Feuertaufe für junge Bewerber

Gemeinsames Projekt von Stadt und HHS macht Schüler fit fürs Jobinterview

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„Lampenfieber“ vor der Tür: Berufseinstiegsbegleiterin Wiltrud Dümel-Eze (links) und Projektkoordinatorin Beate Hopf (rechts) beruhigen die Schülerinnen, bevor es zum simulierten Vorstellungsgespräch im Rathaus an der Beethovenstraße geht.

Nervosität macht sich breit auf dem schmalen Gang im Rathaus Beethovenstraße. „Vorstellungsgespräche. Bitte nicht stören! Sie werden aufgerufen.“ So steht es auf den Schildern, die an drei der Bürotüren hängen. Davor warten die Schüler aus den zwei Hauptschulabschlussklassen 9aH und 9bH. Einer nach dem anderen stellen sie sich an diesem Tag den Fragen der Personaler. Aufgeregt ist angesichts der für alle neuen Situation wohl jeder – daran ändert auch die Tatsache nichts, dass es sich bei den Bewerbungsgesprächen lediglich um eine Simulation handelt.

Obertshausen – Die Idee der simulierten Bewerbungsgespräche haben Beate Hopf, die für die Stadt als Ansprechpartnerin für das Projekt „Jugend stärken in Schule und Beruf“, Berufseinstiegsbegleiterin Wiltrud Dümel-Eze vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft sowie die Klassenlehrerinnen Dorothea Suleja und Petra Atuk gemeinsam in die Tat umgesetzt. „Mein Langener Kollege Mathias Hütter hat bereits solche simulierten Vorstellungsgespräche durchgeführt und die Idee hat mir gut gefallen, sodass ich das Konzept auch nach Obertshausen bringen wollte“, sagt Beate Hopf.

Anhand von echten Ausbildungsangeboten aus der Jobbörse der Agentur für Arbeit haben die Hauptschüler im Vorfeld Bewerbungen geschrieben: Etwa auf Ausbildungsplätze im Friseurhandwerk, der Gastronomie, im Gartenlandschaftsbau oder als Kaufleute oder Mechatroniker. Für die simulierten Bewerbungsgespräche haben die Organisatorinnen die städtische Ausbildungsbeauftragte Isabel Schuldes und Kollegen aus den verschiedenen Fachbereichen der Stadt ins Boot geholt.

Zur Vorbereitung haben die künftigen Berufsanfänger im Unterricht jede Menge Tipps für Bewerbungen und Vorstellungsgespräche mit auf den Weg bekommen. Nun dürfen sie die Theorie gleich unter realistischen Bedingungen testen. Zunächst heißt es jedoch, vor der Tür auf das eigene Gespräch warten, jeweils drei Gespräche finden parallel statt. In der Hand halten sie die vorbereitete Bewerbungsmappe, im Kopf gehen sie Gelerntes durch. Ein wenig Nervosität gehört auch dazu.

Dann ist es soweit: Nun können auch Freunde nicht mehr weiterhelfen. Jeweils zwei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus verschiedenen Fachbereichen der Stadtverwaltung übernehmen in dem Projekt die Seite der Arbeitgeber. Sie achten während des 20-minütigen Gesprächs auf Kleidung und Ausdrucksweise, werfen einen Blick auf die Bewerbung und stellen Fragen, wie sie sonst Arbeitgeber auf der Suche nach geeignetem Personal stellen.

Danach bekommen die Schüler, anders als bei einer echten Bewerbung üblich, ein ausführliches Feedback, ein sogenannter Reflexionsbogen geht mit den Bewerbungen zurück an die beiden Lehrerinnen. „Das Gute an diesem Projekt ist, dass jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer bei dieser Übung nur gewinnen kann“, ist sich Beate Hopf sich. Mit den Tipps und Erfahrungen könnten die Schüler später gut vorbereitet ins echte Bewerbungsgespräch gehen.

Und der Versuch beweist, die Neuntklässler nehmen das Experiment und die damit verbundene Chance, sich in sicherem Rahmen auszuprobieren, sehr ernst. „Man hat in den Gesprächen deutlich gemerkt, dass die Teilnehmer gut vorbereitet waren“, fasst Isabell Schuldes zusammen.

Auch die beiden Klassenlehrerinnen ziehen ein positives Fazit. „Es war überraschend, zu sehen, wie die Schüler teils dabei aufgeblüht sind“, beschreibt AL-Lehrerin Petra Atuk. Gleichzeitig haben sie nun bereits vollständige Bewerbungsmappen fertig, die sie für die anstehende Jobsuche brauchen. Drei ihrer Schüler haben die Erfahrung sogar bereits genutzt und gute reale Gespräche gehabt, freut sich die Lehrerinn.

Die nächste Gelegenheit mit potenziellen Arbeitgebern ins Gespräch zu kommen, gibt es in Obertshausen am Dienstag, 21. Mai, bei der zweiten Auflage von „Job’n’Grill“ im Bürgerhaus an der Tempelhofer Straße.

Von Thomas Holzamer

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