weniger vom Wirtschaftswunder profitiert und einfach „kein Auskommen mir dem Einkommen“ haben. 

Obertshausen – Das möchten er und seine Frau Ida jetzt ändern und planen im gleichnamigen Stück, einen Untermieter für ihr leer stehendes Zimmer zu suchen. Mit dieser Komödie entführt das Atelier-Theater Obertshausen (ATO) Anfang September im Pfarrer-Schwahn-Haus in die 50er- und 60er-Jahre.

Spielen sie jetzt alle dieselbe Rolle? Der Anblick der gut gelaunten Schar im Probenraum verwirrt. Ein jeder der Laiendarsteller trägt ein schwarzes Polohemd mit dem „ATO“ in dicken, roten Lettern und einer zweifarbigen Maske drauf. Ein Sektkorken knallt, Gläser klingen, Gelächter erfüllt den Saal, der noch als Wohnzimmer der Gastgeber erkennbar ist. Vor zehn Jahren hat Heinz-Jürgen Grab die Bühne gegründet, nach Treffpunkten an verschiedenen Adressen in beiden Teilen der Stadt ist die Truppe im Reihenhaus seiner Familie in Hausen gestrandet. Geübt wird sonst im Dachstudio, doch heute feiern Bühnentalente und Techniker, Requisiteure und Souffleuse ihr kleines Jubiläum in der „gut’ Stub’“, die gleich vier Mitglieder des jungen Vereins als ihr Zuhause ansehen. Ein Dutzend Stücke haben sie bereits aufgeführt, darunter ernste Werke, die zum Nachdenken anregen, weihnachtliche und historische Szenen, die sie selbst geschrieben haben, große Literatur und Heiteres wie die Komödie von Fritz Wempner in drei Akten.

Um die karge Rente aufzubessern, wollen die Bodendieks also ein Zimmer vermieten. Doch während Ida die Stube an den Fernfahrer Klaus Jäger vergibt, setzt August einen Vertrag mit der Privatsekretärin Lisa Franzen auf. Der Senior hätte halt gerne eine weibliche Mitbewohnerin, ist zu vernehmen, aber was tun, wo das Objekt versehentlich doppelt vermietet ist? Und die beiden Alten können sich partout nicht einigen, wer bleiben darf! Die Lösung liegt in der Gier – die Bodendieks kassieren einfach doppelt ab. Schließlich arbeitet Klaus nachts, die beiden sollten sich bloß nicht begegnen.

Kein Auskommen mit dem Einkommen

Womit die Rentner nicht gerechnet haben – beide Untermieter bringen ihre familiären Probleme mit. Dazu kommt eine kleine Schwindelei Lisas gegenüber der Frau ihres Chefs. Und als wäre das nicht schon genug Zündstoff, befeuert Nachbarin Paula Sprott mit ihrem Ehemann das Chaos. Trubel ist vorprogrammiert, das Stück eröffnet eine spritzige Sichtweise auf den Aufschwung.

„Ich habe die Bewegungen zu meinem Text im Kopf“, verrät „August“ Oliver Bode seine Lerntechnik. Seine „Ehefrau“ Sylvia Pieroth hat ihren Part aufs Handy gesprochen und lauscht ihm beim Gassi-Gehen. „Du musst dich mit deiner Figur identifizieren“, lautet die Erkenntnis von Sabrina Grab-Archard, „du musst wissen, wer die Person ist, woher sie kommt, was sie will“. Sabrina spielt die Sekretärin und bewältigte in den vergangenen Jahren jeweils ein enormes Pensum an Dialogen.

Hilfreich sei auch, dass es sich diesmal um Alltagssprache handle, die lasse sich leichter merken. Gleich drei Mitglieder des Ensembles feiern in vier Wochen ihr Debüt – zumindest auf der Atelier-Bühne: Joachim Rodenhauser als Helmut Jäger, Kirsten Altmann als Gerry Franzen und Heinz Hoos als Friedrich Sprott. Der Heusenstammer stand bereits in Dietzenbach auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Ab Ende August wird im Pfarrer-Schwahn-Haus aufgebaut, Ton und Licht eingerichtet und jeden Abend geprobt, kündigt Regisseur Grab an. „Bodendieks gibt’s auch heute wieder“, verweist der Leiter auf die wirtschaftliche Lage. „Aber mit dem Stück wollen wir nicht über politische Probleme grübeln, sondern unser Publikum amüsieren.“

Weitere Informationen

Die Vorstellungen der Komödie „Kein Auskommen mit dem Einkommen“ von Fritz Wempner beginnen am Freitag und Samstag, 6. und 7. September, um 19.30 Uhr, am Sonntag um 15.30 Uhr im Pfarrer-Schwahn-Haus hinter der St. Josefskirche. Karten zu acht Euro (Studierende zahlen fünf) gibt’s im Vorverkauf im Büchertreff an der Schulstraße und bei Schreibwaren Hoffmann in der Herrnstraße sowie bei Pieroth Immobilien, Windthorststraße 5, und bei der Familie Grab, z 06104 490 449. Weitere Informationen sind im Internet zu finden auf atelier-theater-obertshausen.de.

Von Michael Prochnow

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